VCÖ: Energieverbrauch des Verkehrs seit dem Jahr 1990 fast verdoppelt

VCÖ: 87 Prozent des Energiebedarfs des Verkehrs kommen aus Erdöl

VCÖ (Wien, 23. Februar 2017) – Der Energieverbrauch des Verkehrs hat sich in Österreich seit dem Jahr 1990 fast verdoppelt. Kein anderer Sektor ist so stark vom Erdöl abhängig. Der mit dem Klimaabkommen von Paris beschlossene Ausstieg aus Erdöl ist aber bis zum Jahr 2050 erreichbar, wie eine heute präsentierte VCÖ-Publikation zeigt. Voraussetzung ist eine starke Verringerung des Energieverbrauchs. Zur besseren Energieeffizienz trägt neben der E-Mobilität und dem starken Ausbau umweltfreundlicher Mobilitätsangebote auch die Einführung einer CO2-Abgabe im Rahmen einer ökologischen Steuerreform bei.

Mit dem Klimaabkommen von Paris, das von Österreich ratifiziert wurde, wurde de facto der globale Ausstieg aus fossilen Energieträgern bis zum Jahr 2050 beschlossen. „Von diesem Ziel ist Österreich derzeit noch sehr weit entfernt, vor allem im Verkehr. Aber ohne Mobilitätswende ist die Energiewende nicht erreichbar“, fasst VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen die heute präsentierte VCÖ-Publikation „Energie für erdölfreie Mobilität“ zusammen. Der Bedarf des Verkehrs an erneuerbarer Energie wird stark steigen.

Der Gesamtenergiebedarf Österreichs betrug zuletzt 1.087 Petajoule pro Jahr, etwas mehr als ein Drittel davon verbrauchte der Verkehr (378 Petajoule). Seit dem Jahr 1990 ist der Energieverbrauch des Verkehrs um über 80 Prozent gestiegen und damit mehr als doppelt so stark wie der gesamte Energiebedarf.

Kein anderer Sektor ist so stark vom Erdöl abhängig wie der Verkehr. 87 Prozent der im Jahr 2015 vom Verkehr benötigten Energie wurden aus Erdöl gewonnen, beim Kfz-Verkehr betrug der Anteil sogar 92 Prozent, macht der VCÖ aufmerksam. Der Importanteil bei Erdöl ist mit 94 Prozent sehr hoch. Der Großteil der Erdölimporte kommt aus Staaten mit großen Defiziten bei Menschenrechten und Demokratie.

Der steigende Energiebedarf des Verkehrs ist keineswegs nur auf den so genannten Kraftstoffexport zurückzuführen. Beim Pkw-Verkehr war im Jahr 2015 die Menge an Treibstoff, die in Österreich getankt und im Ausland verfahren wurde mit 5,5 Petajoule nahezu gleich hoch wie im Jahr 1990. Hingegen ist die vom Pkw-Inlandsverkehr verbrauchte Energiemenge um 48 Prozent auf 163 Petajoule massiv gestiegen. Noch stärker hat der Energiehunger des Lkw-Verkehrs zugenommen: Beim Inlandsverkehr um zwei Drittel auf 70 Petajoule, der Kraftstoffexport bei den Lkw hat sich von 14 auf 76 Petajoule mehr als verfünffacht. Mehr als 90 Prozent des „Tanktourismus“ gehen auf das Konto der Lkw, stellt der VCÖ fest.

VCÖ: Ohne umfassende Mobilitätswende ist Energiewende nicht erreichbar 

Betrachtet man die Gesamtbilanz inklusive der Herstellung der Kraftstoffe dann verbraucht ein Diesel-Pkw pro Personenkilometer zweieinhalb Mal so viel Energie wie ein E-Pkw. Die CO2-Bilanz der E-Fahrzeuge hängt von der Stromerzeugung ab. Diesel-Pkw verursachen viereinhalb Mal so hohe klimaschädliche CO2-Emissionen wie E-Pkw mit österreichischem Strommix. Wird Ökostrom getankt, verbessert sich die CO2-Bilanz des E-Pkw nochmals: Diesel-Pkw verursachen dann rund neun Mal so viele CO2-Emissionen. E-Pkw sind um ein Vielfaches energieeffizienter und klimaverträglicher als Diesel-Pkw und Benziner, betont der VCÖ. Noch besser ist die Energie- und Klimabilanz des Bahnverkehrs sowie für kürzere Strecken von Radfahren und Gehen.

Während in der Personenmobilität das Angebot erdölfreier Mobilität bereits vielfältig ist (Gehen, Radfahren, Öffentlicher Verkehr, E-Carsharing, E-Pkw), gibt es beim Gütertransport noch großen Aufholbedarf. Neben der Forcierung des Bahngüterverkehrs gilt es für die Feinverteilung den Einsatz von E-Transportern zu forcieren. Das können im urbanen Bereich für Zustelldienste bis rund 200 Kilogramm E-CargoBikes sein. Für größere Transporte ist die Entwicklung von E-Lkw voranzutreiben. „Dass MAN in Steyr mit der Produktion von E-Trucks startet, ist sehr erfreulich“, so VCÖ-Expertin Rasmussen. 

Um die Energiewende im Verkehr zu schaffen, ist eine verkehrssparende Siedlungsentwicklung und der starke Ausbau des Öffentlichen Verkehrs sowie der Radfahrinfrastruktur nötig. Zudem braucht es einen klaren Zeitplan für den Ausstieg aus dem Erdöl. Spätestens zwischen 2028 und 2030 sollten keine Neuwagen mehr mit Verbrennungsmotor verkauft werden. Handlungsbedarf gibt es in Österreich beim Steuersystem. Derzeit sind die Steuern auf Arbeit hoch, während Energieverbrauch sehr niedrig besteuert ist, was sowohl aus ökologischer als auch aus ökonomischer und arbeitsmarkpolitischer Sicht kontraproduktiv ist.

Die VCÖ-Publikation „Energie für erdölfreie Mobilität“ ist beim VCÖ unter (01) 8932697 oder www.vcoe.at erhältlich

VCÖ: Energiebedarf des Kfz-Verkehrs in Österreich seit 1990 stark gestiegen (Energiebedarf im Jahr 2015 (in Klammer Veränderung gegenüber Jahr 1990))

Pkw-Inlandverkehr*: 163 Petajoule (plus 53 PJ – plus 48 Prozent)
Pkw-Kraftstoffexport**: 5,5 PJ (plus 0,5 PJ – plus 10 Prozent)  Pkw gesamt: 168,5 PJ (plus 53,5 – plus 47 Prozent)
Lkw-Inlandverkehr: 70 PJ (plus 28 PJ – plus 67 Prozent)

Lkw-Kraftstoffexport: 76 PJ (plus 62 PJ – plus 443 Prozent)
Lkw gesamt: 146 PJ (plus 90 PJ – plus 161 Prozent)

*In Österreich getankt, in Österreich verfahren
** In Österreich getankt, im Ausland verfahren
Quelle: Umweltbundesamt, VCÖ 2017 

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