VCÖ-Factsheet 2015-06 - Mehr Klimaschutz im Verkehr bringt vielfachen Nutzen

Zurück zur Übersicht

Um die Auswirkungen einer Klimaerwärmung bewältigen zu können, braucht es klare Ziele für eine drastische Reduktion der CO2-Emissionen aus dem Verkehr. Die nötigen neuen Maßnahmen verringern auch die Abhängigkeit vom Erdöl und verbessern die Luftqualität.

application/pdf VCÖ-Factsheet 2015-06 als PDF (1,0 MiB)

Der Verkehr ist Österreichs größtes Klimaschutzproblem. Von allen Sektoren weist der Verkehr die größte Zunahme der Treibhausgas-Emissionen seit dem Jahr 1990 auf. Die Zunahme beim Verkehr ist fast vier Mal so hoch wie jene der Industrie. Auch die Sektoren Energie und Raumwärme liegen beim Klimaschutz deutlich besser als der Verkehr. Lagen die drei Sektoren im Jahr 1990 noch gleich auf, verursacht der Verkehr heute doppelt so viele Treibhausgase wie der Energiesektor und fast drei Mal so viele wie der Bereich Raumwärme. Der Verkehr emittierte im Jahr 2013 mit rund 22 Millionen Tonnen rund 61 Prozent mehr CO2 als im Jahr 1990.

Der Großteil des nach Österreich eingeführten Erdöls kommt aus Staaten, in denen demokratische Rechte ungenügend geschützt sind.

Geringere Mobilitätskosten durch Klimaschutz

Um die Klimaziele für das Jahr 2050 zu erreichen, müssen in Österreich die Emissionen des Verkehrs im Vergleich zu heute um 76 Prozent verringert werden. Dieses Ziel ist nur mit umfangreichen Maßnahmen zu erreichen. Mehr Klimaschutz im Verkehr bringt höhere Unabhängigkeit von Energieimporten. Der Kfz-Verkehr ist zu mehr als 90 Prozent von Erdöl abhängig, Öl das oft aus demokratiepolitisch bedenklichen Staaten kommt. Klimaschutzmaßnahmen verbessern die Luftqualität und verringern die Mobilitätskosten. Und energieeffiziente Mobilität ist in Österreich ein Beschäftigungsmotor.

Um die Folgen der Klimaveränderungen bewältigen zu können, darf in Zukunft die mittlere globale Erwärmung zwei Grad nicht übersteigen. Um dies einzuhalten, müssen mindestens zwei Drittel der bestätigten fossilen Energiereserven im Boden bleiben und dürfen nicht verbrannt werden.

Geplante Investitionen in die Produktion aus -fossilen Energieträgern im Wert von fast einer -Billiarde US-Dollar könnten dann unrentabel werden. Die Öffentliche Hand und auch Pensionfonds haben eine besondere Verantwortung den zukünftigen Generationen gegenüber. Im Sinne der langfristigen Wertsicherung sollen sie sich schnell von Investitionen in fossile Rohstoffe lösen.

Mangelnder Klimaschutz kommt sehr teuer

Die Klimaveränderungen führen jetzt schon zu einem vermehrten Auftreten von Extremwetterereignissen. Europaweit entstehen jährlich wetterbedingte Straßenerhaltungskosten von 8 bis 13 Milliarden Euro, das sind 30 bis 50 Prozent der gesamten Erhaltungskosten. 80 Prozent der Schäden betreffen Straßen. An Österreichs Landesstraßen entstehen derzeit pro Jahr wetterbedingte Schäden in Höhe von 18 Millionen Euro. Ohne Anpassungsmaßnahmen werden sie bis zum Jahr 2050 um 50 Prozent ansteigen. Derzeit werden 35 Prozent der Schadenereignisse in Österreich durch Hochwasser verursacht, 39 Prozent durch Massenbewegungen, wie Muren. Bei Infrastrukturausbau sind die klimabedingten Gefahren in die Kosten-Nutzen-Analysen einzubeziehen. Bei den zugrundeliegenden Verkehrsprognosen sind Verhaltensänderungen aufgrund effektiver Klimaschutzmaßnahmen zu berücksichtigen.

Gemäß EU-Ziel sind die Treibhausgas-Emissionen des Verkehrs in Österreich bis zum Jahr 2050 auf 5,4 Millionen Tonnen CO 2 zu senken.

