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VCÖ-Studie: Carsharing verringert Verkehrsprobleme
Factsheet: 2011-006
Pkw stehen im Schnitt 23 Stunden pro Tag und verstellen Platz. Carsharing ist die gemeinsame Nutzung von Autos und hilft Platz zu gewinnen. Wer Carsharing nutzt, ändert außerdem das Verkehrsverhalten zugunsten von Gehen, Radfahren und Öffentlichem Verkehr.

In Städten ist der Platz knapp geworden. Pkw tragen maßgeblich dazu bei. Die in Wien gemeldeten Pkw verstellen eine Fläche, die größer ist als die gesamte gemeinsame Fläche der Wiener Gemeindebezirke 6, 7, 8 und 9. Ein Carsharing-Auto ersetzt bis zu acht Pkw. Carsharing hilft Platz zu schaffen, etwa für Kinder zum Spielen oder für Grünraum. Personen, die vom eigenen Auto auf Carsharing umgestiegen sind, sind auch häufiger zu Fuß, mit dem Fahrrad oder im Öffentlichen Verkehr unterwegs und leisten einen Beitrag für bessere Luftqualität, Klimaschutz und weniger Lärm.
Großes Potenzial für Carsharing in Österreich
Wien verfügt über 49 Carsharing-Standorte, Graz über acht und Linz über
zwei. In Zürich, wo 400.000 Menschen leben, gibt es 181 und in Amsterdam
mit 800.000 Menschen über 300 Carsharing-Standorte. Die Anzahl der
Standorte ist entscheidend für die Attraktivität von Carsharing. Städte
wie Wien, Graz und Salzburg wollen den Pkw-Verkehr eindämmen. Ein Ausbau
des Carsharing-Systems ist dafür nötig. Der VCÖ empfiehlt, bestehende
Parkplätze teilweise für Carsharing zu reservieren, Kurzparkzonen
auszuweiten und das Netz von Standorten zu verdichten.
Carsharing kann in Österreich stark erweitert werden
Nur eine Stunde pro Tag ist im Schnitt ein Auto in Betrieb. 23
Stunden lang steht das -Auto, meist im öffentlichen Straßenraum. Es
liegt daher nahe, ein Auto zu teilen und so die Fixkosten wie
Versicherung und Reparaturkosten zu verringern. Carsharing ist die
organisierte gemeinschaftliche Nutzung von einem oder mehreren Autos und
bedeutet, ein Auto zu nutzen statt es zu besitzen.
Städte leiden unter Verkehrsproblemen
Der Verkehr ist das größte Umweltproblem von Österreichs Städten. Das
Verkehrsaufkommen ist häufig höher als die Straßen fassen können. Staus,
zu viel Feinstaub und Lärmbelastung sind die negativen Folgen. Der
Platz in den Städten ist begrenzt. Die Anzahl der Autos in der Stadt ist
damit ein sehr großes Problem.
In Österreichs Landeshauptstädten gab es im Jahr 2010 1,08 Millionen Pkw, um rund 35.000 mehr als im Jahr 2005. Einen sinkenden Motorisierungsgrad weisen lediglich Wien und Graz auf. In allen anderen Landeshauptstädten wächst die Zahl der Autos stärker als die Bevölkerung. Jedes zusätzliche Auto erhöht die Platz- und Stauprobleme. Alle bekannten Studien zeigen, dass Carsharing zur Reduzierung des Pkw-Bestands beiträgt. Bis zu acht private Pkw werden durch ein Carsharing-Auto ersetzt.
Ambitionierte Verkehrsziele in den Städten
Die Stadt Wien hat sich zum Ziel gesetzt, dass 75 Prozent der
Alltagswege klimafreundlich zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit
öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden sollen. Der Anteil des
Pkw soll um ein Drittel verringert werden. Neben der Förderung von Gehen
und Radfahren und der weiteren Verbesserung des Öffentlichen Verkehrs
sind zur Zielerreichung auch Maßnahmen beim Autoverkehr nötig.
