VCÖ-Factsheet 2015-08 - VCÖ: Bedingungen zum Radfahren weiter verbessern

Wo die Bedingungen zum Radfahren gut sind, werden deutlich mehr Alltagswege mit dem Rad gefahren, wie die diesjährige VCÖ-Radfahr-Umfrage zeigt. Das Potenzial für mehr Radverkehr ist in Österreich groß.

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Bei der vom Institut Integral durchgeführten VCÖ-Radfahr-Umfrage wurden in Österreich 1.000 Personen, die im Alltag Rad fahren, repräsentativ befragt. Zusätzlich wurden 2.500 besonders radaffine Personen direkt vom VCÖ befragt.

Erfreulich: 88 Prozent der Alltagsradfahrenden sind mit den Bedingungen zum Radfahren an ihrem Wohnort sehr zufrieden oder zufrieden. Jene, die viel Rad fahren, beurteilen das Verkehrsklima zum Radfahren sowie die Möglichkeit schnell und ohne Umwege ans Ziel zu kommen besser als jene, die selten in die Pedale treten. Wo die Bedingungen zum Radfahren verbessert werden, wird mehr Rad gefahren.

Bedingungen zum Radfahren verbessern

Fast die Hälfte der Autofahrten ist kürzer als fünf Kilometer. Beispielsweise können in Österreich Handel und Gemeinden noch viel tun, damit es Kundinnen und Kunden erleichtert wird, mit dem Fahrrad einzukaufen. Es ist auch stärker als bisher darauf zu achten, dass Betriebe und Unternehmen mit dem Fahrrad gut erreichbar sind. Immerhin wohnt ein Drittel der Beschäftigten weniger als fünf Kilometer vom Arbeitsplatz entfernt. Auffallend ist, dass die Hälfte aller Eltern die Verkehrssicherheit am Schulweg so schlecht beurteilen, dass sie ihr Kind nicht mit dem Fahrrad zur Schule fahren lassen.

Jede dritte radfahrende Person in Österreich tritt mehrmals die Woche in die Pedale, ein weiteres Drittel mehrmals im Monat und ein Drittel macht gelegentlich Alltagserledigungen mit dem Rad. Der Anteil der Vielfahrenden ist bei den 17- bis 30-Jährigen und bei 60- bis 70-Jährigen überdurchschnittlich hoch. Auch nutzen Radfahrende, die in größeren Städten wohnen, häufiger das Rad als jene, die in kleinen Orten wohnen. Von Mai bis August wird in Österreich am meisten Rad gefahren. Fast die Hälfte der Radfahrenden ist in dieser Jahreszeit mehrmals in der Woche mit dem Fahrrad unterwegs. In den Wintermonaten nutzt etwa jede fünfte Person zumindest gelegentlich das Rad für Alltagsfahrten, in der radaffinen Gruppe treten sogar zwei Drittel auch im Winter in die Pedale.

Wo im Verkehr Bedingungen zum Radfahren gut sind, wird häufiger Rad gefahren.

Verbesserungen werden honoriert

Ziele schnell und direkt erreichen zu können ist ein starker Grund, im Alltag Rad zu fahren. Je eher dies für die Befragten der Fall ist, desto häufiger fahren sie Rad. 52 Prozent der Radfahrerinnen und Radfahrer sagen, dass sich die Bedingungen zum Radfahren in ihrem Wohnort verbessert beziehungsweise stark verbessert haben, nur sechs Prozent erleben Verschlechterungen. Besonders hoch ist die Zufriedenheit bei den 60- bis 70-jährigen Radfahrenden: Fast drei Viertel sagen, die Bedingungen zum Radfahren wurden verbessert.

Rad und Öffentlicher Verkehr sind eine gute Kombination, viele wünschen Verbesserungen.

Auch Personen, die mehrmals pro Woche im Alltag Radfahren, sehen häufiger starke Verbesserungen als jene, die selten in die Pedale treten. Die Radfahrenden honorieren es, wenn Verbesserungen für sie umgesetzt werden: Personen, die in ihrem Wohnort bessere Bedingungen für das Radfahren wahrgenommen haben, beurteilen das Verkehrsklima deutlich radfahrfreundlicher.

