VCÖ: E-Mobilitätspaket mit Licht und Schatten

VCÖ: Niedrigere CO2-Grenzwerte für Neuwagen und Zeitraum für Ende der Verbrennungsmotoren nötig

VCÖ (Wien, 23. November 2016) – Der VCÖ sieht beim heute präsentierten E-Mobilitätspaket der Bundesregierung Licht und Schatten. Positiv ist, dass im Vergleich zu Deutschlands Initiative Österreichs E-Mobilitätspaket mehr ist als nur eine E-Autoförderung. Kritisch ist die Förderung der Plug-In-Hybrid Pkw zu beurteilen. Laut einer umfassenden Studie sind die tatsächlichen CO2-Emissionen von Plug-In-Hybrid Pkw fast drei Mal so hoch wie die Herstellerangaben versprechen. Als nächster Schritt sind politische Maßnahmen, wie niedrigere CO2-Grenzwerte für Neuwagen, die Abschaffung der Steuerbegünstigung von Diesel sowie ein Zeitplan zum Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor nötig, betont der VCÖ.

„Der Verkehr ist beim Klimaschutz Österreichs größtes Sorgenkind. Die Forcierung der E-Mobilität in Kombination mit erneuerbarer Energie hilft, den Verkehr auf Klimakurs zu bringen. Klar ist aber auch, dass wir mit E-Autos alleine nicht das Klimaziel erreichen werden“, stellt VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen zum heute präsentierten E-Mobilitätspaket fest. Dass auch E-Lkw, E-Transporter, E-Cargo-Bikes sowie E-Busse und E-Mopeds enthalten sind, ist sehr positiv, ebenso die Förderung des Ausbaus der Lade-Infrastruktur.

In der Gesamtbilanz (inklusive Fahrzeugherstellung) hat ein kleiner vollelektrischer E-Pkw, der mit Strom aus erneuerbarer Energie betrieben wird, einen CO2-Ausstoß von 19 Gramm pro Fahrzeugkilometer und damit deutlich weniger als ein Diesel-Pkw, der im Schnitt 193 Gramm CO2  pro Kilometer verursacht, macht der VCÖ aufmerksam. Anders hingegen bei Plug-In-Hybrid-Pkw. Eine niederländische Studie hat das Fahrverhalten bei 6.000 Plug-In-Hybrid Pkw untersucht. Ergebnis: Nur bei 9 bis 29 Prozent der gefahrenen Kilometer wurde der E-Motor benutzt, 71 bis 91 Prozent der Kilometer wurden mit Benzin gefahren. „Die tatsächlichen CO2-Emissionen beim Fahren auf der Straße waren damit fast drei Mal so hoch wie die Herstellerangaben“, berichtet VCÖ-Expertin Rasmussen.

Der VCÖ fordert, dass die Förderungen durch politische Maßnahmen ergänzt werden. So sind auf EU-Ebene rasch niedrige CO2-Grenzwerte für Neuwagen sowie ein verpflichtender Anteil von E-Pkw zu beschließen. Dadurch werden die Hersteller mehr E-Automodelle auf den Markt bringen, was den Preis der E-Autos reduziert. Auch ist ein Zeitraum festzulegen, ab dem kein Neuwagen mit Verbrennungsmotor mehr auf den Markt kommt. Die Steuerbegünstigung auf Dieseltreibstoff ist rasch abzuschaffen und die Energiebesteuerung vom CO2-Ausstoß abhängig zu machen. Auch Umweltzonen würden der E-Mobilität Rückenwind geben.

„An der Elektrifizierung des Verkehrssystems führt kein Weg vorbei. Je schneller dieses Ziel erreicht wird, umso besser für die Umwelt, für die Luftqualität und für Österreichs Unabhängigkeit. Strom kann Österreich selber herstellen, Erdöl muss teuer importiert werden - häufig aus politisch fragwürdigen Regionen“, stellt VCÖ-Expertin Rasmussen fest. Schon heute ist Österreich bei den Neuzulassungen vollelektrischer Pkw EU-Spitzenreiter, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt.

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