Carsharing kommt dabei eine zentrale Rolle zu. Die Erfahrungen in der
Schweiz belegen das. Nach dem Umstieg auf Carsharing fuhren die
Haushalte um 21 Prozent weniger Kilometer mit dem Auto und um 12,6
Prozent mehr Kilometer mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Carsharing fördert vernünftige Auto-Nutzung
Als Daumenregel gilt, dass Personen, die weniger als 12.000 Kilometer
pro Jahr mit dem Auto fahren, mit Carsharing günstiger aussteigen als
mit einem eigenen Auto. Hinzu kommt, dass durch den Umstieg auf
Carsharing unüberlegte Autofahrten wegfallen. 43 Prozent der Personen,
die in Österreich auf Carsharing umgestiegen sind, fahren jetzt häufiger
mit öffentlichen Verkehrsmitteln und mit dem Fahrrad. Das Auto wird
nach dem Umstieg um die Hälfte weniger genutzt.
Car2go und DriveNow sind nicht Carsharing
In Deutschland wird in Ulm und in Hamburg so genanntes „Car2go“
angeboten. Bei „Car2go“ stehen Kleinstwagen zur spontanen Nutzung im
Stadtgebiet zur Verfügung. Im Gegensatz zu Carsharing können die Autos
nicht langfristig im Voraus reserviert werden, nur eine spontane Nutzung
ist möglich. „-Car2go“ ersetzt damit nicht den privaten Autobesitz. De
facto werden durch „Car2go“ Strecken, die sonst mit öffentlichen
Verkehrsmitteln, per Fahrrad oder mit dem Taxi zurückgelegt werden, mit
dem Auto gefahren. Gleiches gilt für das für München und Berlin
angekündigte System „DriveNow“.
Wodurch sich Carsharing auszeichnet
Carsharing ist eine Ergänzung zum Öffentlichen Verkehr, Radfahren und
Gehen. Es kann auf ein Auto zurückgegriffen werden, wenn es unbedingt
benötigt wird. Carsharing stärkt den Öffentlichen Verkehr. Der Trend zu
einem vielfältigeren und klima-freundlicheren Mobilitätsverhalten wird
unterstützt.
Mehrfacher Gewinn für die Umwelt
Carsharing trägt mehrfach zur Verringerung der Treibhausgase bei. Zum
einem verursacht allein die Produktion eines Autos etwa so viel CO2 wie
30.000 Kilometer mit dem Auto zu fahren. Durch Carsharing wird der
Pkw-Bestand in der Schweiz um 20.000 Pkw verringert. In Wien können
derzeit durch Carsharing rund 900 Pkw eingespart werden. Das erreichbare
Potenzial in Wien liegt bei 10.000 einzusparenden Pkw. Zudem setzen
Carsharing-Kunden das Auto selektiver ein und sind häufiger mit
öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad unterwegs. Und Carsharing
verbessert die Klimabilanz auch dadurch, dass für die jeweilige Fahrt
das am besten geeignete Auto verwendet wird. Für eine Fahrt zu zweit der
Kleinwagen, für den Ausflug mit der Familie ein größeres Auto.
Potenzial für Carsharing in Österreich groß
Rund 100.000 Schweizerinnen und Schweizer nutzen Carsharing. In
Österreich sind es lediglich rund 12.000, mehr als die Hälfte davon lebt
in Wien. Gerade im städtischen Bereich ist Carsharing eine gute
Alternative zum eigenen Auto.
Rahmenbedingungen für Carsharing
Carsharing kann sich in einer Stadt dann durchsetzen, wenn politische
Begleitmaßnahmen gesetzt werden. So unterstützen Sammelgaragen die
Eta-blierung von Carsharing. Die Idee von Sammel-garagen ist, dass der
Weg für Bewohnerinnen und Bewohner zur nächsten Haltestelle kürzer als
zu ihrem Auto ist. Damit sinkt der Anreiz, das eigene Auto zu nehmen.
