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VCÖ: Verkehr in Ballungsräumen besser steuern

Factsheet: 2011-10

Österreichs Ballungsräume haben wegen des starken Kfz-Verkehrs nicht nur Stauprobleme. Auch die Luftqualität wird von den Abgasen verschlechtert. Es braucht Maßnahmen, die den Verkehr besser steuern.

tl_files/vcoe/uploads/News/VCOe-Factsheets/Factsheets/2011-10_Verkehr in Ballungsraeumen steuern.jpgIn Österreichs Ballungsräumen herrscht dicke Luft. Die Feinstaubgrenzwerte wurden in den vergangenen Jahren teilweise exorbitant überschritten. Ein Teil des Feinstaubs, nämlich Dieselruß, ist besonders gesundheitsschädlich. Dieselruß ist krebserregend, löst Atemwegs- und Herzkreislauf-Erkrankungen aus und heizt das Klima an. Der Verkehr ist ein Hauptverursacher der Dieselrußpartikel. In Österreich ist der Anteil der Diesel-Pkw an der Autoflotte besonders hoch. Zudem sind hierzulande viele Lkw unterwegs. Doch ausgerechnet in Österreich wurden bisher wenige Maßnahmen im Verkehrsbereich umgesetzt, um die Feinstaubbelastung zu verringern.

International werden Umweltzonen und City-Mauten immer beliebter
In den Autonationen Deutschland und Italien gibt es insgesamt in bereits mehr als 100 Städten so genannte Umweltzonen. Fahrzeuge, die besonders viele Schadstoffe emittieren, dürfen in die Umweltzonen nicht mehr einfahren. In Berlin gingen seit Einführung der Umweltzone die Dieselruß-Emissionen des Kfz-Verkehrs um die Hälfte zurück.
Auch City-Mauten werden in Europa zunehmend häufiger umgesetzt. Wirkungsvoll sind auch gestaffelte Parkgebühren, die mit der -Nähe zur Innenstadt steigen.

Dieselruß macht krank und heizt das Klima an
Neueste Forschungsergebnisse zeigen, dass Dieselruß nicht nur gesundheitsschädlich ist, sondern auch das Klima anheizt. Durch den Wind gelangen Dieselruß-partikel auch aus Mitteleuropa und damit auch aus Österreich in die Arktis und tragen zur Erwärmung bei. Das Verdunkeln der Schnee- und Eisoberfläche in der Arktis durch den Dieselruß verstärkt die Absorption von Sonnenlicht und beschleunigt damit das Abschmelzen von Eis und Schnee. Die klimaschädliche Wirkung von Ruß zeigt sich im massiven Temperaturanstieg in der Arktis, der fast doppelt so hoch ist wie im globalen Durchschnitt. Laut Studie der Columbia University hat allein Dieselruß in der Arktis einen Temperaturanstieg von 0,5 bis 1,4 Grad Celsius verursacht.

Dieselruß – der krebserregende Teil des Feinstaubs
Dieselruß ist der gefährliche Teil des Feinstaubs, weil er krebserregend ist. Er entsteht durch unvollständige Verbrennung von Diesel. Entscheidend für die Gefährlichkeit von Dieselruß ist nicht das Gewicht, sondern die Anzahl der Teilchen. Der Anteil von Dieselruß an den Feinstaub-Emissionen beträgt in der Nähe von verkehrsreichen Straßen rund 20 Prozent. Für den Gesundheitsschutz ist vor allem die Reduktion des Dieselruß entscheidend. Eine umfangreiche und langjährige Studie in Nordrhein-Westfalen kam zu folgendem Ergebnis: Liegt eine Wohnung weniger als 50 Meter von einer verkehrsreichen Straße mit mehr als 5.000 Fahrzeugen pro Tag entfernt, ist die Zahl der Todesfälle um 38 Prozent höher und die Zahl von Todesfällen infolge von Herz- oder Lungenerkrankungen ist sogar um 77 Prozent höher.

