Autofreie Zone vor der Schule

Mit dem Argument höherer Sicherheit bringen zahlreiche Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur -Schule und erhöhen so die Unfallgefahr vor allem für andere. Bozen, Odense und Ligist zeigen, wie der Verkehr vor Schulen beruhigt werden kann. Nebenbei werden die Kinder dort selbstständiger mobil und bewegen sich mehr.

>> Von Ursula Jungmeier-Scholz

Eine Tonne Stahl als schützender Panzer begleitet viele Kinder auf dem Weg zur Schule. Damit der Nachwuchs so sicher wie möglich zum Unterricht gelangt, fährt das Elterntaxi bis direkt vor den Schuleingang – aber nicht nur eines! Das Ankommen, Parken, Wenden und Abfahren der elterlichen Autos verschärft die Verkehrssituation vor dem Schulgebäude so, dass aus Sicherheitsgründen noch mehr Kinder in die Schule chauffiert werden. Ein echter Teufelskreis. Doch es gibt Städte wie die Südtiroler Hauptstadt Bozen, die eine Lösung gefunden haben. „Dort wurden bereits im Jahr 1989 vor den Volksschulen erstmals Schulstraßen errichtet, die vor und nach dem Unterricht für den motorisierten Verkehr gesperrt sind“, erläutert Karl Reiter von der Grazer Forschungsgesellschaft für Mobilität FGM. Für Schulen in Graz ließ sich das Modell aufgrund von Widerstand der Eltern bis jetzt noch nicht realisieren.

Zeit lassen und aufklären

Widerstand gab es zunächst auch in Bozen, von Anwohnenden, Eltern und dem Lehrpersonal. Mittlerweile haben sich die acht Schulstraßen durchgesetzt. Auch andere Südtiroler Städte haben das Modell übernommen. Aus anfänglich 30 Minuten Verkehrssperre um die jeweilige Schule wurde eine Viertelstunde, dafür gibt es nur mehr vereinzelte Ausnahme-regelungen. „Wir haben viele Jahre gearbeitet, bevor die Schulstraßen von der Bevölkerung akzeptiert wurden, und es bleibt noch viel zu tun“, berichtet Leutnant Nives Fedel von der Bozener Polizei. Allerdings hat auch schon eine Schule von sich aus die Polizei um eine Schulstraße gebeten. „Man sollte immer kleine Schritte machen: mit den Kindern zum Thema Umweltschutz arbeiten, die Sicherheit auf dem Schulweg gewährleisten und den Eltern andere Begleitungsmöglichkeiten anbieten“, empfiehlt Polizistin Fedel. In Bozen ist der Anteil der selbstständig mobilen Schulkinder inzwischen auf fast 80 Prozent angestiegen; rund die Hälfte kommt zu Fuß. So bewegen sie sich regelmäßig und üben von klein auf das richtige Verhalten im Straßenverkehr.

Schulstraßen: Bereits im Jahr 1989 wurden in Südtirols Hauptstadt Bozen erste Schulstraßen errichtet, die vor und nach dem Unterricht für den motorisierten Verkehr gesperrt sind.

Unfallzahlen halbiert

Auch Schülerlotsen sind in Bozen verstärkt im Einsatz. Sie sichern Verkehrsübergänge, begleiten aber auch täglich rund 200 Kinder mit längerem Schulweg zur Schule. „Das klingt nicht nach viel, aber die meisten wohnen ja in der Nähe der Schule“, erklärt die Polizistin. Mit diesen Maßnahmen konnte die Anzahl der Schulweg-Unfälle in Bozen halbiert werden, berichtet sie. Aus Sicherheitsgründen muss also kein Kind zur Schule gefahren werden. Wichtig ist nur, für Alternativen zu sorgen.

Das zeigt auch das Beispiel der steirischen Marktgemeinde Ligist. Tagtäglich gab es dort vor der Volksschule ein Verkehrschaos. „Weil die Straße so breit war, lud sie zum Halten richtig ein“, erzählt Amtsleiter Bernd Schröttner. Also wurden einerseits Bodenmarkierungen aufgebracht und andererseits wurden die Elternautos auf den nahe gelegenen, weiträumigen Parkplatz des Freibades verwiesen. Die letzten 300 Meter Schulweg gehen die Kinder nun zu Fuß. Ein Jahr nach der Neuregelung parkt niemand mehr vor der Schule.

Dart spielen statt Auto fahren

Auch im dänischen Odense wurde der Autoverkehr vom Platz vor der Schule im Roars Vej verbannt, mit doppeltem Effekt: Nicht nur, dass der Vorplatz autofrei ist – durch entsprechende Gestaltung wurde er zur Erweiterung des Schulhofes. Wo sich einst Fahrzeuge stauten, wird heute Dart gespielt.

Lässt sich der Autoverkehr gar nicht vermeiden, bietet sich zur Verkehrsberuhigung vor Schulen immer noch ein Tempolimit an. Ein Beispiel dafür ist die Volksschule Christkindl im Bezirk Steyr: Ein schöner Schulstandort, direkt an den Wald angrenzend, aber leider mit einer Kreuzung zweier Landesstraßen davor. Um die Sicherheit der Kinder zu gewährleisten und nicht zu viel Widerstand gegen eine Geschwindigkeitsreduktion auszulösen, wurde dort eine variable Geschwindigkeitsanzeige errichtet. Am Vormittag gilt Tempo 30, am Nachmittag darf 50 km/h gefahren werden.

 

>> Zur Autorin:
Ursula Jungmeier-Scholz ist freie Journalistin in Graz.

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