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Gigaliner sind keine Lösung für Verkehrsprobleme

Factsheet: 2008-12

Sollen Riesen-Lkw europaweit zugelassen werden?

Manche wollen -Gigaliner als Problemlöser für den stark steigenden Straßengüterverkehr verkaufen. Die VCÖ-Studie zeigt, dass Gigaliner viele neue Probleme -schaffen und vorhandene Verkehrsprobleme nicht lösen. 

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Gigaliner sind rund 25 Meter lange und 60 Tonnen schwere Lastkraftwagen. Derzeit wird innerhalb der EU versucht, eine Zulassung der Riesen-Lkw zu erreichen. Argumentiert wird mit einer angeblichen Entlastung der Straßen: Es würden für dieselbe Gütermenge weniger Lkw benötigt. Ein Schein-argument, denn alle relevanten Studien zeigen, dass die Zulassung der Gigaliner zu einer Verlagerung des Güterverkehrs von der Schiene auf die Straße führt.  Umweltbelastung, Infrastrukturkosten und das Unfallrisiko würden steigen. Der VCÖ spricht sich gegen die Zulassung der Riesen-Lkw aus.
Den Güterverkehr zukunftsfähig machen
Statt Gigaliner braucht es mehr Effizienz und Umweltverträglichkeit im Güterverkehr. Die Bedingungen für den Güterverkehr auf der Schiene sind zu verbessern, betriebliche Gleisanschlüsse sind zu forcieren. Eine bessere Logistik kann Leerfahrten einsparen. Damit sich Investitionen in die Logistik besser rechnen, ist mehr Kostenwahrheit beim Lkw-Verkehr nötig. Die EU soll ihren Mitgliedstaaten höhere Lkw-Mauten erlauben und externe Kosten zur Gänze berücksichtigen. Nach Schweizer Vorbild ist die Lkw-Maut auf alle Straßen auszuweiten.


Riesen-Lkw: Gut für Speditionen? Schlecht für die Allgemeinheit
Derzeit dürfen Lkw in den meisten EU-Staaten eine maximale Länge von 18,75 Metern und ein maximales Gesamtgewicht von 40 Tonnen haben. Gigaliner sind um rund 33 Prozent länger und haben ein 50 Prozent höheres Gesamtgewicht. Mit der Zulassung der Gigaliner in der EU würde der Lkw-Verkehr Marktanteile gewinnen – zu Lasten von Bahn und Schiff.
Teure Straßenumbauten
In Schweden und Finnland sind Riesen-Lkw bereits erlaubt. Das Straßennetz dieser dünn besiedelten Gebiete musste mit großem finanziellen Aufwand adaptiert werden. In Deutschland werden derzeit in einigen Bundesländern Tests durchgeführt. In Dänemark läuft seit November 2008 ein auf drei Jahre angelegter Versuch. Dafür wurden Straßen um 19 Millionen Euro ausgebaut. Durch eine EU-weite Zulassung wären diese Fahrzeuge auch in den etwa zehn Mal dichter besiedelten und vom Bahnnetz gut erschlossenen Gebieten Mitteleuropas unterwegs.

Gigaliner führen zu mehr Lkw-Verkehr
Der Wettbewerbsvorteil der Schiene und der Wasserstraße würde mit der Einführung von Gigalinern schrumpfen. Ein Teil der Transporte, die derzeit kostengünstig mit Bahn oder Schiff transportiert werden, würde auf die Straße verlagert. Allein in Deutschland würden durch die Zulassung von -Gigalinern sieben Milliarden Tonnenkilometer von der Schiene auf die Straße verlagert werden. Das sind mehr als 400.000 zusätzliche Lkw-Fahrten.
Gigaliner belasten die Umwelt stärker
Die CO2-Bilanz des Transports per Bahn oder Schiff ist deutlich besser als jene von Lkw. Lkw verursachen pro Tonnenkilometer, verglichen mit dem Transport auf der Schiene, die 17-fache Menge an CO2. Nur bei einer sehr hohen Auslastung verursachen Giga-liner weniger Schadstoffe pro Gütermenge als herkömmliche Lkw. Angesichts der bereits heute hohen Zahl an Lkw-Leerfahrten ist zu erwarten, dass Gigaliner diese hohe Auslastung nicht erreichen. Mehr Umweltbelastung ist die Folge.

