VCÖ-Factsheet 2014-01 - Belastung durch Stickoxide ist in Österreich zu hoch

Österreichs Luft wird mit zu vielen Stickoxid-Emissionen belastet. Stickoxide sind sehr gesundheitsschädlich. Der größte Verursacher der Stickoxid-Emissionen ist der Verkehr, insbesondere Dieselfahrzeuge.

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Bereits jedes zehnte Kind in Österreich leidet an Asthma – Tendenz steigend. Stickoxide (NOx) verursachen Atemwegerkrankungen, besonders Kinder und ältere Menschen sind gefährdet. Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt: Die Zahl der Todesfälle nimmt bei hoher Stickoxid-Belastung zu.

Österreich droht teure Verurteilung durch EU

Der Verkehr ist als Hauptverursacher für die Hälfte von Österreichs Stickoxid-Emissionen verantwortlich. Der Anteil von Lkw und Pkw daran ist etwa gleich hoch.
Österreich hat sich gegenüber der EU vertraglich verpflichtet bis zum Jahr 2010 die Stickoxid-Emissionen auf maximal 103.000 Tonnen zu reduzieren. Tatsächlich wurden im Jahr 2010 rund 147.000 Tonnen Stickoxide emittiert und im Jahr 2011 noch immer rund 144.000 Tonnen. Nicht enthalten sind in diesem Wert rund 38.500 Tonnen Stickoxide aus Kraftstoff, der in Österrreich getankt, aber im Ausland verbraucht wird („Tanktourismus“). Jetzt droht Österreich wegen der zu hohen Emissionen ein EU-Vertragsverletzungsverfahren. Österreichs Ozongesetz peilte für das Jahr 2006 sogar nur maximal 66.000 Tonnen Stickoxid-Emissionen an, tatsächlich war der Wert dreimal so hoch.

Zu hohe Belastung: In vielen Regionen Österreichs ist die Stickstoffdioxid-Belastung zu hoch – vor allem entlang von stark befahrenen Straßen.

Jahreswert bei jeder 4. Messstelle zu hoch

Bei der Verringerung der Stickoxid-Emissionen ist Österreich Nachzügler in der EU. Nur Griechenland, Portugal, Luxemburg sowie Malta und Zypern erreichten noch geringere Fortschritte als Österreich. Die höchste Stickstoffdioxid (NO2)-Belastung gibt es entlang von Autobahnen sowie in Städten nahe stark befahrenen Straßen. Im Jahr 2012 wurde an jeder vierten Messstelle der vom Immissionsschutzgesetz-Luft vorgeschriebene maximale Jahresmittelwert von 30 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft überschritten. Betroffen waren alle Bundesländer außer dem Burgenland. Die höchste Belastung wurde in Vomp (an der A12 Inntalautobahn) gemessen. An 16 Stationen wurde der Grenzwert der Luftqualitätsrichtlinie überschritten. Kärnten und Linz erzielten eine Fristerstreckung zur Einhaltung des Grenzwerts bis zum Jänner 2015. Keine Fristverlängerung gab es für Salzburg, Tirol, Vorarlberg, Wien und Oberösterreich außerhalb Linz. An den straßennahen Messstationen ist die Stickstoffdioxid-Konzentration im Mittel dreimal so hoch wie in straßenfernen Bereichen der Stadt. Lokal ist der Verkehr für bis zu 90 Prozent der Stickstoffdioxid-Belastung verantwortlich.

Hauptproblem Verkehr: Auch ohne Kraftstoffexport („Tanktourismus“) ist der Verkehr der Hauptverursacher von Stickoxiden.

Stickoxide gefährden Lunge und Herz

Besonders gesundheitsschädlich ist Stickstoffdioxid, das auch in der Luftgüterichtlinie der Weltgesundheitsorganisation WHO genannt wird. Es schädigt die Atemwege, führt zu Entzündungen und Bronchitis. Bei länger andauernder hoher Konzentration nimmt die Zahl der Herzinfarkte zu. Auch Lungenödeme können die Folge sein. Allergien werden verstärkt. Epidemiologische Studien aus Graz, Linz und Wien zeigen schon bei Stickstoffdioxid-Konzentrationen ab etwa 30 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft akute Auswirkungen auf die Sterblichkeit. In Wien gab es bei einer über zwei Wochen andauernden Zunahme der durchschnittlichen Stickstoffdioxid-Belastung um 10 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft um 4,6 Prozent mehr Todesfälle durch Herz-Kreislauferkrankungen und um 6,7 Prozent mehr Todesfälle durch Atemwegerkrankungen. Im Gegensatz zu Industrieabgasen, die über hohe Schornsteine ausgestoßen werden, gelangen die Abgase des Verkehrs in Bodennähe in die Luft und haben daher für die menschliche Gesundheit besonders hohe Relevanz.

Stickoxide verursachen Feinstaub und Ozon

Stickoxide sind mitverantwortlich für die Bildung von Feinstaub und sind eine Vorläufersubstanz für bodennahes Ozon. Ozon ist die Hauptsubstanz des schädlichen Sommersmogs, der zu Augenbrennen, Schädigungen der Lunge und Reizungen der Atemwege führt. Zudem gelangen Stickoxide durch Regen als Säure in die Böden und in das Grundwasser. Die Versauerung der Böden ist die Folge. Rund 32 Prozent jener Schadstoffe, die Boden und Wasser schädigen, stammen aus dem Verkehr.

