VCÖ-Factsheet 2018-07 - Gesunde Luft statt giftige Verkehrsabgase

Der Verkehr belastet Österreichs Städte nach wie vor mit Schadstoffen, wie Stickoxide und Ultra-Feinstaub. Für ältere Menschen und Kinder sind die Schadstoffe besonders schädlich. Es braucht eine Mobilitätswende inklusive Ausstieg aus fossilen Brennstoffen.

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Entlang von viel befahrenen Straßen ist die Luft in Österreich mit Stickstoffdioxid und Ultra-Feinstaub stark belastet. Dieselfahrzeuge sind dabei für bis zu 90 Prozent der Stickoxid-Belastung verantwortlich. Stickoxide bilden gemeinsam mit flüchtigen Kohlenwasserstoffen (NMVOC) Ozon. Die Ozonbelastung ist vor allem an heißen Tagen hoch. Feinstaub ist umso gesundheitsschädlicher, je kleiner die Partikel sind. Lkw ohne Partikelfilter, Diesel- Pkw und Benzin-Pkw mit Direkteinspritzung sind Hauptverursacher von Ultra-Feinstaub. Für Kinder, ältere Menschen und Personen mit Erkrankungen sind diese Schadstoffe besonders gefährlich.

Maßnahmen gegen Ultra-Feinstaub nötig

Die Belastung durch Ultra-Feinstaub ist auf stark befahrenen Straßen im Fahrzeuginneren und am Fahrbahnrand sehr hoch. Es gibt jedoch weder Grenzwerte noch Messstellen für Ultra- Feinstaub und auch keinen Richtwert unter dem die Gesundheitsgefahr ausgeschlossen ist. Allerdings ist jede Verringerung der Partikel für die Gesundheit positiv. Durch gezielte Förderung von Gehen und Radfahren, Ausbau des Öffentlichen Verkehrs und einen schnellen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen verbessert sich die Luftqualität und die Städte werden noch lebenswerter.



Luftqualität in Österreich verbessern

Die Bevölkerung in mit Abgasen stark belasteten Gebieten leidet häufiger an Atemwegserkrankungen, Herzrhythmusstörungen, Allergien, Bronchitis und verminderter Lungenfunktion. Nach Tagen mit hoher Schadstoff-Belastung wird ein Anstieg an Todesfällen verzeichnet. In den Jahren 2014 bis 2016 wurde der Ozon-Zielwert zum Schutz der menschlichen Gesundheit in knapp der Hälfte Österreichs überschritten, etwa 1,2 Millionen Menschen sind davon betroffen. Zudem wird der EU-Grenzwert für Stickstoffdioxid noch immer überschritten. Ausgerechnet für den gesundheitsschädlichen Ultra-Feinstaub gibt es kaum Messungen und noch keinen Richt- oder Grenzwert. Wesentlich für die Überschreitungen sind die vielen Dieselfahrzeuge sowie auch Benzin-Pkw mit Direkteinspritzung in Österreich. Es wird Zeit, der Gesundheit der Menschen Vorrang zu geben. Selbst in Autonationen wie Deutschland und Italien sind Maßnahmen, die den Kfz-Verkehr beschränken, üblich.

Potenzial zur Reduktion der verkehrsbedingten Schadstoff-Belastung nutzen

Ein Bündel von Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität ist notwendig und entlastet die Bevölkerung und die Umwelt gleichermaßen. Die derzeitige Steuerbegünstigung von Diesel ist rasch abzuschaffen. Umfassende Kontrollen von Diesel- Fahrzeugen sind einzuführen, um die Wirksamkeit der Abgasreinigung zu überprüfen. Ältere Lkw und Baumaschinen sind mit Partikelfiltern nachzurüsten. Hardware-Nachrüstungen neuer Diesel-Pkw auf Kosten der Hersteller müssen verpflichtend werden. Umweltzonen reduzieren die Schadstoff- Belastungen durch den Lieferverkehr und in Städten ist die Parkraumbewirtschaftung auszuweiten. Der Öffentliche Verkehr und die Infrastruktur für den Radverkehr sind stark auszubauen. In den Städten ist dem Gehen und Radfahren viel mehr Platz als heute einzuräumen.

Quellen: VCÖ Messungen 2016, Messung Hans-Peter Hutter 2016, Umweltbundesamt 2017, 2018, World Health Organization 2016, Helmholtz Zentrum München 2016, Harvard School of Public Health 2016, HBEFA Version 2017, Österreichische Ärztezeitung Nr. 22 2011


Empfehlungen für die Gesundheit

  • Messstellen-Netz für Ultra-Feinstaub einführen
  • Niedrigere Grenzwerte für PM2,5 und mehr PM2,5-Messstellen
  • Öffentlichen Verkehr in Ballungsräumen stark ausbauen
  • Die Stadt-Umland-Verbindungen sind als dichtes S-Bahn-Netz auszubauen anstelle von weiteren, teuren Straßenbauprojekten
  • Bedingungen für Gehen und Radfahren verbessern. So können viele kurze Autofahrten auf saubere Mobilität verlagert werden
  • Lkw-Umweltzonen in Luftsanierungsgebieten und Städten ausweiten und auch kleine Nutzfahrzeuge miteinbeziehen. Anschlussbahnen und Gleisanschlüsse für Unternehmen stärker fördern
  • Ältere Lkw und Baumaschinen mit Partikelfiltern nachrüsten
  • Niedrigere Tempolimits als günstige Sofortmaßnahme für bessere Luft und Klimaschutz
  • Gleiche Tempolimits für Klein-Lkw wie für Lkw einführen
  • Mehr Kontrollen der realen Emissionen der Fahrzeuge auf der Straße
  • Verpflichtende Hardware-Nachrüstung auf Kosten der Hersteller
  • Maßnahmen wie Stadt-Mauten und Umweltzonen auch in Österreich einführen. In vielen Städten Europas gibt es Umweltzonen, in einigen auch Stadt-Mauten. Damit wurden Verkehrs- und Luftqualitätsprobleme spürbar verringert
  • Steuerbegünstigung für Diesel-Treibstoff abschaffen

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Ulla Rasmussen,
VCÖ-Verkehrspolitik

„An stark befahrenen Straßen ist die Belastung durch Ultra-Feinstaub und Stickoxide hoch. Besonders stark betroffen sind Anwohnende sowie Fahrzeug-Insassen. Es braucht verstärkte Maßnahmen gegen die straßennahen Schadstoffe.“

Sybille Egger,
GLOBAL 2000

„Ökosysteme, Vegetation und unsere Gesundheit werden durch erhöhte Ozonbelastung geschädigt. Ozon entsteht vor allem aus Autoabgasen, die vom Wind über weite Strecken transportiert werden und damit auch ländliche Gebiete belasten können.“


Weitere Informationen zum Thema sind auf der VCÖ-Themenseite "Saubere Luft und wenig Lärm" aufbereitet.

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