Gigaliner erhöhen das Unfallrisiko
Das Risiko bei einem Verkehrsunfall tödlich zu verunglücken ist fast viermal so hoch, wenn ein Lkw beteiligt ist. Das tödliche Unfallrisiko wäre durch die Zulassung von Riesen-Lkw noch höher. Längere Überholwege, größere Masse beim Auftreffen auf Hindernisse, aber auch längere Räumzeiten an Kreuzungen und Bahnübergängen sprechen hinsichtlich der Sicherheit gegen die Gigaliner. In einem alpinen Land wie Österreich mit seinen zahlreichen Tunneln und Brücken hat der Einsatz von Riesen-Lkw noch weit schwerwiegendere Folgen. Bei einem schweren Unfall in einem Tunnel ist die Brandlast eines Gigaliner deutlich größer als bei einem normalen Lkw. Auf Brücken besteht erhöhte Gefahr des Durchbrechens der Rückhalte-systeme wie beispielsweise Leitschienen.
Brücken und Tunnel nicht Gigaliner-tauglich
Die heutige Straßeninfrastruktur – insbesondere Brücken, Tunnel, Rastplätze, Kreuzungen und Kreisverkehre – ist nicht für Gigaliner ausgelegt. Nach einer Zulassung der Riesen-Lkw wären -enorme Investitionen nötig, um einen sicheren und flüssigen Verkehr zu ermöglichen.
Für Deutschland hat das Bundesverkehrs-ministerium eine Summe von mindestens acht Milliarden Euro abgeschätzt, nur um die Brücken Gigaliner-sicher zu machen. Denn die Tragreserven der Brücken würden überschritten und Erhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen müssten in deutlich kürzeren Intervallen durchgeführt werden.

Tirol und Ostösterreich sehr stark betroffen
In Regionen, die stark vom Transit betroffen sind, wie beispielsweise Tirol und Ostösterreich, wären die Auswirkungen besonders groß. In Tirol müssen zirka 1.900 Brückenbauwerke mit einer Gesamtlänge von etwa 40 Kilometer sowie 145 Tunnel mit insgesamt 49 Kilometer Länge alleine an Landesstraßen erhalten werden. Im Autobahnnetz gibt es österreichweit zirka 300 Brückenkilometer und rund 300 Tunnelkilometer, die die Asfinag zu erhalten hat. Davon entfallen auf Tirol 28 Brücken- und 37 Tunnelkilometer. Die 60-Tonner würden speziell Brücken deutlich stärker beanspruchen. Die Kosten für Erhaltung und Instandsetzung würden enorm steigen.

Österreich braucht keine Gigaliner
Das Alpenland Österreich mit seinen vielen Steigungen, engen Kurven, Brücken und Tunneln ist für den Einsatz von überlangen und überschweren Lkw ungeeignet. Der Lkw-Verkehr ist in Österreich seit dem Jahr 1995 um 48 Prozent gestiegen, auf manchen Abschnitten hat er sich sogar verdoppelt. Die Zulassung von Riesen-Lkw würde zu einer weiteren Zunahme des Lkw-Verkehrs führen.
Dichtes Schienennetz ist unverzichtbar
Im Bahngüterverkehr liegt Österreich im EU-Spitzenfeld: Ein Drittel des Gütertransports erfolgt auf der Schiene. Um diesen Anteil noch deutlich zu erhöhen, muss der Ausbau von Gleisanschlüssen für Betriebe deutlich forciert werden. Das regionale Schienennetz ist zu erhalten und zu attraktivieren.
Derzeit wälzt der Lkw-Verkehr mehr als 60 Prozent der von ihm verursachten Kosten auf die Allgemeinheit ab. Das sind in Österreich pro Jahr rund 3,1 Milliarden Euro. Da der Lkw-Verkehr nicht für die verursachten Kosten aufkommt, werden mehr Güter auf der Straße transportiert als nötig. Straßen werden als rollende Lagerhallen missbraucht. Die EU-Wegekostenrichtlinie ist so zu reformieren, dass es den EU-Mitgliedstaaten erlaubt ist, höhere Lkw-Mauten zu verlangen.