Akuter Handlungsbedarf beim Verkehr

Die Stickoxid-Emissionen im Verkehr sind heute höher als im Jahr 1990. Erst seit dem Jahr 2005 sinken die Emissionen dank strengerer Abgasgrenzwerte und des Umstiegs auf öffentliche Verkehrsmittel und das Fahrrad. Österreich hat aufgrund der hohen Anzahl an Diesel-Pkw besonders große Probleme. Die Abgasvorschriften sind für Diesel-Pkw weniger streng als für Benzin-Pkw. Die Diesel-Pkw der Euro 4- und Euro 5-Abgasklasse dürfen die Luft mit fast viermal so vielen Stickoxiden verschmutzen wie Benzin-Pkw.
Verschärft wird das Problem dadurch, dass die Diesel-Pkw (Euro 4 und Euro 5) im realen Fahrbetrieb zwei- bis dreimal so viele Stickoxide emittieren als die Abgasnorm vorschreibt. Die Stickoxid-Emissionen von neuen Euro 5-Klein-Lkw sind im Fahrbetrieb ähnlich schlecht wie die Werte der alten Euro 1 Klein-Lkw (Baujahr ab 1992).

Faktor Tempo: Bei einer Fahrgeschwindigkeit von 130 km/h werden um fast zwei Drittel mehr Stickoxide als bei 100 km/h emittiert.

Umweltzonen in Deutschland

Seit Jänner 2008 gibt es in Deutschland in zahlreichen Städten Umweltzonen. In einer Umweltzone dürfen nur jene Pkw, Lkw und Busse fahren, die bestimmte Abgaswerte einhalten. Die Fahrzeuge werden je Schadstoffklasse mit unterschiedlich farbigen Plaketten versehen. Für Kfz mit hohen Schadstoff-Emissionen gilt in der Umweltzone ein Fahrverbot. Der Ausstoß von Stickoxiden konnte in Berlin durch die Umweltzone um 15 Prozent gegenüber dem Wert, der ohne Umweltzone erreicht worden wäre, gesenkt werden.

So ist Luftqualität in Österreich zu verbessern

Der VCÖ schlägt ein Bündel von Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität vor. Die derzeitige Steuerbegünstigung von Diesel ist rasch abzuschaffen. Niedrigere Tempolimits verringern den Stickoxid-Ausstoß. Bei Tempo 130 wird um 64 Prozent mehr Stickoxid ausgestoßen als bei Tempo 100. Bei 80 Kilometer pro Stunde verursacht die durchschnittliche Pkw-Flotte um rund 15 Prozent weniger Stickoxid-Emissionen als bei 100 Kilometer pro Stunde, leichte Nutzfahrzeuge haben bei Tempo 80 sogar im Schnitt um 28 Prozent niedrigere Emissionen. Eine Ausweitung der Lkw-Maut auf Landesstraßen hilft, den Lkw-Verkehr zu verringern. Umweltzonen reduzieren die Schadstoffbelastungen und in Ballungszentren helfen City-Mauten, die auch für viele größere Städte Österreichs geeignet sind. Der Öffentliche Verkehr ist weiter auszubauen. Zudem sind in den Städten die Bedingungen für das Gehen und Radfahren zu verbessern.

Quelle: VCÖ-Hintergrundbericht: NOx-Emissionen im Verkehr und deren gesundheitliche Auswirkungen, Wien 2014

 

Der VCÖ empfiehlt

Niedrigere Tempolimits als günstige Sofortmaßnahme
Tempo 80 statt 100 verringert kostengünstig und rasch die Stickoxid-Emissionen. Für Klein-Lkw sollen gleiche Tempolimits wie für Lkw gelten.

Steuerbegünstigung für Dieseltreibstoff streichen
Die Mineralölsteuer auf Dieseltreibstoff ist derzeit um 8,5 Cent pro Liter niedriger als auf Benzin, obwohl Dieselabgase um ein Vielfaches mehr an Stickoxiden enthalten.

Lkw-Maut ausweiten
Im Gegensatz zur Schweiz zahlen Lkw in Österreich auf Landes- und Gemeindestraßen keine Maut. Die Bahn zahlt am gesamten Schienennetz Schienenmaut.

Anschlussbahnen stärker fördern
Gleisanschlüsse für Unternehmen sind stärker zu fördern. Sie tragen dazu bei, dass Gütertransporte von der Straße auf die Schiene verlagert werden.

Öffentlichen Verkehr in Ballungsräumen ausbauen
Die Stadt-Umland-Verbindungen sind als dichtes S-Bahn-Netz auszubauen. Der Öffentliche Verkehr in den Städten ist weiter zu verbessern.

Bedingungen für Gehen und Radfahren verbessern
Durch verbesserte Bedingungen beim Radfahren und Gehen können viele kurze Autofahrten auf saubere, bewegungsaktive Mobilität verlagert werden.

Umweltzonen und City-Mauten
International haben sich Umweltzonen und City-Mauten bewährt, um die gesundheitsschädlichen Emissionen des Verkehrs, wie Stickoxide und Feinstaub, zu reduzieren.

 

DIin Bettina Urbanek MA:

„Stickoxide sind sehr gesundheitsschädlich. Vor allem für Kinder und ältere Menschen. Die gesetzlichen Grenzwerte werden vielerorts überschritten. Der Verkehr ist der Hauptverursacher der Stickoxid-Emissionen Österreichs, daher sind verkehrspolitische Maßnahmen besonders wichtig.“

 

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