 Trendumkehr im Verkehr ist möglich!
Mobilität ist eine entscheidende Voraussetzung für menschliche Entwicklung und soziale Integration. Eine gute Erreichbarkeit der verschiedenen Ziele des täglichen Lebens ist Teil unserer Lebensqualität.
Trend: Verkehr wächst, Mobilität nimmt ab
Unsere Mobilität ist umso höher, je zeitsparender, preisgünstiger und sicherer wir unsere Ziele erreichen. Diese Kriterien werden heute aber immer weniger erfüllt. Mit den höheren Geschwindigkeiten im Verkehrssystem sind in gleichem Maße auch die zurückgelegten Weglängen gestiegen. Der Zeitaufwand für die täglichen Wege blieb damit konstant.
Die Haushalte sind zudem gezwungen, immer mehr Geld für Mobilität auszugeben. Wurden im Jahr 1970 noch zehn Prozent des Haushaltseinkommens für Mobilität ausgegeben, werden es im Jahr 2020 bereits 25 Prozent sein. Die Orientierung der Raum- und Versorgungsstrukturen am Pkw bedeutet speziell für Kinder, ältere oder mobilitätsbeeinträchtigte Menschen gravierende Mobilitätseinbußen, wenn sich dieser Trend fortsetzt.
Trend: Gesundheit und Lebensqualität werden vom Verkehr zunehmend beeinträchtigt
Österreich hat den höchsten Anteil von Diesel-Pkw in der EU. Die Rußpartikel der Dieselabgase sind eine große Gefahr für die Gesundheit: Wenn nicht rasch Partikelfilter zum Standard werden, verursachen die Rußpartikel der Dieselabgase allein in Österreich bis zum Jahr 2020 rund 20.000 Todesopfer! Stickoxide des Verkehrs sind für erhöhte Ozonwerte verantwortlich. Auch Verkehrslärm ist eine zunehmende Gesundheitsgefahr. Eine Verbesserung der Situation ist derzeit nicht in Sicht. Dabei kann Mobilität eine gesundheitsfördernde Wirkung haben: Die verstärkte Nutzung des Mobilitätsverbundes aus Gehen, Rad fahren und der Benützung des Öffentlichen Verkehrs hilft nicht nur Abgase und Lärm zu reduzieren, sondern bedeutet auch mehr Gesundheit durch Bewegung. Wenn die Hälfte der Autowege unter dreieinhalb Kilometer mit dem Fahrrad zurückgelegt werden, könnten bis zum Jahr 2020 rund 8.200 Todesfälle und 120.000 Krankheitsfälle vermieden werden.
Trend: Natur kommt unter die Räder
Die CO2-Emissionen des Verkehrs sind seit dem Jahr 1990 um mehr als 50 Prozent gestiegen und machen Einsparungen in anderen Bereichen zunichte. Eine Änderung dieses Trends ist nicht absehbar. Im Jahr 2020 wird der Verkehr der mit Abstand größte Emittent von Treibhausgasen in Österreich sein. Auch der Zuwachs an Verkehrsfläche ist ungebremst. Verkehr verbraucht in Österreich heute eine Fläche von mehr als 1.400 Quadratkilometer. Hält die Entwicklung an, werden es im Jahr 2020 mit fast 1.800 km2 um 29 Prozent mehr sein. Eine Trendumkehr ist durch eine stärkere Nutzung des Öffentlichen Verkehrs möglich: Der Flächenverbrauch beträgt bei gleicher Verkehrsleistung nur ein Sechstel und die Treibhausgas-Emissionen betragen nur einen Bruchteil jener von Pkw und Lkw.
Trend: Mobilität wird immer teurer
Bereits 27 Prozent der Wirtschaftsleistung muss in Österreich für Mobilität von Personen und den Transport von Gütern aufgewendet werden. Zu diesen in Geld bezahlten Kosten kommen noch Schäden durch Lärm, Schadstoffe und Unfälle. Im Jahr 1980 machten die Kosten des Verkehrs in Österreich lediglich 18 Prozent des Bruttoinlandprodukt (BIP) aus. Grund für den enormen Anstieg ist, dass ein großer Teil der Verkehrskosten von der Allgemeinheit getragen und vom Nutzer nicht wahrgenommen wird. Verkehr erscheint billiger als er ist und wird über das ökonomisch sinnvolle Maß hinaus genützt. Bei Abbau von Marktverzerrungen können bis zum Jahr 2020 rund 160 Milliarden Euro eingespart werden.
