VCÖ-Factsheet 2014-16 - Firmenwagen sozial gerecht und ökologisch vernünftig besteuern

Anstelle eines höheren Gehalts erhalten einzelne Beschäftigte immer öfter einen steuerlich günstigen Firmenwagen. Das bezahlen alle anderen durch höhere Steuern. Eine gerechte, nutzungsabhängige Reform ist dringend nötig.

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Firmenwagen und deren unbegrenzte private Nutzung werden in Österreich steuerlich begünstigt. Ein Firmenauto ist steuerlich günstiger als eine Gehaltserhöhung. Pro Person werden bei 12.000 Privat-Kilometern mehr als 3.000 Euro pro Jahr weniger Steuern geleistet, wenn ein Teil der Entlohnung in Form eines Firmenwagens erfolgt. Auch laut OECD bewertet Österreich in der Besteuerung der Firmenwagen-Privatnutzung den Vorteil der ersparten Kauf- und Fixkosten zu gering und bezieht die privat gefahrene Distanz überhaupt nicht ein. Unter den steuerbegünstigten Fiskal-Lkw befinden sich auch Geländewagen und Pick Ups.

Fair und ökologisch vernünftig besteuern

Die Besteuerung von Firmenwagen ist rasch zu reformieren und an die private Fahrleistung zu koppeln. Steuerschlupflöcher sind zu schließen, damit für gleiche Entlohnung auch gleiche Steuern bezahlt werden. Pkw sollten nur als Firmenwagen gelten, wenn sie überwiegend dienstlich genutzt werden. Die Privatnutzung ist unter Berücksichtigung von Spritverbrauch und Fahrleistung angemessen zu versteuern. Die berechtigte steuerliche Absetzbarkeit von betrieblich genutzten Fahrzeugen ist an niedrige CO2-Werte zu knüpfen. E-Mobilität ist für Unternehmen steuerlich attraktiver zu machen.

 

Firmenwagen-Besteuerung ist unfair und ökologisch kontraproduktiv

Immer häufiger wird Beschäftigten von ihren Unternehmen ein Firmenwagen, der auch privat genutzt werden kann, zur Verfügung gestellt. Häufig unabhängig vom betrieblichen Bedarf, sondern weil Unternehmen Steuern sparen, wenn sie einen Firmenwagen statt eines entsprechend höheren Gehalts zur Verfügung stellen. Insgesamt sind etwa neun Prozent der Pkw in Österreich privat genutzte Firmenwagen, das sind bis zu 400.000 Pkw.

Rund 400.000 privat genutzte Firmenwagen in Österreich

Die aktuellen Mobilitätserhebungen von Oberösterreich (mindestens 7,4 Prozent der Pkw sind Firmenwagen) und Vorarlberg (rund 10 Prozent) sowie die OECD bestätigen diese Größenordnung. In den Bundesländern wurde nicht die Kfz-Statistik ausgewertet, sondern die Haushalte wurden konkret zu den vorhandenen Pkw befragt.

Die private Nutzung des Firmenwagens ist ein geldwerter Vorteil, der für die Beschäftigten als Sachbezug pauschal bewertet wird, nämlich im Wert von 1,5 Prozent der Anschaffungskosten des Firmenwagens pro Monat, aber mit maximal 720 Euro. Darin ist eine unbegrenzte private Nutzung enthalten. Bis zum Jahr 2013 lag diese Obergrenze sogar bei nur 600 Euro pro Monat. Wird per Fahrtenbuch nachgewiesen, dass der Pkw höchstens 500 Kilometer pro Monat privat genutzt wird, sind monatlich nur 0,75 Prozent der Anschaffungskosten zu versteuern.

Geringe Bewertung: Bei Firmenwagen ist der steuerpflichtige Sachbezug durchschnittlich um 37 Prozent geringer als die ersparten Kosten für ein gleichwertiges Privatauto.

Günstige Pauschal-Steuer fördert Vielfahren

Wer beispielsweise einen VW Passat 1,8 TSI (117 kW) privat anschafft, muss bei 12.000 Jahreskilometern mit monatlichen Gesamtkosten von rund 750 Euro rechnen, davon sind etwa die Hälfte Anschaffungskosten, die andere Hälfte sind laufende Kosten, wie etwa Sprit, Wartung und Versicherungen. Wer dasselbe Modell zu einem Preis von 34.000 Euro vom Unternehmen anschaffen lässt und unbegrenzt privat nutzen kann, muss pro Monat nur 510 Euro (1,5 Prozent des Anschaffungspreises) zusätzlich zum normalen Bruttogehalt versteuern. Wer statt eines Firmenwagens 750 Euro mehr Gehalt bekommt, bezahlt deutlich mehr Steuern und Sozialabgaben.

