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E-Mobilität - Hype oder Zukunft
E-Mobilität erlebt derzeit einen Hype. Ist die Euphorie begründet? Bei den Emissionen sind zweifellos Fortschritte zu erwarten, letztlich bleibt aber auch ein E-Auto ein Auto – mit vielen bekannten Folgen.
Von Josef Michael Schopf
Noch vor kurzer Zeit wurden die unermüdlichen Vorkämpfer für
Elektro-Mobilität belächelt. Heute gibt die Politik einen „Nationalen
Einführungsplan Elektro-Mobilität“ vor und erwartet bis zum Jahr 2020
einen Bestand von 250.000 E-Pkw in Österreich.
Übersehen wird dabei oft, dass Elektro-Mobilität bereits seit etwa 125
Jahren ein Rückgrat der Mobilität in Form von liniengebundenen
öffentlichen Verkehrsmitteln darstellt, die Speicherprobleme durch
externe Stromzuführung umgehend.
Was kann E-Mobilität (nicht) leisten?
Mit mehr als 100 Kilometern scheint die Reichweite nicht mehr das
Problem zu sein. Werktägliche Distanzen pro Fahrt liegen im Schnitt um
die 15 Kilometer, 80 Prozent der Fahrten betragen maximal 20 Kilometer –
dies kommt der Elektro-Mobilität entgegen. Doch sind offenbar die
maximalen Tagesfahrtweiten, wo etwa 43 Prozent über 100 Kilometer
hinausgehen, kaufentscheidend in Richtung großes, konventionelles
Fahrzeug.
Es ist zu befürchten, dass die E-Mobilität stark als Zweitfahrzeug
eingesetzt wird, damit vermehrt Wege von Fahrrad und Öffentlichem
Verkehr abzieht und damit das System noch stärker vom Auto abhängig
macht.
Zwar wird E-Mobilität als „öko“ eingestuft, die Wirkungsfelder des
Verkehrs auf die Umwelt sind allerdings vielfältig, das
Verbesserungspotenzial gegenüber konventionellen Fahrzeugen ist
begrenzt.
Vor- und Nachteile durch E-Fahrzeuge
Beim Lärm sind bis 40 km/h Vorteile durch den leiseren Antrieb zu
erwarten, darüber dominieren bei Autos jedoch bereits die Rollgeräusche.
Direkte Emissionen vor Ort gibt es keine. Bei den indirekten Emissionen
hängt der Grad der Verbesserung gegenüber der konventionellen Technik
aber von der Energieerzeugung ab. Dasselbe gilt für die CO2-Emissionen.
Liefert ein Mix aus erneuerbaren Quellen die Energie, sinken die
Emissionen drastisch. Beim Feinstaub sind die indirekten
Verbrennungsemissionen von E-Pkw vernachlässigbar, der Anteil durch
Abrieb und Verwirbelung übertrifft aber die klassischen
Auspuffemissionen bei Weitem.
Bei den für die Energiespeicherung nötigen Rohstoffen sind bei derzeit
weltweit 500 Millionen Pkw, die bei einer globalen Motorisierung auf
rund 2,3 Milliarden Pkw im Jahr 2030 steigen können, die Ausbeutung
knapper Güter und die Abhängigkeit von wenigen Lieferländern zu
befürchten.
Der aktuelle Stromverbrauch in Österreich nähme um etwa 14 Prozent zu,
würden die derzeit pro Jahr mit Pkw zurückgelegten Kilometer
ausschließlich mit E-Kleinwagen (durchschnittlicher Energieverbrauch
etwa 16 kWh/100 km) zurückgelegt. Doch warnen Experten vor einem Kollaps
der Stromnetze in Europa bei einem ungebremsten Ausbau regenerativer
Energien wie Windkraft und Photovoltaik, wenn die
Leitungsnetz-Infrastruktur nicht mit ausgebaut wird.
Die Straßenräume werden auch bei E-Fahrzeugen weiterhin durch Fahrzeuge
und deren Infrastruktur, noch verstärkt durch Ladestationen, dominiert.
Bei vermehrter Nutzung von E-Fahrzeugen als Zweitautos steigt der
Flächenverbrauch zusätzlich.
Keine Verbesserungen sind in den Bereichen Verkehrssicherheit,
Trennwirkung und soziale Erosion zu erwarten. Die gewachsenen
Stadtstrukturen werden möglicherweise noch weiter zerstört, da
Strukturen auf der „grünen Wiese“ billig und mit gutem Gewissen per Auto
zu erreichen sind.
Elektro-Fahrzeuge als Massenprodukt?
Insgesamt wird die fernere Zukunft des Autos wohl tatsächlich bei
Elektro-Fahrzeugen liegen. Ein „Allheilmittel“ ist damit nicht gefunden –
auch nicht gegen Staus. Ein Umdenken und Umlenken Richtung Gehen,
Radfahren und Öffentlicher Verkehr wird das E-Auto nicht ersetzen.
Quelle Foto: Schopf









