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VCÖ: Ablenkung und Unachtsamkeit häufigste Unfallursache in Österreich

Factsheet: 2013-15

Ablenkung ist die Ursache für jeden dritten Verkehrsunfall in Österreich. Es passieren neunmal so viele Ablenkungsunfälle wie Alkoholunfälle. Ablenkung wegen Smartphones ist eine zunehmende Unfallgefahr.

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Bereits jeder achte tödliche Verkehrsunfall in Österreich passiert wegen Ablenkung. Ablenkung ist die am stärksten zunehmende Unfallursache. Allein im Vorjahr gab es täglich 36 Verkehrsunfälle mit Verletzten, weil die Person am Lenkrad abgelenkt war. Die Nutzung von Mobiltelefonen hat in den vergangenen Jahren massiv zugenommen. Mit Smartphones wird beim Autolenken nicht nur telefoniert, sondern auch im Internet gesurft. Mit fatalen Folgen. Während des Telefonierens steigt das Unfallrisiko um das Vier- bis Fünffache, beim Schreiben von SMS oder der Eingabe einer Adresse im Navigationsgerät steigt das Unfallrisiko bis auf das 23-fache.

Unterschätzte Unfallgefahren: SMS, Telefonieren und Navigationsgeräte
Telefonieren am Steuer gehört zusammen mit Schnellfahren zu den häufigsten Verkehrsdelikten in Österreich. Fast die Hälfte der Autolenkenden, bei unter 30-Jährigen sogar zwei Drittel, telefonieren laut eigenen Aussagen während des Fahrens. Jeder fünfte Kfz-Lenkende schreibt hinter dem Steuer SMS, jeder dritte liest während des Autofahrens SMS beziehungsweise E-Mail und sogar 54 Prozent programmieren während des Fahrens das Navigationsgerät.tl_files/vcoe/uploads/News/VCOe-Factsheets/2013-15 Aufmerksam lenken statt Leben verschenken/f2.jpg

Das spiegelt sich auch bei der Anzahl der Strafen wider: Im Jahr 2012 zahlten in Österreich 148.594 Kfz-Lenkende eine Strafe wegen Telefonierens am Steuer, das waren fast doppelt so viele wie im Jahr 2006, als rund 81.000 Strafen wegen Telefonierens am Steuer verhängt wurden. Allerdings wird nur ein Bruchteil der begangenen Vergehen geahndet.
Für die Exekutive ist die Überwachung dieses Delikts sehr schwierig, da die Lenkenden de facto in flagranti erwischt werden müssen. Die Exekutive muss den telefonierenden Autolenkenden anhalten. Der VCÖ fordert, dass es der Exekutive erleichtert wird, dieses Delikt zu ahnden. Der „Anhalte-Vorbehalt“ ist aus dem Kraftfahrzeuggesetz zu streichen.

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Ablenkung durch Navigationsgeräte ist zunehmendes Problem
Die zunehmende Digitalisierung wird im Straßenverkehr zu einer ständig wachsenden Gefahr. Seit dem Jahr 2000 hat sich die Zahl der Mobilfunkanschlüsse mehr als verdoppelt. Im Jahr 2012 kamen auf 1.000 Personen 1.612 Mobilfunkanschlüsse.
Im Jahr 2013 besitzen in Österreich fast zwei Drittel ein Smartphone und im Vergleich zum Jahr 2010 hat sich die Nutzung mobiler Services wie Internet, E-Mail, Navigation und Apps unter Smartphone-Nutzenden mehr als verdoppelt.
Stark im Steigen sind zudem Navigationsgeräte. Selbst bei technisch optimierten Sprachsteuerungssystemen besteht erhöhtes Unfallrisiko, die manuelle Eingabe eines Navigationsziels stellt eine gefährliche Ablenkung dar. In Österreich benutzen rund 70 Prozent der Autolenkerinnen und Autolenker ein Navigationsgerät. 

