VCÖ-Factsheet 2013-13 - VCÖ: 200.000 Arbeitsplätze durch umweltfreundliche Mobilität

Investitionen in Infrastruktur und bestellte Leistungen bei den öffentlichen Verkehrsunternehmen schaffen in Österreich viele Arbeitsplätze und bilden die Grundlage für volkswirtschaftlichen Nutzen in verschiedensten Bereichen.

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Klimafreundliche Mobilität sichert in Österreich direkt und indirekt rund 200.000 Vollzeit-Arbeitsplätze. Investitionen in Öffentlichen Verkehr, Bahnindustrie und Telematikunternehmen, den Fahrrad-Sektor und Mobilitätsdienstleistungen schaffen damit größere Beschäftigungseffekte als der Bau von Autobahnen. Alleine Bahnindustrie und Bahnunternehmen mit ihren 54.000 direkten Beschäftigten erwirtschaften mit 4,1 Milliarden Euro pro Jahr rund 1,4 Prozent der Wirtschaftsleistung Österreichs und lösen indirekt weitere Beschäftigung aus.
Die Fahrradwirtschaft, bestehend aus Produktion, Export und Handel mit Fahrrädern und Zubehör, Radtourismus und Radinfrastruktur sichert in Österreich rund 20.000 Arbeitsplätze. Unternehmen im Bereich Telematik und Verkehrsinformation haben rund 8.000 Beschäftigte.
Der weitere Ausbau nachhaltiger Mobilitätsangebote ist volkswirtschaftlich effizient und kann zusätzliche Beschäftigung induzieren. Zum Beispiel haben Sharing-Systeme mit Elektro-Fahrzeugen einen hohenTechnologie- und Dienstleistungsanteil, wofür sie zusätzliche Arbeitskräfte benötigen – ebenso wie die damit verbundene, zusätzliche Nutzung des Öffentlichen Verkehrs. Durch die geteilte Nutzung wird der Bestand an Fahrzeugen effektiver. Die vermehrte Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel und des Fahrrades verringert zudem die Energiekosten.

Klimafreundliche Mobilität stärkt die Wirtschaft

Die Inlandnachfrage im Öffentlichen Verkehr in Österreich und im Bahngüterverkehr erzeugt mittels direkter und indirekter Wertschöpfung mehr als vier Prozent des Brutto-Inlandsprodukts oder 12 Milliarden Euro jährlich. Österreichs Bahnindustrie hat den fünftgrößten Anteil am Bahngüter-Weltmarkt. Die Handelsbilanz dieses Sektors ist stark positiv.
Die Anbindung an leistungsfähigen Öffentlichen Verkehr und Bahngüterverkehr ist ein wesentlicher Standortfaktor für Gemeinden und Regionen. Darüber hinaus vermeiden der Öffentliche Verkehr und Bahngüterverkehr teure Erdöl-Importe sowie Schäden an Gesundheit und Umwelt.

Klimafreundliche Mobilität ist eine Konjunkturlokomotive

Während eine in das höherrangige Straßennetz investierte Milliarde etwa 10.700 Vollzeit-Beschäftigungsjahre bringt, sind es bei Bahnstrecken und U-Bahnbau etwa 17.000, bei Bahnhofsbauten sogar 18.100 Vollzeit-Beschäftigungsjahre. Am geringsten ist der Anteil der Lohnkosten beim hochrangigen Straßennetz mit 30 Prozent der gesamten Projektkosten, am höchsten bei Bahnhöfen mit 65 Prozent. Investitionen in Bahninfrastruktur und Öffentlichen Verkehr bringen bei gleicher Investitionssumme eine fast dreimal so hohe Wertschöpfung wie Ausgaben für Straßenbauten.

Infrastruktur: Investitionen in den öffentlichen Verkehr generieren deutlich mehr Arbeitsplätze als der Bau von Straßen.