VCÖ: Nachhaltige Mobilität durch gerechte Preise im Verkehr ermöglichen!
Eine Trendumkehr im Verkehr ist möglich. Das zeigen erfolgreiche Beispiele im In- und Ausland. Große Bedeutung kommt der Veränderung der Rahmenbedingungen durch gerechtere Preise im Verkehr zu. Lkw-Mauten am gesamten Straßennetz wären ein wichtiger Schritt. Die Schweiz konnte damit den Zuwachs des Lkw-Verkehrs deutlich bremsen. City-Mauten hätten in den Ballungsräumen Österreichs ähnliche Erfolge wie in London: 15 Prozent weniger Pkw-Verkehr, mehr Menschen im Öffentlichen Verkehr sowie niedrigere Staukosten für die Wirtschaft. Die Einführung eines Punkteführerscheins nach deutschem Vorbild ermöglicht eine Staffelung der Kfz-Haftpflichtprämien nach dem personenbezogenen Unfallrisiko. Die Anzahl der Verkehrstoten könnte in Österreich bis zum Jahr 2020 um 90 Prozent verringert werden.
VCÖ: Raumplanung verbessern!
Raumordnung und Verkehrsplanung müssen enger zusammenarbeiten. Raumstrukturen legen fest, wie viel Verkehr für die täglichen Wege entsteht. Einkaufszentren am Stadtrand statt Nahversorgung im Ort bringen mehr Autoverkehr.
VCÖ: Österreich kann bei Mobilität Vorbild in der EU werden!
Mehr Mobilität, bei gleichzeitig weniger Verkehr ist möglich. Die Verkehrspolitik reagierte in der Vergangenheit auf zunehmendes Verkehrsaufkommen vor allem mit dem Neu- und Ausbau von Straßen. Mehr Fläche für Verkehrsinfrastruktur und Fahrzeuge haben gravierende negative Folgen: Immer mehr Lebensraum wird zerstört, Lärm- und Abgasbelastung nehmen zu, das Unfallrisiko steigt. Der Bau neuer Straßen verursacht zusätzlichen Verkehr. Die VCÖ-Studie "Mobilität 2020" zeigt, dass Maßnahmen zur Erhöhung der Effizienz des Verkehrssystems die Belastungen des Verkehrs verringern und die Mobilität der Menschen erhöht.
VCÖ: Innovative Mobilitätspolitik bringt Profit für Menschen und Wirtschaft
Die richtige Kombination zahlreicher Maßnahmen und eine zukunftsorientierte Mobilitätspolitik sind dafür Voraussetzung. International gibt es eine Fülle von vorbildhaften Beispielen. Einzigartig wäre aber die zielgerichtete Kombination im Rahmen einer innovativen Mobilitätspolitik.
Österreich hat die Möglichkeit, in Europa eine Vorreiterrolle einzunehmen. Erfolge sind rasch erzielbar. Auch die EU-Politik könnte darüber nicht mehr hinwegsehen. Nachhaltige Mobilität ist machbar. Die Weichen sind jetzt zu stellen.
Quelle: VCÖ, Mobilität 2020. Trends - Ziele - Visionen, Wien 2003
VCÖ-Vorschläge
Mobilität für alle Menschen sichern
Raumplanung statt Zersiedelung
Schienennetz erweitern und verbessern
Kundenorientierte, aufeinander abgestimmte Taktverkehre bei
Bahn und Bus
Barrierefreiheit bei Planungen im öffentlichen Raum
gewährleisten
Mobilitätsmanagementpläne in Betrieben und Gemeinden
Verkehrssicherheit erhöhen
Punkteführerschein nach deutschem Vorbild
Strafhöhen und Kontrolldichte auf EU-Niveau anheben
Effizienz des Verkehrs erhöhen
Auf EU-Ebene Lkw-Maut nach Schweizer Vorbild
durchsetzen
Kontraproduktive Subventionen abschaffen
Beeinträchtigung von Natur und Artenvielfalt vermeiden
Strategische Umweltprüfung für Generalverkehrsplan
Ressourcenverbrauch für Mobilität minimieren
Infrastrukturpolitik zu Gunsten klimaschonender Verkehrsarten
Energiesteuer auf Treibstoffe von etwa 12 Cent je Liter einheben,
gleichzeitig Lohnsteuer senken.
Verkehr gesundheitsverträglich machen
Gute Bedingungen für Gehen und Radfahren schaffen
Lärm- und schadstoffabhängige Fahrzeugbesteuerung
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