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Fragen und Antworten zum Thema Feinstaub

Was ist Feinstaub und was ist mit PM 10, PM 2,5 oder PM 0,1 gemeint?

Feinstaub, englisch „Particulate Matter“ (PM), bezeichnet winzige Teilchen in der Luft, die mit bloßem Auge nicht sichtbar sind.

Je nach Größe werden diese als PM10, PM2,5 oder PM 0,1 klassifiziert. PM10 bezeichnet die Feinstaubfraktion mit einem aerodynamischen Durchmesser von unter 10 Mikrometer (1 Mikrometer = 0,001 Millimeter). Unter PM 2,5 sind noch kleinere Partikel, mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometer, zu verstehen. Für ultrafeine Partikel unter 0,1 Mikrometer wird das Kürzel PM 0,1 verwendet.

Bei Messungen von Feinstaub wird meist das Gewicht angegeben. Um eine Aussage über die Gesundheitsgefahr treffen zu können, ist jedoch nicht das Gewicht, sondern die Partikelanzahl bzw. die Oberfläche der Partikel relevant.

 „Ein Partikel mit 5 Mikrometer Durchmesser wiegt gleich viel wie 1 Million mit 50 Nanometer – diese haben aber die tausendfache Oberfläche - und nur diese ist gesundheitlich relevant“, verdeutlicht der Umweltmediziner Dr. Heinz Fuchsig.

Welche Feinstaubpartikel sind am gesundheitsschädlichsten?

Feinstaub ist für viele Atemwegs- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich und ist auch krebserregend. Die ultrafeinen Dieselruß-Partikel haben einen Durchmesser von 0,1 Mikrometer und können vom menschlichen Körper nicht gefiltert werden. Daher können diese bis in die Lungenbläschen und das Blut eindringen und dort gravierende gesundheitliche Schäden anrichten, warnen Ärztinnen und Ärzte. 

Dazu erläutert Univ.-Prof. Dr. Manfred Neuberger vom Institut für Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien: „Innen wird die gefährlichste Feinstaubbelastung durch Raucherinnen und Raucher verursacht, außen durch filterlose Dieselmotoren und feste Brennstoffe. Diese Aussage gründet sich auf unsere Studien zu Ultrafeinstäuben, die auf Grund ihrer geringen Partikelgröße und großen aktiven Oberfläche im Körper die meisten Schäden verursachen.

Sie dringen bis tief in die Lunge vor, verweilen dort viel länger als Grobstäube und unterhalten chronische Entzündungsprozesse. Zum Teil dringen sie über die Lunge bis in die Blutgefäße vor, fördern die Gefäßverkalkung und die Bildung von Blutgerinseln, die einen Herzinfarkt oder Schlaganfall auslösen können.“

Die schlechte Luftqualität ist eine Gefährdung für die Gesundheit aller, besonders von Kindern. Diese Gefahr wird häufig unterschätzt.

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) führt die Schadstoffbelastung durch den Kfz-Verkehr in Österreich pro Jahr zu 21.000 zusätzlichen Fällen von Bronchitis und 15.000 zusätzlichen Asthma-Anfällen bei Kindern und die Verkehrsabgase  kosten mehr als 2.000 Menschen pro Jahr ihr Leben.

Ein neueres Problem sind Benzin-Pkw mit Direkteinspritzung. Zwar wird durch diese Technologie der Treibstoffverbrauch vermindert, doch die Emission von gesundheitsschädlichen Ultrafeinstäuben ist bei diesen Fahrzeugen sehr hoch.

Was sind die Hauptquellen von Feinstaub?

In Österreich gibt es drei Hauptverursacher von Feinstaub – den Hausbrand (Erzeugung von Raumwärme), die Industrie und den Verkehr.

Der Straßenverkehr trägt in mehrfacher Hinsicht zur Feinstaubbelastung bei. Bei den Emissionen des Straßenverkehrs sind die Abgas-Emissionen (zu denen überwiegend Dieselfahrzeuge beitragen), Abrieb-Emissionen (Reifen und Fahrbahn) sowie die Wiederaufwirbelung zu nennen.

Die bodennahen Emissionen aus dem Straßenverkehr gelangen verstärkt in unsere Atemluft und gefährden unsere Gesundheit. Gerade die fast ausschließlich vom Verkehr verursachten ultrafeinen Dieselruß-Partikel sind extrem gesundheitsschädlich.

Ist auch das Wetter schuld an zu hohen Feinstaubbelastungen?

Univ-Doz. Dr. Kurt Stoschitzky von der Universitäts-Klinik für Innere Medizin in Graz meint:

„Die Schuld für massiv erhöhte Feinstaubbelastung wird ja gerne der Inversionswetterlage gegeben, dabei sollten wir jedoch nicht übersehen:

1.) Es ist schon seit vielen Jahren bekannt, dass im November/Dezember vor allem in den Beckenlagen oft Inversionswetter herrscht.

2.) Mit dieser Inversionswetterlage müssen wir uns abfinden, denn wir können sie nicht ändern.

3.) Dieses Wetter ist jedoch nicht daran schuld, dass bei uns so viel Feinstaub produziert wird, sondern nur dafür, dass er nicht sofort wo anders hin abtransportiert wird.

4.) Die logische Konsequenz daraus ist: Für die Produktion von viel zu viel Feinstaub – und damit auch für die daraus entstehenden Konsequenzen! – sind und bleiben wir selbst verantwortlich, und es hängt daher einzig und allein von uns ab, wie es mit dieser Gefahr für uns weitergeht!“

Sind die Feinstaubpartikel von alten Dieselfahrzeugen weniger schädlich als die neuen?