Verkehrsrelevante Klimaschutzziele der EU

Die Mitgliedstaaten der EU möchten den Treib-hausgas-Ausstoß des Verkehrs bis zum Jahr 2050 um mindestens 60 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 verringern. Zudem sollen im Verkehr bis zum Jahr 2020 zehn Prozent erneuerbare Energien eingesetzt werden. Die CO2-Emissionen von Neuwagen sind bis zum Jahr 2020 für 95 Prozent aller neuen Pkw auf maximal 95 Gramm CO2 pro Kilometer zu reduzieren. Bis zum Jahr 2030 soll die Nutzung mit konventionellem Kraftstoff betriebener Pkw im Stadtverkehr halbiert werden und bis zum Jahr 2050 soll es gar keine mehr geben.

Auch soll der Anteil CO2-emissionsarmer Flugkraftstoffe auf 40 Prozent steigen und die Emissionen der Seeschifffahrt sollen um 40 bis 50 Prozent sinken. 30 Prozent des Lkw-Verkehrs über 300 Kilometer sind bis zum Jahr 2030 auf andere Verkehrsträger wie Bahn oder Schiff zu verlagern.

Österreich kann nur mit zusätzlichen Maßnahmen seine Klimaziele erreichen

Das Klimaschutzgesetz Österreichs enthält konkrete Reduktionsziele für die Jahre 2013 bis 2020 – und keine darüber hinaus. Für den Verkehr wurde die Reduktion auf 20,4 Millionen Tonnen im Jahr 2020 festgeschrieben. Berechnungen des Umweltbundesamts sagen, dass ohne zusätzliche Maßnahmen der Energieverbrauch des Verkehrs bis zum Jahr 2020 um 15 Prozent steigen wird. Es braucht daher neue wirksame Maßnahmen.

Maßnahmen mit Energieeinsparpotenzial

Von den untersuchten Maßnahmen hat eine Erhöhung der Mineralölsteuer (MÖSt) die größte Wirkung für den Klimaschutz. Eine MÖSt-Erhöhung unterstützt unter anderem die Anschaffung von energieeffizienteren Fahrzeugen und ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu mehr elektrisch betriebenen Fahrzeugen. Als weiterer Schritt Richtung effizientere Fahrzeuge wird eine weitere Ökologisierung der Normverbrauchsabgabe (NoVA) sowie eine erhöhte Förderung von E-Fahrzeugen vorgeschlagen. Auch Bewusstseinsbildung, Mobilitätsmanagement und die Umsetzung der Maßnahmen des „Masterplan Radfahren“ und „Masterplan Gehen“ haben großes Energieeinsparpotenzial. Auch die Einführung von flächendeckenden niedrigeren Tempolimits reduziert den Energieverbrauch.

Vielfachnutzen von Klimaschutz im Verkehr

Klimaschutzmaßnahmen im Verkehrsbereich erzeugen vielfältigen Zusatznutzen. So können beispielsweise Lärm reduziert, die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum erhöht und die Luftqualität verbessert werden. Verbesserungen im Öffentlichen Verkehr und für das Radfahren schaffen zusätzliche Arbeitsplätze und und verringern die Mobilitätskosten der privaten Haushalte. Die Förderung von bewegungsaktiver Mobilität als Klimaschutzmaßnahme leistet einen Beitrag zu einem gesünderen Leben und spart Kosten im Gesundheitssektor. Wer in -Österreich in der Stadt beispielsweise einen Arbeitsweg von zehn Kilometern (hin und retour) an 230 Tagen mit dem Rad statt mit dem Auto fährt, schafft einen Gesundheitsnutzen von rund 1.270 Euro im Jahr.

Investitionen in Infrastrukturen für Gehen, Radfahren, Öffentlichen Verkehr und Wohnbau generieren deutlich mehr Beschäftigung als der Bau von Autobahnen und der Kauf von Neuwagen.

Mobilitätsmaßnahmen sind für Energieeffizienzgesetz anrechenbar

Österreichs Energieeffizienzgesetz soll zu volks- und betriebswirtschaftlichen Einsparungen führen. Es besteht für die Unternehmen die Möglichkeit, auch im Mobilitätsbereich Energieeffizienz-Maßnahmen zu setzen. So kann die Umstellung eines Teils des Fuhrparks auf E-Fahrzeuge angerechnet werden, ebenso die Verlagerung auf klimafreundliche Verkehrsträger oder Maßnahmen zur Verringerung des Transportbedarfs. Notwendig ist ein klarer Zeitplan der Politik für die Mobilitätswende weg von Erdöl, um die Planungs- und Investitionssicherheit für Unternehmen zu erhöhen.