Mit dem Rad einkaufen ist beliebt

Acht von zehn Radfahrerinnen und Radfahrern erledigen mit dem Fahrrad Einkäufe, mehr als die Hälfte davon häufig. Besonders die immer bedeutender werdende Gruppe der Seniorinnen und Senioren kauft häufig mit dem Rad ein. Handel und Gemeinden sind daher gut beraten, wenn sie sich für eine gute Erreichbarkeit von Geschäften mit dem Fahrrad einsetzen sowie ausreichend qualitätsvolle Fahrrad-Abstellanlagen anbieten.

Noch stärker wird das Fahrrad für Ausflüge genutzt und um Freizeitziele, wie Kino, Schwimmbad oder Kaffeehaus, zu erreichen.

Sechs von zehn Radfahrenden, die sich in Ausbildung befinden, nutzen das Fahrrad um zur Uni, zur Fachhochschule oder Schule zu kommen. Jeder fünfte berufstätige Radfahrende radelt mehrmals die Woche in die Arbeit, jeder zweite nutzt zumindest gelegentlich das Rad, um in die Arbeit zu kommen. Ausbaupotenzial besteht bei der Nutzung des Fahrrads für dienstliche Erledigungen. Nur drei von zehn berufstätigen Radfahrenden erledigen Dienstfahrten mit dem Rad, in den Landeshauptstädten und den größeren Städten ist der Anteil mit fünf von zehn deutlich höher. Die Nutzung des Fahrrades kann durch betriebliches Mobilitätsmanagement und dem zur Verfügung stellen von E-Bikes und Transporträdern erhöht werden. Dienstfahrräder können von den Beschäftigten auch privat genutzt werden, ohne dass dafür ein Sachbezug zu versteuern ist.

Österreichs Radfahrende sind multimodal mobil

Das Mobilitätsverhalten der Radfahrerinnen und Radfahrer ist vielfältig. 84 Prozent gehen im Alltag mehrmals pro Woche zu Fuß, zwei Drittel setzen sich mehrmals die Woche hinter das Lenkrad eines Autos und 26 Prozent nutzen städtische und regionale öffentliche Verkehrsmittel. Wer mehrmals pro Woche Rad fährt, nutzt häufiger den Öffentlichen Verkehr und deutlich seltener den Pkw.

Radfahren und Autofahren verbindet, dass es individuelle Mobilitätsformen mit hoher Selbst-bestimmtheit sind. Daher ist die Bereitschaft, Fahrten mit dem Rad statt dem Auto zurückzulegen, größer als angenommen.

Bei der Generali-Autostudie 2015 gab jeder fünfte Autofahrende an, heute häufiger Rad zu fahren, in Vorarlberg sogar jeder dritte. Die Hälfte der Autofahrenden sprach sich für die Beschränkung des Autoverkehrs in Ballungsräumen aus.

In etlichen Mehrparteienhäusern gibt es bei Anzahl und Qualität der Fahrrad-Abstellanlagen noch einiges zu verbessern.

Rad & Öffis werden häufiger kombiniert

Auch die Kombination von Fahrrad und Öffent-lichem Verkehr nimmt zu. Insgesamt sind vier von zehn Radfahrenden zumindest gelegentlich in -Kombination von Fahrrad und Öffentlichem Verkehr unterwegs, bei den Vielfahrenden sogar fünf von zehn. Sie fahren beispielsweise mit dem Fahrrad zum Bahnhof, nehmen es im Zug mit oder borgen sich am Zielort ein Leihrad aus.

Während 21 Prozent der häufig Radfahrenden mehrmals im Monat oder mehrmals die Woche Fahrrad und Öffentlichen Verkehr kombinieren, sind es bei den selten Radfahrenden nur drei Prozent. In der besonders radaffinen Gruppe sind es hingegen sogar 32 Prozent.

Kindern das Radfahren erleichtern

In der Freizeit fahren viele Kinder Rad, in die Schule jedoch wenige.

Für die VCÖ-Radfahr-Umfrage wurden auch 300 Eltern vom Institut Integral zur Fahrrad-Nutzung ihrer Kinder befragt. Die Kinder und Jugendlichen im Alter von 5 bis 15 Jahren fahren am häufigsten beim Spielen und in der Freizeit mit dem Fahrrad (65 Prozent mehrmals pro Woche). Nur 15 Prozent kommen mehrmals die Woche mit dem Rad zur Schule, drei Viertel der Kinder nie.