Investitionen in Schiene und Ortsgestaltung mit größter Wirkung

Die untersuchten Effekte eines Programms zur Dorf- und Stadterneuerung beliefen sich ebenfalls auf annähernd 18.000 Vollzeit-Beschäftigungsjahre pro investierter Milliarde Euro. Damit zeigt sich, dass kleinräumige Maßnahmen wie die Verkehrsberuhigung wesentlich mehr Arbeitsplätze in der Region schaffen als Straßen-Großprojekte. Die Infrastrukturinvestitionen der ÖBB im Zeitraum von 2013 bis 2020 schaffen Beschäftigungseffekte von jährlich rund 24.000 Vollzeit-Beschäftigungsjahren. Der größte Beschäftigungseffekt tritt in der Baubranche auf, der zweitgrößte Teil entfällt auf Zulieferer. Der Anteil von Klein- und Mittelbetrieben ist mit rund 78 Prozent überdurchschnittlich hoch. Für die Verlängerung der U2 in Wien wurden insgesamt 1,4 Milliarden Euro investiert. Mit den Baumaßnahmen sind knapp 24.000 Vollzeit-Beschäftigungsjahre verbunden. Gleichzeitig flossen etwa 750 Millionen Euro an Steuern und Abgaben wieder zurück in die öffentlichen Haushalte. Auch im laufenden Betrieb sorgt der Öffentliche Verkehr für Beschäftigungseffekte über die Verkehrsunternehmen hinaus. Im Fall der U-Bahn entfallen 55 Prozent auf Lieferanten und deren Vorleistungen sowie in der Folge auf induzierten Konsum. Klimafreundliche Mobilität sichert in Österreich derzeit etwa so viele Arbeitsplätze wie der Pkw-Sektor, ohne allerdings die Handelsbilanz durch Rohstoff- und Energie-Importe zu belasten.

Vorteile der Bahn beim Bau und im Betrieb

Über die gesamte Betriebsdauer von Infrastrukturen zeigt sich der Vorteil des Öffentlichen Verkehrs in einer Wirtschaftlichkeitsberechnung spätestens bei Berücksichtigung der externen Kosten. Ein Ausbau der Straßeninfrastruktur schafft zusätzlichen Kfz-Verkehr, der negative externe Effekte bewirkt. Es entstehen ungedeckte Kosten für die Allgemeinheit und die Öffentliche Hand, etwa im Gesundheitssystem oder durch die Abwertung von Tourismus- und Wohngebieten durch Verkehrslärm.

Höhere Produktivität ohne Nebenwirkungen

Öffentlicher Verkehr und besonders die Schiene heben die Arbeitsproduktivität. Sie verbessern die Erreichbarkeit, verkürzen Arbeitswege und erhöhen das Arbeitskräftepotenzial von Unternehmensstandorten – ohne Umwelt- und Gesundheitsschäden und ohne teure Energieimporte. Diese Produktivitätssteigerung wirkt wiederum positiv auf die Beschäftigung. Ein um ein Prozent höherer Eisenbahnkapitalstock schafft rund 3.000 zusätzliche Vollzeit-Beschäftigungsjahre. Zusätzlich ermöglicht der Anschluss an Bahngütertransporte erst die Ansiedelung bestimmter produzierender Betriebe, deren Rohstoffe und Erzeugnisse per Bahn wirtschaftlicher als per Lkw transportiert werden können. Der hochwertige Bahnanschluss ist damit ein wesentlicher Standortfaktor für Regionen.

Österreich exportiert Bahntechnik in die Welt

Züge, Straßenbahnen und U-Bahngarnituren, die in Österreich fahren, werden zum überwiegenden Teil in Österreich hergestellt, viele weitere in alle Welt exportiert. Zahlreiche internationale Unternehmen der Bahnindustrie haben ihre Headquarters in Österreich, viele heimische Unternehmen haben Weltmarktführung. So hat etwa Siemens Österreich im Herbst 2013 einen Auftrag über 1,5 Milliarden Euro für den Bau von 74 U-Bahngarnituren für die saudiarabische Hauptstadt Riad erhalten. Österreichs Bahnindustrie hat mit 6,5 Prozent den fünftgrößten Anteil am Export-Weltmarkt. Die Exportquote liegt bei 71 Prozent und ihre Ausfuhren haben sich seit dem Jahr 2000 auf 1,6 Milliarden Euro oder 1,4 Prozent der Gesamtexporte mehr als verdoppelt. Der Schienenfahrzeugbau hat in Österreich den zweithöchsten Anteil am Brutto-Inlandsprodukt aller EU-Staaten. Die Perspektiven für diesen exportorientierten Sektor sind gut. Der Weltmarkt für Schienenfahrzeuge und Bahnausrüstung ist in den vergangenen drei Jahren jeweils um 3,2 Prozent gewachsen. Bis ins Jahr 2017 ist ein jährliches Wachstum von rund 2,7 Prozent prognostiziert.