Energie sparen und Klima schützen

Die Erdöl-Abhängigkeit wird immer riskanter, sowohl im Bezug auf Versorgungssicherheit als auch im Bezug auf Klima, Umwelt und Gesundheit. Klimaschutz und Energieversorgungssicherheit im Verkehrsbereich sollen Hand in Hand gehen. Die Energieeffizienz der einzelnen Fahrzeuge ist voranzutreiben, aber auch die Verlagerung auf energieeffizientere Lösungen. Dafür braucht es eine kombinierte Energie- und Klimastrategie für Bund, Bundesländer, Städte und Gemeinden mit klaren und realistischen Schritten hin zu einer Halbierung des Energiebedarfs bis zum Jahr 2050.

Maßnahmen auf allen Ebenen umsetzen

In kaum einem anderen Sektor gibt es bereits so -viele Lösungsmöglichkeiten wie im Verkehr – praxiserprobt, im Ausland oder auch in einigen Bundesländern und Städten. Es gilt von diesen Erfahrungen zu lernen und zügig die wirksamen Maßnahmen flächendeckend umzusetzen. Das reicht von der Radfahr-Förderung nach dem Vorbild von Kopenhagen, über ein dichtes öffentliches Verkehrsnetz wie in Wien, den Einsatz von Regiotrams, also der Kombination von Straßenbahn und Regionalzug oder S-Bahn, wie in Karlsruhe, einer City-Maut wie in Stockholm, über Carsharing hin zu Smart-Urban-Logistik Maßnahmen, um den Güterverkehr in Städten klimafreundlicher zu machen. Die Energiewende ist nur mit einer Mobilitätswende erreichbar.

 

VCÖ-Empfehlungen

Energieverbrauch senken und erneuerbar zur Verfügung stellen

• Der Energieverbrauch im Verkehr ist bis zum Jahr 2050 mindestens zu halbieren.

• Fahrplan einer gemeinsamen Energie- und Klimastrategie mit jährlichen Zielen erstellen.

• Bekenntnis zum Ziel, von der fossilen Energie im Verkehrsbereich wegzukommen

• Vor allem die Öffentliche Hand soll sich von Investitionen in fossile Energieträger zurückziehen beziehungsweise darauf bestehen, dass Pläne zur Umorientierung auf erneuerbare Energien verfolgt werden.

• Energieeffizienz-Regelungen für Fahrzeuge sind weiter zu verbessern.

Win-win-Maßnahmen zügig umsetzen

• Maßnahmen für Klimaschutz und Energieeffizienz verbessern die Luftgüte. Aufgrund der Kurzlebigkeit der Rußpartikel in der Atmosphäre sind Maßnahmen gegen Dieselruß schnell klimawirksam.

• Temporeduktionen auf Autobahnen und Freilandstraßen bewirken höhere Verkehrssicherheit und verringern die Lärmbelastung zusätzlich zur Senkung des Energieverbrauchs.

• Ausbau des Öffentlichen Verkehrs bedeutet sicheren Zugang zu Mobilität für alle.

• Eine Erhöhung der Mineralölsteuer macht Energieeffizienz rentabel.

• Mautsysteme optimieren den Verkehr, generieren Mittel für den Straßenerhalt und schaffen fairere Wettbewerbsbedingungen für klimafreundliche Logistik.

• Die Förderung von aktiver Mobilität ist unter anderem auch dem Gesundheitsbudget und einer höheren Energieeffizienz zuträglich.

 

Ulla Rasmussen, VCÖ-Verkehrspolitik:

„Wir brauchen sowohl Innovationen bei den Antrieben als auch eine Weiterentwicklung des gesamten Mobilitätssystems. So können wir regionale Energieversorgungssicherheit herstellen und von positiven Zusatznutzen wie weniger Staus und besserer Luft profitieren.“

 

Die VCÖ-Publikation „Klima und Energie – Potenziale im Verkehr“ zeigt anschaulich, wie Österreich den Verkehr auf Klimakurs bringen kann.
T: +43-(0)1-893 26 97
E: vcoe@vcoe.at

Quelle: VCÖ, „Klima und Energie – Potenziale im Verkehr“, Schriftenreihe „Mobilität mit Zukunft“, Wien 2015
 
Zurück zur Übersicht