Derzeit sieht die Straßenverkehrsordnung vor, dass Kinder nur mit einem Kinderfahrrad am Gehsteig fahren dürfen. 64 Prozent der befragten Eltern sprechen sich dafür aus, dass Kinder bis zum Alter von zehn Jahren generell und unabhängig von der Größe des Fahrrades am Gehsteig fahren dürfen. In Haushalten, wo die Verkehrssicherheit in der Wohn-umgebung als schlecht eingeschätzt wird, ist die -Zustimmung dazu besonders hoch.

Höhere Verkehrssicherheit ermöglicht mehr Kindern, mit dem Rad zur Schule zu fahren

Durch bessere Infrastrukturen und mehr Verkehrssicherheit kann die Zahl radfahrender Kinder erhöht werden.

Immerhin 78 Prozent der befragten Eltern finden das Radfahren für Kinder in der direkten Wohnumgebung sehr oder eher sicher, aber nur 52 Prozent am Schulweg des Kindes.

Für die Hälfte der Eltern, die die Verkehrssicherheit zum Radfahren für Kinder am Wohnort als schlecht beurteilen, ist das ein Grund, warum ihr Kind nicht öfter mit dem Rad fährt.

Für 53 Prozent aller Eltern trifft dieser Grund zu, dass ihr Kind nicht alleine im Straßenverkehr Radfahren soll oder darf. Dieser Anteil steigt auf mehr als zwei Drittel, wenn die Eltern die Verkehrssicherheit im Wohnort als schlecht betrachten.

Durch Verkehrsberuhigung, eine verbesserte Radfahr-Infrastruktur und ein besseres Verkehrs-klima kann es mehr Kindern ermöglicht werden, bewegungsaktiv mit dem Fahrrad mobil zu sein.

 

Maßnahmen, die positiv wirken

Bedingungen für das Radfahren verbessern

• Den Straßenraum fair teilen: Dem Radverkehr mehr Platz einräumen, mehr Verkehrsberuhigung und Tempo 30 statt Tempo 50 im Ortsgebiet

• Radwege entlang von Freilandstraßen

• Mehr sicher versperrbare und wettergeschützte Radabstellanlagen im -Straßenraum, an Bahnhöfen, bei Geschäften und bei Wohn- und Büro-gebäuden

Radfahren in die Arbeit und im Alltag fördern

• Betriebsstandort soll gut mit Fahrrad erreichbar sein. Im Rahmen des betrieblichen Mobilitätsmanagements das Radfahren zur Arbeit fördern, für Dienstfahrten Dienstfahrräder, E-Bikes und Transportfahrräder zur Verfügung stellen

• Geschäfte und Freizeiteinrichtungen gut mit dem Fahrrad erreichbar machen

Kindern das Radfahren erleichtern

• Verkehrsberuhigung und niedriges Tempo des Kfz-Verkehrs im Ortsgebiet, gute Radfahr-Infrastruktur anbieten sowie Radfahrprüfung und Trainings forcieren

• Sicherer Schulweg mit dem Fahrrad

• Gelegenheiten zum Radfahren mit Begleitpersonen und in der Gruppe schaffen, damit Zutrauen entsteht, wenn Kinder alleine fahren können

 

Mag. Markus Gansterer, VCÖ-Verkehrspolitik:

„Die VCÖ-Radfahr-Umfrage zeigt, dass Verbesserungen für das Radfahren wahrgenommen werden. Die Zufriedenheit mit den Bedingungen zum Radfahren hat starken Einfluss -darauf, wie häufig im Alltag -geradelt wird.“

 

Weitere Ergebnisse der Radfahr-Umfrage finden Sie unter www.vcoe.at/radfahren.

Quelle: VCÖ-Radfahr-Umfrage 2015 (n = 1.000 Personen (fahren zumindest mehrmals pro Jahr im Alltag mit Rad, Schwankungsbreite maximal 3,1 %); Eltern von Kindern (5–15 Jahre), n = 300, Schwankungsbreite maximal 5,7 %)

 

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