Laut OECD ist in Österreich Firmenwagen-Besteuerung niedrig

Die steuerliche Bewertung des geldwerten Vorteils mit 1,5 Prozent des Auto-Neupreises pro Monat ist niedriger als der tatsächliche Gegenwert. Durchschnittlich werden derzeit nur 63 Prozent des tatsächlichen Werts versteuert. Um wieviel die Einkommenssteuern und Sozialabgaben durch einen privat genutzten Firmenwagen niedriger sind als bei einer gleichwertig höheren Entlohnung, hängt vom Gehalt und vom Auto ab.

Mit einem vorsichtigen Berechnungsansatz kommt die OECD für Österreich auf einen Steuerentgang von jährlich rund 1.500 Euro pro Fahrzeug und fast 600 Millionen Euro insgesamt. 

Die Berechnung anhand der Pkw-Vollkosten für 12.000 gefahrene Privat-Kilometer ergibt für Unternehmen und Beschäftigte zusammen sogar eine Ersparnis von durchschnittlich mehr als 3.000 Euro pro Jahr, wenn ein Teil des Gehalts in Form eines privat genutzten Firmenwagens ausbezahlt wird.

Bei durchschnittlicher Nutzung sind nach derzeitigem Schema 2,4 Prozent statt aktuell 1,5 Prozent realistisch.

Tatsächliche Nutzung bewerten

Um den Wert der tatsächlichen Nutzung abzubilden, können analog zu den derzeit gültigen 0,75 Prozent bis 6.000 gefahrenen Privat-Kilometer weitere Stufen eingeführt werden, etwa 1,2 Prozent bis 6.000, 1,8 Prozent bis 9.000, 2,4 Prozent bis 12.000 Kilometer und so weiter.

Kanada besteuert laut OECD-Berechnungen den geldwerten Vorteil der Privatnutzung am genauesten, wodurch es kaum einen Steuerentfall gibt. Der Vorteil der ersparten Fixkosten wird mit zwei Prozent des Anschaffungswert pro Monat und zusätzlich jeder gefahrene Privat-Kilometer mit aktuell 27 Kanadischen Cent besteuert.

Steuervermeidung: In diesem Beispiel für ein jährliches Nettoeinkommen von 35.000 Euro sind mit Firmenwagen in Summe rund 3.800 Euro weniger von Unternehmen und Beschäftigten an Steuern und Lohnnebenkosten zu bezahlen.

Privatnutzung ökologisch vernünftig und gerecht besteuern

Die derzeitige Regelung schafft nicht nur Anreize zur übermäßigen privaten Nutzung von Firmenwagen. Sie verletzt auch das Gebot der Steuergerechtigkeit. Die gleiche wirtschaftliche Leistung wird unterschiedlich besteuert: Wer das Einkommen in Geld erhält, zahlt mehr Steuern als jemand, der ein ökonomisch gleichwertiges Einkommen einschließlich Firmenwagen bezieht. Da Firmenwagen in höheren Einkommensklassen üblicher sind als in mittleren und niedrigen, verletzt die Regelung zudem das Gebot vertikaler Steuergerechtigkeit. Die Finanzverwaltung in Deutschland hat bereits im Jahr 2006 die Möglichkeiten zur Anwendung der günstigen Pauschalierung für die private Nutzung von Firmenwagen auf jene Fahrzeuge beschränkt, die zu mindestens 50 Prozent betrieblich genutzt werden.

„Fiskal-Lkw“ sind steuerlich stark begünstigt

Bei mehr als 300 Fahrzeug-Modellen fällt in Österreich beim Kauf keine Umsatzsteuer an und die Anschaffungskosten können auch über 40.000 Euro hinaus von der Steuer abgesetzt werden. Manche Modelle, etwa viele „Pick-Ups“, sind weiters von der Normverbrauchsabgabe (NoVA) befreit. Darunter finden sich neben echten Transportfahrzeugen, die berechtigterweise als Betriebsmittel gelten, auch Fahrzeuge, die einfach anstelle nicht-steuerbegünstigter Pkw genutzt werden.


Erleichterungen für E-Fahrzeuge in Unternehmen steuerlich umsetzen

Im Jahr 2013 wurden rund 60 Prozent der Neuwagen auf Unternehmen, Selbstständige oder die Öffentliche Hand zugelassen. In der Ober- und Luxusklasse sowie bei Geländewagen waren es mehr als 80 Prozent. Deshalb sind Firmenwagen ein guter Ansatzpunkt, um die Energieeffizienz der Gesamtflotte zu erhöhen. Seit dem Jahr 2008 wurden in Österreich mehr als 2.500 Elektro-Autos gekauft, der Großteil von Unternehmen. E-Fahrzeuge sind im lokalen Lieferverkehr gut einsetzbar. Die Besteuerung der Firmenwagen ist daher um eine ökologische Komponente zu ergänzen.

