Transportfahrrad: Teile und fahre!

„Bis zu 23 Prozent der Transporte aufs Rad verlagern“

Transportfahrräder halten mit den Ladefähigkeiten eines Pkw locker mit. Sharing-Modelle und Gemeinschaftsbesitz machen sie zudem auch im Privatbereich zur günstigen Alternative für den gelegentlichen Transport größerer Frachten.

Ob Waschmaschine oder Wocheneinkauf – ein qualitativ hochwertiges Transportfahrrad schafft auch hundert Kilo. Als Gemeinschaftsgut in Wohnsiedlungen oder im Sharing-Modell findet es auch verstärkt bei Privatpersonen Verwendung.

>> Von Ursula Jungmeier-Scholz

Vorderlader, Hinterlader, mit Transportkorb oder Ladefläche, einspurig oder zweispurig – Transportfahrräder werden mittlerweile für alle erdenklichen Bedürfnisse produziert. Und sie schaffen enorm viel: So ist der Fuhrpark des Wiener Lastenradkollektivs auf jeweils hundert Kilo Transportkapazität ausgelegt. Da lässt sich eine Waschmaschine unterbringen, ein beachtliches Schachtelensemble nach einem Großeinkauf im Möbelhaus oder einfach nur der wöchentliche Lebensmittelvorrat einer kinderreichen Familie.

Aufgrund der Anschaffungskosten – ein Transportfahrrad kostet mehrere Tausend Euro – und des Platzbedarfs ist es im Privatbesitz hierzulande noch nicht so weit verbreitet. Aber: „In Kopenhagen hat jede vierte Familie mit zwei oder mehr Kindern eines“, berichtet Susanne Wrighton von der Forschungsgesellschaft Mobilität FGM. In Österreich gibt es dafür  einen Trend zum Teilen: Einerseits privater und gewerblicher Verleih, andererseits Cargo-Bikes als Gemeinschaftsgut von Haus- und Siedlungsgemeinschaften. 

Sharing macht Qualität erschwinglich

Der Vorteil der Integration eines Transportfahrrads in ein Wohnkonzept besteht in der örtlichen Nähe; Internet-Plattformen zur Anmietung decken dafür den klein strukturierten urbanen Bereich ab: beispielsweise „das Lastenrad“ in Graz mit wechselnden Ausleihpunkten, die Lastenrad-Kooperation „LaRa“ in Innsbruck und Wiener Neustadt oder das ehren-amtliche Lastenradkollektiv Wien, das beim Ausleihen auch Tipps zum Handling des Fahrzeugs gibt.

Im Besitz der Wohngemeinschaft befindet sich das Transportfahrrad des Wohnprojektes Wien in der Krakauer Straße. Die Seestadt Aspern, Stadterweiterungsgebiet in Wien, verfügt über eine Flotte aus vier E-Transportfahrrädern, die allein im Jahr 2016 exakt 2.709-mal ausgeliehen wurden. Zum Einstand war die Nutzung für Zuziehende kostenlos, ab Frühjahr 2017 wird zeitbezogen abgerechnet.

Auch in der Wiener Wohnsiedlung Perfektastraße wurde ein elektronisch zu buchendes E-Transportfahrrad in den Pool der Sharing-Fahrzeuge aufgenommen. „Beim Sharing rentiert sich die Anschaffung eines qualitativ hochwertigen Fahrzeugs. Das reduziert auch den Wartungsaufwand“, betont Stefan Arbeithuber, Geschäftsführer des Anbieters MO.Point. „Bei der Unterbringung müssen das Gewicht und die größeren Kurvenradien beachtet werden. Optimal sind ein ebener, barrierefreier Zugang sowie die gute Sichtbarkeit – etwa in der Auslage eines Gewerbebetriebes.“ „Leicht zugänglich, im Wohngebäude, mit entsprechend groß dimensionierten Türen“, charakterisiert Wrighton die ideale Unterbringung. Wie in der soeben übergebenen Wohnanlage Cykelhuset Ohboy in Malmö: Aufzüge und Eingänge wurden für den Radtransport extra breit gestaltet.

Lösung für kleine Strukturen

Aber auch in bestehende kleine Strukturen lässt sich ein Transportfahrrad integrieren. So wurde die Transportfahrrad-Förderung des Grazer Umweltamtes, ursprünglich Gewerbe-betrieben vorbehalten, auf den privaten Bereich ausgeweitet. Die gewerblichen Transportfahrräder waren vermehrt im Stadtbild zu sehen gewesen – und immer mehr Privatpersonen erkundigten sich nach der Förderung. Schließlich ließ das Umweltamt mit Ende des Jahres 2013 auch Hausgemeinschaften von mindestens drei Parteien als Förderwerber zu: Rund 20 Kleinkollektive erhielten bereits die 50 Prozent der Anschaffungskosten, begrenzt auf tausend Euro.

Auch andernorts funktioniert die Werbung am besten über die öffentliche Präsenz: „Wir bringen Transportfahrräder auf die Straße, auch um die Leute neugierig zu machen“, erklärt Karl Steiner vom Wiener Lastenradkollektiv. „Inspirierend können auch schöne Fotos der Transportfahrräder im Einsatz wirken“, ergänzt Wrighton. Diesen Ansatz verfolgt TINK, das größte Transportfahrrad-Mietsystem Deutschlands: Kürzlich veranstaltete es einen Fotowettbewerb zu den Themen „Rund um die Familie“ und „Ausgefallenes Transportgut“ sowie eine winterliche Transportfahrrad-Demotour von Norderstedt bei Hamburg bis Konstanz.

>> Zur Autorin: Ursula Jungmeier-Scholz ist freie Journalistin in Graz.

Stefan Arbeithuber, Geschäftsführer MO.Point, Betreiber emissionsarmer Fahrzeugpools, http://mopoint.at

 

>> Zitat:
„Beim Sharing rentiert sich die Anschaffung eines qualitativ hochwertigen Transportfahrrades; das reduziert auch den Wartungsaufwand.“

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