Ergebnisse der Befragung von VCÖ und TU-Wien zu „Öffentlicher Verkehr und Covid-19"

Umfrage von VCÖ und TU-Wien: Fachleute für häufigere Öffi-Verbindungen zu Stoßzeiten und verstärkte Hygiene-Maßnahmen

Der Öffentliche Verkehr hat im Zuge der Covid-19 Pandemie viele Fahrgäste verloren. Der VCÖ hat gemeinsam mit der TU Wien mehr als 500 Fachleute befragt, welche Maßnahmen es braucht, damit der Öffentliche Verkehr wieder an Fahrgästen zulegen kann. Als wichtigste Maßnahmen werden neben dem verpflichtenden Tragen des Mund-Nasen-Schutzes häufigere Verbindungen zu Stoßzeiten sowie verstärkte Hygiene-Maßnahmen gesehen. Gefordert sehen die Fachleute auch die Bundesregierung, die ökosoziale Steuerreform vorzuziehen sowie die Städte, eine umfassende Parkraumbewirtschaftung als Rahmenbedingung für guten Öffentlichen Verkehr umzusetzen.

„Ein größerer Teil des Fahrgastrückgangs im Öffentlichen Verkehr im Zuge der Covid-19-Pandemie ist auf das Ausbleiben von Urlaubsgästen aus dem Ausland, verstärktes Homeoffice, die erhöhte Arbeitslosigkeit und die Absage von Veranstaltungen zurückzuführen. Ein Teil der Fahrgäste ist aber auch auf andere Verkehrsmittel umgestiegen“, erklären Michael Schwendinger vom VCÖ und Günter Emberger von der TU Wien. Der VCÖ hat gemeinsam mit der TU Wien mehr als 500 Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Interessensvertretungen, Verkehrsplanungsbüros, Verwaltung und Unternehmen befragt, welche Maßnahmen es braucht, damit der Öffentliche Verkehr in Zukunft wieder mehr Fahrgäste hat.

Als langfristige Maßnahmen sehen 95 Prozent der Expertinnen und Experten häufigere Verbindungen, um überfüllte öffentliche Verkehrsmittel zu Stoßzeiten zu vermeiden, als wichtige Maßnahme an. 88 Prozent empfehlen verstärkte Hygiene-Maßnahmen und jeweils 78 Prozent sehen verstärkte Kommunikation beziehungsweise ein einheitliches Ticketing für die gesamte Wegekette als wichtig an. Als kurzfristige Maßnahmen sehen 91 Prozent der Fachleute das verpflichtende Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes als eher oder sehr wichtig an, 89 Prozent die gründliche und sichtbare Reinigung der Fahrzeuge und Stationen.

 

Gefordert sehen die Fachleute auch die Bundesregierung. 60 Prozent der Expertinnen und Experten sehen das Vorziehen der ökosozialen Steuerreform inklusive CO2-Bepreisung und Reform des Pendlerpauschales als sehr wichtige Maßnahme an, um die Anzahl der Fahrgäste des Öffentlichen Verkehrs zu erhöhen. 59 Prozent sehen eine umfassende Parkraumbewirtschaftung in Ballungsräumen als Rahmenbedingung für guten Öffentlichen Verkehr als sehr wichtig an, 50 Prozent die rasche Umsetzung des 1-2-3 Tickets. 42 Prozent der Expertinnen und Experten sehen gestaffelte Arbeits- und Schulbeginnzeiten als sehr wichtig an, um überfüllte Fahrzeuge zur Stoßzeit zu vermeiden.

86 Prozent der Fachleute stimmen der Aussage zu, dass der verpflichtende Mund-Nasen-Schutz den Fahrgästen Sicherheit vermittelt, 79 Prozent sehen den verpflichtenden Mund-Nasen-Schutz als wichtig an, damit wieder mehr Personen den Öffentlichen Verkehr nutzen.

Zahlreiche Studien im In- und Ausland haben gezeigt, dass der Öffentliche Verkehr kein Covid-19-Cluster ist und keine erhöhte Ansteckungsgefahr besteht. Eine verstärkte Bewusstseinsbildung zur gesellschaftlichen Bedeutung des Öffentlichen Verkehrs und die Kommunikation der Studienergebnisse, insbesondere mit medizinischen Fachleuten, wird diesbezüglich von vielen Fachleuten als wichtig gesehen.

Insgesamt sehen 14 Prozent der Fachleute ein deutlich schlechteres Image des Öffentlichen Verkehrs durch Covid-19 weitere 52 Prozent sehen ein etwas schlechteres Image. 27 Prozent meinen, dass sich das Image nicht verändert hätte und sieben Prozent sehen ein verbessertes Image, weil der Öffentliche Verkehr auch in der Krise gut funktioniert.

„Der Verkehr kann seine Klimaziele nur erreichen, wenn der Anteil des Öffentlichen Verkehrs an der Mobilität deutlich steigt. Umso wichtiger ist es, dass sowohl die Verkehrsunternehmen als auch die Politik auf allen Ebenen rasch verstärkte Maßnahmen setzen, damit mehr Menschen mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren“, stellen VCÖ-Experte Michael Schwendinger und Günter Emberger von der TU Wien abschließend fest.