Österreich – Land der Lkw und Diesel-Pkw
55 Prozent von Österreichs Pkw-Flotte haben einen Dieselmotor, in Deutschland sind es nur rund 26 Prozent. Zudem hat Österreich als Transitland viel Lkw-Verkehr. Die Dieselruß-Emissionen können durch Partikelfilter deutlich verringert werden. Bei Lkw ist eine Nachrüstung mit Partikelfilter besonders wirksam. Seit dem Jahr 2011 ist für neue Diesel-Pkw die Euro 5 Norm verpflichtend und damit ist de facto ein Partikelfilter vorgeschrieben. Zum Jahres-an-fang 2011 waren in Österreich nur 28 Prozent der -Diesel-Pkw serienmäßig mit einem Partikelfilter ausgerüstet. Bei mehr als 1,7 Millionen Diesel-Pkw fehlt derzeit ein serienmäßig eingebauter Partikel-filter.
Zudem gibt es im Autosektor ein neues Feinstaubproblem: Benzin-Pkw mit Direkteinspritzung verursachen ähnlich wie Dieselmotoren große Mengen an Feinstaubpartikel, wie Messungen des Adac in Deutschland ergeben haben.

tl_files/vcoe/uploads/Grafiken/VCOe-Grafik Hoher Anteil Diesel-Pkw_web.jpg

Städte und Ballungsräume wachsen
Österreichs Ballungsräume werden in den kommenden Jahren wachsen. So werden in Wien laut Bevölkerungsprognose im Jahr 2030 rund 1,9 Millionen Menschen leben, um 200.000 mehr als heute. Auch das Umland wird wachsen. Schon heute überquert mehr als eine halbe Million Menschen pro Tag die Wiener Stadtgrenze, davon 79 Prozent mit dem Pkw. Auch für die Ballungsräume Graz, Innsbruck, Linz und St. Pölten wird eine deutliche Zunahme der Bevölkerung prognostiziert.

Umweltzonen sind eine wirksame Maßnahme
In den vergangenen Jahren wurden in Europa in vielen Städten so genannte Umweltzonen eingeführt. In Umweltzonen dürfen Fahrzeuge mit besonders hohem Schadstoffausstoß nicht einfahren. Allein in Deutschland und in Italien gibt es insgesamt in mehr als 100 Städten eine Umweltzone.
Umweltzonen verbessern die Luftqualität in Städten, vorausgesetzt sie sind groß genug und nicht durch zahlreiche Ausnahmen verwässert. So ging in Berlin nach Einführung der 88 Quadratkilometer großen Umweltzone die verkehrsbedingte Dieselrußbelastung in der Umweltzone um die Hälfte gegenüber dem Jahr 2007 zurück. Die Einführung der Umweltzone hat auch zu einer rascheren Erneuerung der Fahrzeugflotte geführt. Da in Österreich der Anteil von Diesel-Fahrzeugen deutlich höher ist als in Deutschland, kann in Österreich mit Umweltzonen auch eine größere Wirkung erreicht werden.

City-Maut verbessert die Luftqualität
City-Mauten tragen dazu bei, dass der Kfz-Verkehr verringert wird. In Stockholm kam es nach Einführung der City-Maut zu einem Rückgang des Autoverkehrs um 22 Prozent, in London um 15 Prozent. Je nach Anteil der Diesel-Fahrzeuge war die Verringerung von Feinstaub verschieden. In der Innenstadt von Stockholm gingen die Dieselruß-Emissionen des Straßenverkehrs im ersten Jahr nach Einführung der City-Maut um 13 Prozent zurück, in Mailand um 16 Prozent. Wird bei der Höhe der City-Maut die Schadstoffklasse der Fahrzeuge berücksichtigt, wird ein starker Anreiz zur schnelleren Erneuerung der Fahrzeugflotte gesetzt. Um die Wirkung der City-Maut zu erhöhen, ist ein relevanter Teil der Einnahmen in die Verbesserung des Öffentlichen Nahverkehrs zu investieren.

tl_files/vcoe/uploads/Grafiken/VCOe-Grafik Umweltzonen City-Maut_web.jpg

Immer mehr Städte setzen auf gestaffelte Parkgebühren
Ein wichtiges Steuerungsinstrument für den Verkehr in Städten ist auch die Parkraumbewirtschaftung. International geht der Trend zu gestaffelten Parkgebühren. Die Parkgebühren steigen mit der Nähe zum Stadtzentrum. Die höheren Tarife sind nicht nur aufgrund der höheren Immobilienpreise in Zentrumsnähe gerechtfertigt. Je weiter Fahrzeuge Richtung Zentrum fahren, umso mehr Schadstoffe gelangen in die Luft und umso mehr trägt das Fahrzeug zu Staus bei.