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Ablenkung und Unaufmerksamkeit sind die häufigste Unfallursache
Im Jahr 2012 waren mehr als 13.100 Verkehrsunfälle auf Unachtsamkeit und Ablenkung am Steuer zurückzuführen. Im Ortsgebiet wurden rund 36 Prozent aller Verkehrsunfälle durch Unachtsamkeit ausgelöst, im Freiland rund 32 Prozent der Verkehrsunfälle.
Ablenkung am Steuer tötet. Während im Jahr 2005 rund sieben Prozent der tödlichen Verkehrsunfälle durch Ablenkung verursacht wurden, waren es im Jahr 2012 bereits zwölf Prozent aller tödlichen Verkehrsunfälle. Rund 60 Menschen kamen deshalb im Vorjahr ums Leben. Bei den tödlichen Verkehrsunfällen ist Ablenkung die dritthäufigste Ursache, nach überhöhter Geschwindigkeit und Vorrangverletzung, noch vor Alkohol am Steuer. Dabei ist Telefonieren, SMS-Schreiben und das Bedienen von Navigationsgeräten als Unfallursache stark untererfasst, denn die Polizei ist auf die Aussage des Unfalllenkenden angewiesen und in Kombination mit anderen, leicht nachweisbaren Gründen wie Alkoholkonsum, wird die Bedienung von Mobiltelefonen als Unfallursache vernachlässigt. In den USA wird das Delikt Telefonieren am Steuer besser erfasst. Jeder fünfte tödliche Verkehrsunfall in den USA passiert wegen Telefonierens am Steuer.

Massiv erhöhtes Unfallrisiko
Das Telefonieren mit Freisprecheinrichtung bietet keinen wesentlichen Sicherheitsvorteil. Auch dabei werden Lenkende durch die Konversation mit einer Person, die dem Verkehrsgeschehen nicht folgen kann, abgelenkt. Bei starker Fokussierung auf das Gespräch kann das Telefonieren zum Tunnelblick führen. Im periphären Gesichtsfeld werden während des Telefonats um 13 Prozent weniger Objekte wahrgenommen. Lenkende benötigen trotz Freisprechanlage 20 Prozent länger zum Betätigen der Bremse. Auch nach Beendigung des Telefongespräches bleibt das Unfallrisiko erhöht.

Reaktionsweg verlängert sich gefährlich
Telefonieren am Steuer verlängert die Reaktionszeit durchschnittlich um 0,5 Sekunden, das Schreiben von SMS oder Bedienen von Navigationsgeräten um etwa zwei Sekunden. Was nach wenig klingt, ist im Straßenverkehr viel.
Eine Ablenkung von nur zwei Sekunden führt bei Tempo 50 im Ortsgebiet zu einem um 28 Meter längeren Anhalteweg. Ein aufmerksam gelenktes Auto kommt bei Tempo 50 nach 24 Metern zum Stehen. Bei einer Ablenkung von nur 0,5 Sekunden beim Telefonieren verlängert sich der Anhalteweg auf 32 Meter, nach 24 Metern beträgt die Geschwindigkeit noch 36 km/h. Wird eine Fußgängerin oder Fußgänger mit dieser Geschwindigkeit angefahren, endet das in vier von zehn Fällen tödlich. Bei einer Ablenkung von zwei Sekunden fährt das Auto ungebremst mit 50 km/h gegen das Unfallopfer.
Wer bei 130 km/h telefoniert hat einen um rund 20 Meter längeren Anhalteweg. Beim Schreiben einer SMS oder der Adresseingabe in das Navigationsgerät verlängert sich der Anhalteweg um bis zu 72 Meter. Diese Verzögerung endet bei einer Notbremsung des Vorderwagens höchstwahrscheinlich tödlich.

tl_files/vcoe/uploads/News/VCOe-Factsheets/2013-15 Aufmerksam lenken statt Leben verschenken/g3.jpgSo gefährlich wie 0,8 Promille im Blut
Eine Studie, die das Fahrverhalten bei Telefonieren am Steuer mit alkoholisiert Lenkenden verglichen hat, kam zu einem alarmierenden Ergebnis. Die Reaktion bei telefonierenden Autolenkenden ist ähnlich schlecht wie bei Personen, die mit 0,8 Promille alkoholisiert Auto fahren. Sie halten zudem die Tempolimits oft nicht ein und halten einen zu geringen Abstand zum Vorderwagen.