Möglichkeiten zur Forcierung effizienter Firmenfahrzeuge:
• Angemessenheitsgrenze um CO2-Wert ergänzen: Spritfresser sind nicht betriebsnotwendig. Ähnlich wie es beim Anschaffungspreis von Firmen-Pkw eine Grenze von 40.000 Euro gibt, ab der das Unternehmen die Kosten nicht mehr steuerlich geltend machen kann, ist auch eine CO2-Grenze einzuführen.
• Aufheben der Angemessenheitsgrenze von 40.000 Euro für reine E-Autos und Fahrzeuge, die weniger als 50 Gramm CO2 pro Kilometer emittieren.
• Abschreibungsdauer und Sachbezugswert bei Privatnutzung für den Kostenanteil des E-Antriebes reduzieren.

 

Steuergerechtigkeit für alle Beschäftigten

Unternehmen ermöglichen in der Regel die private Nutzung firmeneigener Pkw und übernehmen die dabei anfallenden Betriebskosten. Bei der betrieblichen Nutzung von Firmenwagen sind im Gegensatz zum Privatkauf die Anschaffungskosten bis 40.000 Euro und alle Betriebskosten steuerlich absetzbar. Die Grenze von 40.000 Euro gibt es für Fiskal-Lkw nicht. Für Unternehmen ist es steuerlich günstiger, einen Teil des Geldes in Form eines Firmenwagens, der privat genutzt werden kann, zu entrichten. Wer einen Firmenwagen privat nutzt, muss nur 1,5 Prozent der Anschaffungskosten (höchstens 720 Euro) monatlich versteuern. Dafür unbegrenzt Auto fahren zu können, ist wesentlich günstiger als denselben Wert als normales Gehalt zu versteuern.

Immer mehr private Nutzung von Firmenwagen

Die niedrige Pauschalierung führt zu erheblichen Steuerausfällen von mehreren Hundert Millionen Euro, die letztlich alle anderen Steuerzahlenden ausgleichen müssen. Die höchste Steuerersparnis erzielen derzeit jene mit den höchsten Einkommen.
Und weil höchstens 720 Euro pro Monat zu versteuern sind und die Unternehmen Sprit und Betriebskosten voll absetzen können, profitieren von der derzeitigen Regelung jene am meisten, die am meisten fahren und die teuersten Fahrzeuge mit dem höchsten Spritverbrauch nutzen. Das steht im krassen Widerspruch zu den Klima- und Energiezielen.
Eine realitätsnahe Berechnung des geldwerten Vorteils, die unter anderem die privat gefahrenen Kilometer angemessen berücksichtigt, ist aus ökologischer Sicht und im Sinne der Steuergerechtigkeit nötig. Einkommen gleichen Werts (mit und ohne Firmenwagen) sollten gleich besteuert werden.

 

VCÖ-Empfehlungen

Private Nutzung von Firmenwagen gerecht besteuern. Faire steuerliche Behandlung für Beschäftigte:

• Besteuerung des Sachbezugs mit einem Schema, das möglichst nahe dem tatsächlichen Wert liegt

• Spritverbrauch und Jahresfahrleistung berücksichtigen

• Deckelung des Sachbezugs ersatzlos abschaffen

• Status als Firmenwagen nur, wenn er überwiegend dienstlich genutzt wird; in Deutschland muss ein Firmenwagen mindestens zu 50 Prozent betrieblich genutzt werden

Steuervorteile für Unternehmen an ökologische Kriterien knüpfen. E-Mobilität zum Durchbruch verhelfen:

• CO2-Grenze für steuerliche Absetzbarkeit bei Firmen-Pkw ähnlich der Angemessenheitsgrenze beim Kaufpreis

• Entfall der Angemessenheitsgrenze von 40.000 Euro bei Firmenwagen, die weniger als 50 Gramm CO2 je Kilometer emittieren

• Verkürzung der Abschreibungsdauer für reine E-Fahrzeuge oder für den Kostenanteil der Batterie

• Anschaffungswert (Basis für den Sachbezug) bei Elektro-Autos um Kosten der Batterie verringern

 

Weitere VCÖ-Informationen zu diesem Thema finden Sie hier

Mag. Markus Gansterer, VCÖ-Verkehrspolitik:

„Derzeit werden mit hohen Einbußen bei Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen umweltschädliche Anreize für Firmenwagen finanziert. Das ist weder gerecht noch sozial und ökologisch sowie vollwirtschaftlich kontraproduktiv.“

 

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