Nein, ältere Dieselfahrzeuge produzieren nicht weniger, sondern mehr gesundheitsschädliche Rußpartikel, da für neue Diesel-Pkw seit dem Jahr 2009 serienmäßig eingebaute Partikelfilter vorgeschrieben sind. Dadurch haben sich die Feinstaubemissionen dieser Fahrzeuge verringert. In Österreich fehlt aber bei 72 Prozent der Diesel-Pkw (Stand Jahr 2011) ein serienmäßig eingebauter Partikelfilter.

Partikel-Filter verringern zwar die Feinstaub-Emissionen, helfen jedoch nicht gegen Stickoxid-Emissionen. Stickoxide gehören zu den besonders gesundheitsschädlichen Schadstoffen. Sie können zu Atemwegserkrankungen, Herzrhythmusstörungen, Allergien, Bronchitis und verminderter Lungenfunktion führen. Der Verkehr verursacht 60 Prozent aller Stickoxid-Emissionen in Österreich. Durch den höheren Stickoxid-Ausstoß sind auch neue Diesel-Pkw problematisch.

Welche Maßnahmen kann die Politik im Verkehrsbereich umsetzen?

Im Straßenverkehr können schon relativ einfache, effiziente und kostensparende Maßnahmen umgesetzt werden, durch die rasche Verbesserungen erzielt werden können.

Gerade in Ballungsräumen, wo die Feinstaubbelastung am höchsten ist, stellen der Öffentliche Verkehr, das Radfahren und Gehen schon jetzt saubere Alternativen zum Auto dar.

Als politische Steuerungsinstrumente in Städten eignen sich die Einführung von Umweltzonen (Fahrzeuge, die besonders viele Schadstoffe verursachen, dürfen in Umweltzonen nicht einfahren), City-Maut (Gebühren für die Nutzung innerstädtischer Straßen mit dem Ziel der Verkehrsberuhigung und Verbesserung der Luftqualität), eine effiziente Parkraumbewirtschaftung (gestaffelte Parkgebühren, die mit der Nähe zum Stadtzentrum steigen; damit wird ein Anreiz gesetzt, schon am Stadtrand auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen) und niedrigere Tempolimits.

Ebenso ist es Aufgabe der Politik eine Grundversorgung an öffentlichen Verkehrsverbindungen zur Verfügung zu stellen und Bus- und Bahnverbindungen auszubauen.

Neben der Verbesserung des Öffentlichen Verkehrs für Pendelnde, ist eine Reform der Pendelpauschale notwendig, da diese zur Zeit den Pkw-Verkehr subventioniert. Ökologisch problematisches Verhalten wird dadurch gefördert. Im Gegensatz dazu sind so genannte Jobtickets für Beschäftigte zur Nutzung des Öffentlichen Verkehrs ein Beitrag zu nachhaltiger Mobilität. Deshalb ist es wichtig, Jobtickets für alle Beschäftigten zu ermöglichen, unabhängig davon wie viele Kilometer der Arbeitsweg ausmacht.

Weiters soll es eine verpflichtende Nachrüstung für alte Lkw und Baumaschinen mit Partikelfilter geben.

Eine kontraproduktive steuerliche Begünstigung von Diesel seit dem Jahr 1992 hat in Österreich dazu geführt, dass sich der Anteil von Dieselfahrzeugen in den vergangenen 20 Jahren versechsfacht hat. Mit 55 Prozent ist der Anteil der Diesel-Pkw in Österreich doppelt so hoch wie in Deutschland. Das ist problematisch, weil Dieselabgase mehr gesundheitsschädliche Schadstoffe wie Stickoxide und Feinstaub beinhalten. Der VCÖ setzt sich dafür ein, dass die steuerliche Begünstigung auf Diesel aufgehoben und die Mineralölsteuer von Diesel schrittweise auf das Niveau von Benzin angehoben wird.

Ich möchte, dass sich die Luftqualität verbessert. Was kann ich tun?

Wenn Sie Pkw-Fahrten vermeiden und möglichst viele Strecken mit dem Fahrrad, öffentlichen Verkehrsmittel oder zu Fuß zurücklegen, leisten Sie einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität.

Sie können sich vor jeder Fahrt, die Sie aus Gewohnheit mit dem Pkw zurücklegen, überlegen, ob es eine Alternative für die Fahrt mit dem Auto gibt.

Kontaktieren Sie die in Ihrer Gemeinde für Umweltschutz oder Gesundheit zuständigen Personen und fordern Sie Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität in Ihrer Wohnumgebung, beispielsweise durch die Einführung einer Umweltzone oder durch Tempolimits.

Welche Erfahrungen gibt es mit Umweltzonen und City-Mauten?

Umweltzonen gibt es bereits in mehr als 170 Städten Europas, und sie haben dort zur Verbesserung der Luftqualität beigetragen. Es hat sich gezeigt, dass sich durch Umweltzonen vor allem der Anteil des besonders gesundheitsschädlichen Dieselruß vermindert hat.

In Stockholm brachte die Einführung einer City-Maut einen Rückgang der verkehrsbedingten Emissionen von 8 bis 14 Prozent, in Mailand von 16 Prozent.

In Berlin gingen seit der Einführung der Umweltzone die Dieselruß-Emissionen des Kfz-Verkehrs um mehr als die Hälfte zurück. In Österreich wäre aufgrund des hohen Anteils von Dieselfahrzeugen die Wirkung von Umweltzonen noch höher als etwa in Deutschland und Italien.

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