VCÖ-Initiative: „Aufmerksam lenken!“
Österreichs Vormerksystem trägt wesentlich zur Steigerung der Verkehrssicherheit bei. Derzeit umfasst das Vormerksystem 13 Delikte, wie Alkohol am Steuer oder das falsche Anbringen von Kindersitzen. Die Benützung des Mobiltelefons während des Autolenkens führt zu ähnlich schlechten Reaktionszeiten wie Alkohol am Steuer. Deshalb sollte auch die Benützung des Mobiltelefons beim Lenken eines Kfz in das Vormerksystem aufgenommen werden. Damit wird ein wichtiger Beitrag zur Erhöhung der Verkehrssicherheit in Österreich geleistet.

Fehlertolerantes Verkehrssystem schaffentl_files/vcoe/uploads/News/VCOe-Factsheets/2013-15 Aufmerksam lenken statt Leben verschenken/f4o.jpg
Die Folgen von Ablenkung und Unachtsamkeit nehmen mit dem Tempo zu. Ablenkung und Unachtsamkeit werden immer Bestandteil des Verkehrsalltags sein. Es braucht daher auch Maßnahmen, damit dieses Fehlverhalten zu keinen fatalen Folgen für andere Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer führt. Durch niedrigere Tempolimits, wie Tempo 30 statt 50 im Ortsgebiet und Tempo 80 statt 100 auf Freilandstraßen, wird die Fehlertoleranz erhöht. Die Strecke, die durch Ablenkung im Blindflug zurückgelegt wird, ist kürzer, das Risiko, dass es zu einem Unfall kommt, geringer. Das Ziel, die Zahl der Unfallopfer von Verkehrsunfällen zu verringern, kann erreicht werden, wenn auch die Geschwindigkeit im Straßenverkehr reduziert und die Aufmerksamkeit beim Lenken von Fahrzeugen erhöht wird.

 

VCÖ-Empfehlungen

Aufnahme in das Führerschein-Vormerksystem:
Benützung von Mobiltelefonen am Steuer

• Die Benützung von Mobiltelefonen wird derzeit als „leichte Übertretung“ eingestuft und mit einer Verwaltungsstrafe geahndet. Die Reaktion bei Benützung von Mobiltelefonen während des Lenkens eines Fahrzeugs ist ähnlich schlecht wie bei Personen mit 0,8 Promille Alkohol im Blut und ist eine der Hauptursachen für Unfälle durch Ablenkung. Die Benützung von Mobiltelefonen ist daher wie Alkoholdelikte in das Führerschein-Vormerksystem aufzunehmen.

Fehlertolerantes Verkehrssystem schaffen – StVO überarbeiten

• Es braucht mehr Bewusstseinsbildung und eine dem Gefährdungspotenzial angepasste Verankerung in den Gesetzen. Ablenkung ist in der Straßenverkehrsordnung (StVO) zeitgemäß zu regeln und die StVO ist entsprechend dem Grundsatz von Vision Zero eines fehlertoleranten Verkehrssystems zu adaptieren.

• Vision Zero ist die Grundlage der Verkehrssicherheitsarbeit. Der Grundgedanke ist, dass kleine Fehler und Unaufmerksamkeiten nicht schwere Folgen haben dürfen, das Verkehrssystem ist Schritt für Schritt umzugestalten, um die Fehlertoleranz zu erhöhen.

 

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DIin Bettina Urbanek, MA:

„Ablenkung ist mittlerweile die häufigste Unfallursache in Österreich. Es braucht daher verstärkte Maßnahmen, um die Aufmerksamkeit am Steuer zu erhöhen. Zudem braucht es niedrige Tempolimits, um die Folgen der Ablenkungen zu mindern.“

 

VCÖ-Initiative "Aufmerksam lenken": Death Corporation Episode 1

Alle Video-Clips der Death Corporation in voller Länge

 

Quelle: VCÖ-Hintergrundbericht „Ablenkung im Straßenverkehr durch Nutzung von Mobiltelefon und Navigationsgerät“, Wien 2013

P.b.b. Verkehr aktuell 20/2013, Medieninhaber, Herausgeber und Verleger: VCÖ, 1050 Wien, ZVR-Zahl 674059554. Impressum: VCÖ, Bräuhausgasse 7–9, 1050 Wien, T +43-(0)1-893 26 97, E vcoe@vcoe.at, www.vcoe.at

Layout: A BISS Z PRODUCTIONS, 1090 Wien, Nussdorferstraße 16; Illustrationen: Gal Shkedi/Partizan (S. 1, S. 2, S. 3), Foto: VCÖ (S. 4 u.)

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