VCÖ: 200 Jahre Fahrrad – In Österreich mehr Fahrräder als Autos

VCÖ: Österreicher radeln mehr als fünf Millionen Kilometer pro Tag

VCÖ (Wien, 12. Juni 2017) – Heute vor 200 Jahren machte Karl Drais in Mannheim seine erste Ausfahrt mit der „Draisine“, dem von ihm erfundenen Laufrad. Heute gibt es in Österreich rund 6,4 Millionen funktionstüchtige Fahrräder und damit deutlich mehr als Pkw (4,8 Millionen). Im Schnitt legen die Österreicher täglich mehr als fünf Millionen Kilometer mit dem Fahrrad für Alltagswege zurück. Der VCÖ fordert Radschnellwege in allen Ballungsräumen.

„Das Fahrrad ist das gesündeste und umweltfreundlichste Fahrzeug. Dadurch, dass Strecken mit dem Fahrrad statt mit dem Auto gefahren werden, vermeiden die Österreicherinnen und Österreicher rund 320.000 Tonnen klimaschädliches CO2 pro Jahr“, macht VCÖ-Experte Markus Gansterer aufmerksam. Wer eine halbe Stunde pro Tag mit dem Fahrrad unterwegs ist, verringert laut WHO das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen um 50 Prozent. Der VCÖ weist darauf hin, dass in Österreich vier von zehn Beschäftigten weniger als fünf Kilometer vom Arbeitsplatz entfernt wohnen und die Hälfte der Alltagswege kürzer als fünf Kilometer ist.

77 Prozent der Haushalte in Österreich besitzen mindestens ein funktionstüchtiges Fahrrad. Den höchsten Anteil an Fahrrad-Haushalten gibt es in Salzburg mit 86 Prozent, gefolgt von Vorarlberg und Oberösterreich mit jeweils 83 Prozent, berichtet der VCÖ. In Salzburg und Wien gibt es mehr Fahrradhaushalte als Autohaushalte.

Der VCÖ weist darauf hin, dass das Fahrrad als Verkehrsmittel in Vorarlberg am meisten genutzt wird. 15 Prozent der Alltagswege fahren die Vorarlbergerinnen und Vorarlberger mit dem Fahrrad, das ist doppelt so hoch wie im Österreich Schnitt. Und mit rund 505 Kilometer pro Person und Jahr sind die Vorarlbergerinnen und Vorarlberger Österreichs fleißigste Radfahrer, vor Salzburg mit rund 350 Kilometer pro Person und Jahr und Niederösterreich mit 270 Kilometer. In Vorarlberg wird pro Person mehr als drei Mal so viel Rad gefahren wie im Burgenland (150 km / Person und Jahr).

Im Schnitt legen die Österreicherinnen und Österreich mehr als fünf Millionen Kilometer pro Tag mit dem Fahrrad zurück. „Das entspricht der Distanz von sieben Mal zum Mond und wieder zurück“, verdeutlicht VCÖ-Experte Gansterer. Am meisten fahren die Österreicherinnen und Österreicher zwischen Juni und September mit dem Fahrrad.

Österreichs Radhauptstädte sind Bregenz, Salzburg und Innsbruck, wo etwa jeder fünfte Alltagsweg mit dem Rad gefahren wird. In Eisenstadt sind es nur zwei Prozent. In der EU sind Kopenhagen und Amsterdam unter den Hauptstädten die Radchampions.

Der VCÖ betont, dass das Potenzial für mehr Radverkehr in Österreich sehr groß ist. Jedoch bestehen in Österreich in vielen Regionen große Mängel bei der Infrastruktur für den Radverkehr. So können zahlreiche Siedlungen den nächstgelegenen Ort nicht über eine sichere Radverbindung, sondern nur über eine stark befahrene Freilandstraße erreichen. Zudem fordert  der VCÖ für Österreichs Ballungsräume direkte Radschnellverbindungen, die das Umland mit der Stadt verbinden. Damit können viele Autofahrten auf das Fahrrad oder auf E-Fahrrad verlagert werden, was die Luftqualität in den Städten verbessert und die Zahl der Staus deutlich verringert.

„Das Fahrrad hat in der Vergangenheit nicht nur in der Mobilität viel bewegt, sondern auch auf zahlreiche gesellschaftliche Entwicklungen, wie etwa die Frauenbewegung, gestärkt. Das Fahrrad muss aber auch in Zukunft eine wichtigere Rolle als heute für die Mobilität einnehmen. So sind die Klimaziele nur erreichbar, wenn in Zukunft weniger mit dem Auto und mehr mit dem Fahrrad gefahren wird“, stellt VCÖ-Experte Gansterer fest.