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Die Autonative
Die gemeinsame Nutzung eines Autos in Form von Carsharing kann Teil eines ökologisch verträglichen -urbanen Mobilitätskonzeptes sein. Bei Car2go, das im Dezember 2011 in Wien startet, ist das nicht der Fall.
Von Verena Ahne
Wo viele Menschen zusammenleben, ist freier Raum kostbar. Umso erstaunlicher, dass wir ihn so großzügig dem Auto überlassen: Im Schnitt 23 Stunden täglich stehen Privat-Pkw ungenutzt auf Flächen herum, denen Bäume geopfert wurden, die Orte zum Gehen, Sitzen, Radfahren, Plaudern oder Spielen sein könnten. Carsharing, die Nutzung eines Autos durch mehrere Personen, leistet einen Beitrag dazu, Menschen diesen Raum zurückzugeben.
Für eine lebenswerte Stadt gilt es, Umweltbedingungen gezielt so zu verändern, dass das Privatauto an Attraktivität verliert. Neben einem gut funktionierenden Öffentlichen Verkehr können das etwa hohe Parkgebühren, eine City-Maut oder weniger Parkplätze sein. In Amsterdam beispielsweise, das wenig öffentlichen Parkraum anbietet, wird Carsharing äußerst rege genutzt. Weltspitze beim Autoteilen ist das Geburtsland des Konzepts, die Schweiz. Mehr als 93.000 Mitglieder teilen sich hier 2.350 Fahrzeuge an 1.200 Standorten. Zurückzuführen ist der Erfolg auf das herausragende Angebot des Öffentlichen Verkehrs mit seinen dichten Taktfahrplänen und verkehrsmittelübergreifenden Tarifsystemen, das ein eigenes Auto überflüssig macht.
Kriterien für gutes Carsharing
Mit Standorten in der Nähe von Haltestellen öffentlicher
Verkehrsmittel ist Carsharing eine gute Ergänzung einer umweltfreundlichen
Mobilität. Die Erfahrungen weltweit zeigen, dass Carsharing-Wagen überlegter
eingesetzt werden als ein eigenes Auto, etwa für größere Distanzen,
Transportfahrten oder Wochenendausflüge, während sonst Fahrrad, öffentliche
Verkehrsmittel oder die eigenen Füße mobil machen. Jeder Carsharing-Pkw ersetzt
rund neun Privatautos.
Ein „geteiltes“ Auto spart Kosten für Anschaffung, Reparaturen, Service, Standplatz oder Versicherung. Finanziell lohnt es sich für all jene, die pro Jahr weniger als 12.000 Kilometer fahren.
Beim derzeit einzigen Anbieter in Österreich – carsharing.at – können an fixen Standorten Wagen reserviert, ohne bürokratische Hürden übernommen und am selben Ort wieder zurückgegeben werden. Verrechnet werden Stunden und gefahrene Kilometer. In Kombination mit Jahres- oder Ermäßigungskarten von ÖBB und Verkehrsbetrieben etwa in Wien, Linz und Graz reduziert sich die Mitgliedsgebühr. In Wien gibt es derzeit 54 Standorte mit 110 Autos für 7.000 Mitglieder, in Gesamtösterreich 250 Fahrzeuge für rund 11.500 Mitglieder.
Befragungen zeigen, dass vor allem eine unkomplizierte Nutzungsmöglichkeit Carsharing attraktiv macht. In Paris sollen ab Dezember 2011 3.000 blaue Elektro-Autos die Stadt und ihre Vororte ökologisch entlasten. An 1.120 Standorten werden durchschnittlich je sechs Ladestationen angeboten. Ähnlich wie beim Wiener City-Bike kann das „autolib“ mit einer Card entlehnt und an jeder freien Station retourniert werden.
Noch simpler ist das Konzept -„Car2go“, das demnächst in Wien startet: An die 500 Pkw können im Stadtgebiet übernommen und im öffentlichen Parkraum abgestellt werden. Angeboten werden zweisitzige Smarts, die für größere Transporte oder Einkäufe ungeeignet sind. Die Betreiber möchten damit vor allem junge Menschen als Autokäuferinnen und Autokäufer der Zukunft gewinnen. Car2go positioniert sich zudem klar als Alternative zum Öffentlichen Verkehr. Einer nachhaltigen Gestaltung des Stadtverkehrs läuft das zuwider. Die Steigerungsform von simpel ist halt manchmal doch: zu simpel.
Quelle Foto: Denzel Mobility









