VCÖ: Auto hat für Mobilität der Österreicher geringere Bedeutung als im EU-Schnitt

VCÖ (Wien, 22. September 2016) – Pro Kopf werden in Österreich im Schnitt 8.920 Kilometer mit dem Auto gefahren, das ist weniger als der EU-Schnitt, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. Und der Anteil der mit Autos gefahrenen Kilometer an der Mobilität ist in Österreich im EU-Vergleich am dritt niedrigsten. Aber um die Klimaziele von Paris zu erreichen, ist auch hierzulande die Zahl der Autofahrten zu verringern. Der VCÖ betont, dass es dafür den stärkeren Ausbau des Öffentlichen Verkehrs sowie der Infrastruktur fürs Radfahren und Gehen braucht.

„Die Bedeutung des Autos für die Mobilität in Österreich ist geringer als im EU-Schnitt. Aber für die Erreichung der Klimaziele von Paris werden auch hierzulande zu viele Kilometer mit dem Auto gefahren“, stellt VCÖ-Experte Markus Gansterer fest. Pro Kopf werden in Österreich 8.920 Kilometer mit dem Auto gefahren, im EU28 Schnitt sind es 9.380 km und in der EU15 sogar 10.290 km pro Kopf, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten von Eurostat zeigt.

Am meisten wird pro Person und Jahr in Luxemburg Auto gefahren - mit 12.610 sogar dreimal so viele Kilometer wie im Land mit den wenigsten Autokilometern, Rumänien (4.290 km). Innerhalb der EU wird in 14 Staaten pro Person weniger Auto gefahren als in Österreich, im EU-15 Vergleich sind es mit Spanien, Portugal und Niederlande lediglich drei Staaten. Aber: Mit rund 77 Milliarden Kilometern pro Jahr - das entspricht der Distanz von 255 Mal zur Sonne und wieder retour - wird auch in Österreich zu viel mit dem Auto gefahren.

Die VCÖ-Analyse zeigt, dass nur in Großbritannien und in Italien heute pro Person weniger mit dem Auto gefahren wird als noch vor 20 Jahren. Dem gegenüber stehen sieben EU-Staaten, wo sich die mit dem Auto zurückgelegten Kilometer verdoppelt haben – jedoch von niedrigem Niveau aus.

Der VCÖ hat auch die Autokilometer im Vergleich zu den mit Bahn, Bus und städtischen Öffis gefahrenen Kilometer unter die Lupe genommen. Nur in Ungarn und Tschechien ist der Anteil der mit Bahn, Bus und städtischen Öffis gefahrenen Kilometer mit rund 34 Prozent höher als in Österreich (rund 27 Prozent). EU-weit kommen öffentliche Verkehrsmittel nur auf 18 Prozent der zurückgelegten Distanz, in Deutschland sogar auf nur 15 Prozent.

Mit dem Klimaabkommen von Paris hat die Staatengemeinschaft den weltweiten Ausstieg aus fossiler Energie bis zum Jahr 2050 beschlossen. „E-Fahrzeuge spielen dafür eine wichtige Rolle, aber die E-Autos alleine schaffen das nicht, weil der Energieverbrauch für die Mobilität nach wie vor zu hoch wäre. Um das Ziel einer erdölfreien Mobilität zu erreichen ist es nötig, dass in Zukunft weniger mit dem Auto und mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren wird. Auch ist das Radfahren und Gehen viel stärker als bisher zu fördern“, betont VCÖ-Experte Gansterer.

Zentral für das Mobilitätsverhalten ist auch die Siedlungspolitik. Die Stärkung der Ortszentren und der Nahversorgung sowie ein Ende der Zersiedelung ermöglichen der Bevölkerung ein umweltfreundlicheres Mobilitätsverhalten. Für Pendlerinnen und Pendler ist wiederum entscheidend, wo Betriebe angesiedelt werden. Was möglich ist, zeigt das Beispiel des Tiroler Frachtunternehmens Berger Logistik: Die Verlagerung des Betriebsstandorts vom entlegenen Industriegebiet zum Wörgler Hauptbahnhof in Kombination mit Mobilitätsmanagement vermeidet jährlich eine Million Autokilometer. 