Kosten:

Enorme Kosten für Österreich
Alleine die für Gigaliner nötige Sanierung und der Neubau von Brücken auf den Landesstraßen Ober-österreichs würde 100 Millionen Euro kosten. Wird diese Schätzung auf Österreich hochgerechnet, muss mit rund einer Milliarde Euro gerechnet werden, nur um die Brücken im gesamten Straßennetz Gigaliner-tauglich zu machen.  Auch die Sicherheitseinrichtungen wie beispielsweise Brandrauchentlüftungen in den Tunneln müssten umgebaut werden. Längere Nothaltestellen und Pannenbuchten wären notwendig. Auf Brücken müssten die Rückhaltesysteme, wie Leitschienen, für die Durchschlagsicherheit verstärkt werden, um der größeren Aufpralllast von Gigalinern standzuhalten.


VCÖ für einen effizienten Güterverkehr
Gigaliner leisten keinen Beitrag zu einer nachhaltigen, zukunftsfähigen Verkehrsentwicklung. Ihre Zulassung in Europa würde in erster Linie Einzel-interessen von Speditionen bedienen – auf Kosten der Allgemeinheit. Die Straßeninfrastruktur müsste um teures Geld für den Einsatz von Gigalinern umgebaut werden. Das tödliche Unfallrisiko nimmt mit dem Einsatz von 60-Tonnen-Lkw auf den stark befahrenen Straßen Mitteleuropas massiv zu.
Um eine Reduktion des Lkw-Verkehrs zu erreichen, braucht es nicht größere Fahrzeuge, sondern vor allem verkehrspolitische Maßnahmen. So ist dem politischen Ziel der stärkeren Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene Rechnung zu tragen und der bestehende Wettbewerbsnachteil der Schiene gegenüber der Straße aufzuheben.
Kostenwahrheit erhöht die Effizienz und verringert die Belastungen für die Allgemeinheit
Um die verursachten Kosten des Verkehrs gerecht aufzuteilen, ist die Lkw-Maut nach Vorbild der Schweiz zu erhöhen und auf alle Straßen auszuweiten. Lkw-Mauten tragen dazu bei, den Güterverkehr zu optimieren, indem zum Beispiel Leerfahrten deutlich seltener werden.
Ebenso wichtig sind Maßnahmen, die den Güterverkehr verstärkt auf die Schiene bringen: Ein dichtes Schienennetz, die Beseitigung von Engpässen und die verstärkte Schaffung von direkten Gleisanschlüssen für Betriebe. Auch die kleinen Regionalbahnen sind für den Güterverkehr besser zu nutzen. Beim Bahngüterverkehr liegt Österreich im EU-Spitzenfeld. Eine gute Ausgangsposition, um im eigenen Land und auf europäischer Ebene eine zukunftsfähige Verkehrspolitik voranzutreiben.

Quelle: VCÖ-Hintergrundbericht: Gigaliner und ihre Folgen für den Gütertransport, Wien 2008

Keine Zulassung für Gigaliner

Weder in Österreich noch auf EU-Ebene darf der Einsatz der Riesen-Lkw erlaubt werden. Um das zu verhindern, ist der Einsatz Österreichs in der EU besonders wichtig.
Güterverkehr verstärkt auf die Schiene verlagern
Gleisanschlüsse für Betriebe sind von Seiten der Politik stärker zu fördern. Ebenso muss das regionale Schienennetz erhalten werden.
Wegekostenrichtlinie der EU verbessern
Die relevanten Faktoren und alle externen Kosten sind in die Berechnung der Mautgebühren einzubeziehen. Der Einsatz von Österreichs -Politi-kerinnen und Politiker ist dafür in den EU-Gremien sehr wichtig.
Lkw-Maut auf allen Straßen
Die Einführung der Lkw-Maut auf allen Straßen erhöht die Effizienz des Lkw-Verkehrs und trägt zur Vermeidung von Güterverkehr bei.
Lkw-Kapazitäten besser auslasten
Durch eine Maut auf allen Straßen sowie mit Hilfe von Telematik- und Logistiksystemen können Lkw-Leerfahrten reduziert werden.
Lkw effizient kontrollieren
Die Lkw können auch deshalb billiger transportieren, weil zu oft arbeits- und sozial-rechtliche Bestimmungen nicht eingehalten werden.

Zitat:
DI Martin Blum, VCÖ-Verkehrspolitik:
„Gigaliner lösen keine Verkehrsprobleme, sondern sie schaffen neue. Straßen, Brücken und Kreisverkehre müssten für die 60-Tonner um teures Geld umgebaut werden. Überholwege werden länger, das tödliche Unfallrisiko steigt. Und es würde viel Güterverkehr von der Bahn auf die Straße verlagert werden. Deshalb ist die Zulassung der Gigaliner in der EU unbedingt zu verhindern.“

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