VCÖ: Saubere Luft für Österreichs Städte
Im Jahr 2010 wurde in Österreich an 74 Messstellen der erlaubte Feinstaub-Jahresgrenzwert überschritten. Alle Bundesländer waren betroffen. Der Dieselruß im Feinstaub ist sehr gesundheitsschädlich. Dieser ist krebserregend, verursacht Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Besonders schädlich ist Dieselruß für Kleinkinder. Rußpartikel entstehen bei unvollständiger Verbrennung, vor allem bei Dieselfahrzeugen, aber auch bei Benzin-Pkw mit Direkteinspritzung.
Neben massiven Gesundheitsschäden drohen -Österreichs Städten mit hoher Feinstaubbelastung auch Strafzahlungen durch die EU, weil die Grenzwerte überschritten werden.

Weniger giftiger Feinstaub ist möglich
Die Verringerung der Dieselruß-Emissionen ist möglich. Zum einen bringt die Nachrüstung von älteren Diesel-Fahrzeugen mit Rußpartikelfiltern sehr viel. Zudem zeigen die Erfahrungen in zahlreichen Städten Europas, dass die Einführung von Umweltzonen oder einer City-Maut die Luftqualität in den Städten verbessert. Auch gestaffelte Parkgebühren tragen dazu bei, dass die Schadstoffe des Verkehrs verringert werden.
Umweltzonen gibt es bereits in mehreren hundert Städten Europas, und sie haben dort zur Verbesserung der Luftqualität beigetragen. In Österreich wäre aufgrund des hohen Anteils von Dieselfahrzeugen die Wirkung von Umweltzonen noch höher als etwa in Deutschland und Italien.

Quelle: VCÖ-Hintergrundbericht „Dieselruß und seine Gesundheits- und Klimaauswirkungen“, Wien 2011

vcö-empfehlungen

  • Mehr Messstellen für Dieselruß
    Dieselrußpartikel sind kleiner als der grobkörnige Feinstaub. Sie sind krebserregend und können in den Blutkreislauf gelangen. Die Zahl der Messstellen ist in Österreich deutlich zu erhöhen.
  • Umweltzonen auch in Österreich einführen
    Fahrzeuge, die besonders viele Schadstoffe verursachen, dürfen in Umweltzonen nicht einfahren. Die Luftqualität verbessert sich dadurch.
  • City-Maut auch für Städte in Österreich geeignet
    Mit einer City-Maut werden Verkehrs- und Luftqualitätsprobleme spürbar -verringert.
  • Gestaffelte Parkgebühren einführen
    Die Parkgebühren steigen mit der Nähe zum Stadtzentrum. Damit wird ein Anreiz gesetzt, schon am Stadtrand auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen.
  • Rußpartikelfilter für Baumaschinen und ältere Dieselfahrzeuge
    Partikelfilter verringern die Dieselruß-Emissionen deutlich.
  • Steuerprivileg auf Diesel abschaffen
    Dieselabgase verursachen mehr Schadstoffe und mehr klimaschädliches CO2 als Benzinabgase. Die niedrigere Besteuerung von Diesel ist abzuschaffen.


tl_files/vcoe/uploads/Bildergalerien/Testgalerie/VCOe Ulla Rasmussen 434.jpgMSc. Ulla Rasmussen, VCÖ-Verkehrspolitik:
„Dieselruß macht krank und heizt das Klima an.
In Österreichs Städten ist die Belastung durch
Dieselrußpartikel besonders hoch.
Die gute Nachricht: Das Problem ist lösbar
und zwar mit Maßnahmen,
die es in vielen anderen Städten Europas bereits gibt.“

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