VCÖ: Österreich bei gefahrenen Autokilometern im EU-Mittelfeld (mit Pkw gefahrene Kilometer pro Kopf, Jahr 2014  - Änderung gegenüber 1995 in Prozent)

1.  Rumänien: 4.290 Kilometer pro Kopf  (plus 143,6 Prozent)

2. Slowakei: 5.035 km (plus 49,8 Prozent)

3. Ungarn: 5.350 km (plus 21,8 Prozent)

4. Malta: 5.590 km (plus 21,5 Prozent)

5. Polen: 5.760 km (plus 100,7 Prozent)

6. Kroatien: 6.175 km (plus 130,2 Prozent)

7. Tschechien: 6.290 km (plus 19,3 Prozent)

8. Lettland: 6.345 km (plus 111,5 Prozent)

9. Spanien: 6.885 km (plus 8,2 Prozent)

10.Zypern: 7.200 km (plus 36,7 Prozent)

11. Bulgarien: 7.500 km (plus 152,7 Prozent)

12. Portugal: 8.030 km (plus 53,1 Prozent)

13. Litauen: 8.320 km (plus 89,4 Prozent)

14. Niederlande: 8.580 km (plus 0,7 Prozent)

15. Österreich: 8.920 km (plus 13,9 Prozent)

16. Griechenland: 8.960 km (plus 114,6 Prozent)

17. Estland: 9.060 km (plus 157,3 Prozent)

18. Dänemark:9.490 km (plus 2,2 Prozent)

19. Belgien: 9.735 km (plus 2,3 Prozent)

20. Großbritannien: 10.100 km (minus 5,3 Prozent)

21. Irland: 10.200 km (plus 16,2 Prozent)

22. Italien: 10.575 km (minus 2,2 Prozent)

23. Deutschland: 11.345 km (plus 13,4 Prozent)

24. Schweden: 11.790 km (plus 18,6 Prozent)

25. Finnland: 11.970 km (plus 22,1 Prozent)

26. Frankreich: 12.290 km (plus 8,6 Prozent)

27. Slowenien: 12.410 km (plus 51,5 Prozent)

28. Luxemburg: 12.610 km (plus 8,9 Prozent)

EU28: 9.380 km (plus 15,2 Prozent)

EU15:10.290 km (plus 7,0 Prozent)

Schweiz: 10.890 km (plus 9,8 Prozent)

Quelle: EU-Kommission,  VCÖ 2016

VCÖ: Auto hat für Mobilität der Österreicher geringere Bedeutung als im EU-Schnitt (Anteil des Pkw an den motorisiert zurückgelegten Kilometern, Jahr 2014) 1. Ungarn: 65,2 Prozent 2. Tschechien: 66,1 Prozent 3. Österreich: 72,4 Prozent 4. Rumänien: 75,9 Prozent 5. Belgien: 76,1 Prozent 6. Slowakei: 76,9 Prozent 7. Polen: 78,7 Prozent 8. Bulgarien: 79,5 Prozent 9. Dänemark: 79,6 Prozent 9. Irland: 79,6 Prozent 11. Italien: 80,1 Prozent 12. Lettland: 80,2 Prozent 13. Griechenland: 80,3 Prozent 14. Estland: 80,6 Prozent 15. Spanien: 81,7 Prozent 16. Zypern: 81,8 Prozent 17. Malta: 83,1 Prozent 18. Schweden: 83,2 Prozent 19. Niederlande: 83,3 Prozent 20. Kroatien: 83,5 Prozent 21. Luxemburg: 83,6 Prozent 22. Frankreich: 83,9 Prozent 23. Deutschland: 84,5 Prozent 24. Finnland: 84,6 Prozent 25. Großbritannien: 84,7 Prozent 26. Slowenien: 86,3 Prozent 27. Litauen: 88,2 Prozent 28. Portugal: 88,9 Prozent

EU-28 Schnitt: 81,9 Prozent

Schweiz: 76,9 Prozent

Quelle: EU-Kommission,  VCÖ 2016

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