Klimafreundliche beschäftigt: Öffentlicher Verkehr, Fahrradwirtschaft, Bahnindustrie und andere nachhaltige Mobilitätsbranchen sichern in Österreich bereits rund 200.000 Arbeitsplätze.

Mehr Jobs mit nachhaltiger Mobilität

Der hohe Saldo aus Energie-Importen und Energie-Exporten hat die Handelsbilanz Österreichs im Jahr 2010 mit rund 11,6 Milliarden Euro belastet, was 3,8 Prozent des nominellen Brutto-Inlandsprodukts entsprach. Eine dauerhafte Erhöhung des privaten Konsums um eine Million Euro pro Jahr lässt 15 neue Stellen am Arbeitsmarkt entstehen, beim Kauf von Autos ist es etwa die Hälfte mit nur acht neuen Stellen. Fast 350 Euro pro Monat gibt ein Haushalt in Österreich im Durchschnitt für das Auto aus, für Öffentlichen Verkehr lediglich rund 30 Euro.

Öffentlicher Verkehr stärkt Wirtschaftsstandort

Umweltqualität und Zugänglichkeit von Standorten werden mit einem gut ausgebauten, attraktiven Öffentlichen Verkehr zentral verbessert – ein wichtiger Standortfaktor für alle Wirtschaftszweige. Dei Straßeninfrastruktur ist optimal auszulasten anstatt immer weiter auszubauen. Die dazu notwendigen Investitionen, etwa in Telematik-Technologien, bringen einen überdurchschnittlichen Beschäftigungseffekt in Österreich. Technologische und bauliche Schnittstellen vernetzen verschiedene Verkehrsmittel und führen zu einer Steigerung der Ressourcen-Effizienz. In Zukunft werden der Aufbau der Infrastruktur für Elektro-Mobilität und intermodaler Schnittstellen sowie flexible Mobilitätsdienste und höhere Energieeffizienz im Verkehr weitere positive Beschäftigungseffekte auslösen.

 

VCÖ-Empfehlungen

In die Infrastrukturen mit dem größten Nutzen und den geringsten Folgekosten investieren:
• Straßenprojekte nach Gesamtwirtschaftlichkeit bewerten und mit Alternativen vergleichen
• Investitionen in die Schiene und in Öffentlichen Verkehr priorisieren
• Infrastrukturen etwa durch Telematik optimal auslasten anstatt Straßen immer weiter ausbauen
• Energieeffizienz im Verkehr erhöhen und teure Energieimporte verringern
• Energieeffizente Mobilitätsformen wie Öffentlichen Verkehr oder Radfahren forcieren
• Infrastruktur für Elektro-Mobilität und intermodale Schnittstellen ausbauen
• Alltagswege durch konsequente Raumordnung und Siedlungspolitik verringern
• Die großen Beschäftigungseffekte von kleinräumigen Baumaßnahmen zur Verkehrsberuhigung und Ortsgestaltung nutzen
• Österreichs Rolle als weltweites Kompetenzzentrum für Bahntechnologie und Öffentlichen Verkehr gezielt ausbauen

 

Mag. Markus Gansterer, VCÖ-Verkehrspolitik:

„Energieeffiziente und umweltschonende Mobilität sichert schon heute rund 200.000 Arbeitsplätze in Österreich – ohne Nebenwirkungen wie Gesundheitsschäden oder Erdölimporte.“

 

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