VCÖ: Abgasmanipulation bei Lkw in Deutschland – umfassende Prüfung in Österreich nötig

VCÖ: Dieselabgase sind extrem gesundheitsschädlich

VCÖ (Wien, 18. Jänner 2017) – Polizeiliche Kontrollen und verdeckte Recherchen des deutschen Senders ZDF haben weit verbreitete Abgasmanipulationen bei Lkw aufgedeckt. Laut Studie der Universität Heidelberg dürfe jeder fünfte osteuropäische Lkw betroffen sein. Da die Abgasreinigung manipuliert wurde, stoßen diese Lkw auf der Straße deutlich mehr Schadstoffe aus. Der VCÖ weist darauf hin, dass Stickoxide sehr gesundheitsschädlich sind. Zudem erleidet der Staat einen wirtschaftlichen Schaden, da die Lkw-Maut für angeblich schadstoffärmere Lkw niedriger ist. Der VCÖ spricht sich für rasche Kontrollen der realen Schadstoffwerte der Lkw aus.

Die aufgedeckten Manipulationen bei Lkw betreffen den Einsatz des Harnstoffs AdBlue. AdBlue wird in den Abgasstrang eingespritzt, um den Stickoxidausstoß zu senken. Offenbar wurde aber bei vielen Lkw ein Gerät eingebaut, das die Einspritzung von AdBlue blockiert, der Bordelektronik aber vorspielt, weiterhin mit AdBlue zu fahren. Die Spediteure sparen sich durch die illegale Manipulation den Zusatzstoff AdBlue und zahlen trotzdem eine reduzierte Lkw-Maut, die auch in Österreich nach Schadstoffklassen gestaffelt ist. „Diese Lkw stoßen deutlich mehr gesundheitsschädliche Stickoxide aus und gleichzeitig wird der Staat betrogen, da sie eine niedrigere Maut bezahlen als sie aufgrund des Schadstoffausstoßes zahlen müssten“, macht VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen aufmerksam. Bei Lkw kann offiziell die AdBlue-Anlage ausgeschaltet werden, dann zahlen aber diese Lkw eine höhere Maut.

Laut Universität Heidelberg weist jeder fünfte Lkw aus Osteuropa „extrem auffällige Abgaswerte“ auf. Wenn diese Vorwürfe stimmen ist Österreich als Transitland besonders stark betroffen. Umso wichtiger ist es, dass in Österreich rasch stichprobenartig Abgasprüfungen bei Lkw durchgeführt werden, so der VCÖ. Um auszuschließen, dass diese Praktiken auch in anderen Ländern angewandt werden, sind nicht nur Lkw aus Osteuropa zu überprüfen.

„Durch den Dieselskandal ist bekannt, dass neue Diesel-Pkw auf der Straße viel größere Mengen an Schadstoffen ausstoßen als der im Labor ermittelte Wert verspricht. Die nun aufgedeckten Manipulationen bei Lkw zeigen, dass auch viele neue Lkw offenbar zu große Schadstoffmengen emittieren. Diese Praktiken schädigen die Gesundheit all jener, die an stark befahrenen Straßen wohnen“, weist VCÖ-Expertin Rasmussen auf die Folgen hin.

Dieselfahrzeuge sind die Hauptverursacher von Stickoxiden. Besonders gesundheitsschädlich ist Stickstoffdioxid, das zu Atemwegserkrankungen sowie Lungen- und Herzschäden führen kann. Der VCÖ weist darauf hin, dass entlang stark befahrener Straßen in Ballungsräumen sowie entlang der Transitautobahnen häufig der Jahresgrenzwert überschritten wird.  Die steuerliche Begünstigung von Dieseltreibstoff ist angesichts der bekannten Gesundheitsschäden unverständlich.

Nötig sind auch verstärkte Maßnahmen zur Verringerung des Lkw-Verkehrs. In den vergangenen Jahren  ist der Lkw-Verkehr in Österreich massiv gestiegen, allein im Vorjahr auf den Autobahnen und Schnellstraßen um mehr als vier Prozent. „Der Lkw-Verkehr nimmt deutlich stärker zu als die Wirtschaft wächst. Auch das ist ein Zeichen von Ineffizienz. Die rechte Fahrspur ist aufgrund der fehlenden Kostenwahrheit im europäischen Lkw-Transport zur rollenden Lagerhalle geworden“, spricht sich VCÖ-Expertin Rasmussen für Maßnahmen für mehr Effizienz im Gütertransport aus.

Durch betriebliche Gleisanschlüsse sind mehr Güter auf die Schiene zu verlagern, auf EU-Ebene ist eine Mindestmaut für Lkw einzuführen. In Österreich braucht es auch mehr Lkw-Kontrollen. Durch die Nichteinhaltung technischer sowie arbeits- und sozialrechtlicher Vorschriften werden die Transportkosten gedrückt. „Damit steigt nicht nur das Unfallrisiko auf den Straßen, sondern es werden auch all jene Spediteure, die sich an die Gesetze halten, geschädigt. Der Staat hat die Aufgabe durch verstärkte Kontrollen für faire Wettbewerbsbedingungen zu sorgen“, stellt VCÖ-Expertin Rasmussen fest.