Carsharing-Standplätze sollten näher sein als die Garagenplätze für
private Autos. Weiters sind Carsharing-Standplätze auf öffentlichen
Parkplätzen zu errichten und gut sichtbar zu kennzeichnen. Auch ein
einheitliches Online-Portal im Internet zum Carsharing erleichtert die
Nutzung. Ein ausgeweitetes Kurzparkzonen-System begünstigt Carsharing
zusätzlich. Zentral für den Erfolg von Carsharing ist ein dichtes Netz
von Carsharing-Standorten.
Carsharing International
In Amsterdam konnte Carsharing den Parkplatzmangel entschärfen. Der
größte Carsharing-Betreiber hat mehr als 300 Standorte, der Großteil
davon im öffentlichen Straßenraum. In der Schweiz nutzen rund 100.000
Personen das Carsharing-Angebot, allein in Zürich gibt es 181 Standorte –
mehr als in ganz Österreich. Im Freiburger Stadtteil Vauban in
Deutschland hat die Hälfte der Haushalte keinen eigenen Pkw. Für 400
autofreie Haushalte stehen zwölf Carsharing-Autos zur Verfügung. In
Berlin werden öffentliche Parkplätze für Carsharing reserviert.
VCÖ: Carsharing in Österreich ausbauen
Carsharing ermöglicht den raschen Zugriff auf einen Pkw. Wer bei
einem Carsharing-Unternehmen eingeschrieben ist, kann über Internet,
Smartphone oder Telefon ein Auto reservieren. Mit einer Chipkarte kann
das Auto geöffnet und abgesperrt werden. Die Abrechnung erfolgt wie beim
Telefon über eine monatliche Rechnung mit Auflistung der unternommenen
Fahrten.
In Österreich gibt es ein funktionierendes Carsharing-Netz, das noch stark ausgeweitet und verbessert werden kann. Um in Wien so viele Carsharing-Autos wie in Zürich zu haben, müsste die Carsharingflotte von 94 auf 1.979 Autos vergrößert werden. Das ist eine Steigerung um das 21-fache.
Carsharing bringt großen Nutzen
Carsharing kann für Betriebe eine gute Alternative zur Anschaffung eines
Firmenwagens sein. In Bremen in Deutschland konnten durch Carsharing
zwei Drittel der Betriebe auf einen eigenen Firmenwagen verzichten.
Privatpersonen profitieren von einem dichten Netz an
Carsharing-Standorten, weil der Aufwand für Erhaltung und die
Anschaffungskosten für das eigene Auto wegfallen. Vor allem städtische
Haushalte können mit Carsharing die Mobilitätsausgaben verringern. Die
Allgemeinheit profitiert, weil Carsharing-Autos besser genutzt werden
und deshalb weniger Autos den Raum in den Städten beengen. Wer vom
eigenen Auto auf Carsharing umsteigt, nutzt zudem verstärkt das Fahrrad
und den Öffentlichen Verkehr.
VCÖ-Empfehlungen:
- Carsharing in Österreich ausbauen
Ein dichtes Netz an Standorten macht Carsharing attraktiv. Anzahl der Standorte in Österreich auf Schweizer Niveau verzehnfachen.
- Mobilitätskarten einführen
Eine Chipkarte, mit der Bus, Bahn, Leihfahrrad, Carsharing und Parkgebühren in ganz Österreich bezahlt werden können, einführen.
- Carsharing im öffentlichen Raum ermöglichen
Wenn Carsharing-Autos sichtbar sind, nimmt auch deren Akzeptanz und Nutzung zu.
- Parkraumbewirtschaftung ausweiten
Kurzparkzonen in Österreichs Städten ausweiten und Tarife auf das Niveau europäischer Städte anheben.
- Bahnhöfe mit Carsharing ausrüsten
An jedem Bahnhof, in dem auch Schnellzüge halten, sollen auch Carsharing-Autos verfügbar sein.
- Verpflichtung zum Bau von Stellplätzen bei Wohnbauten abschaffen
Wohnen ohne eigenes Auto soll Standard werden und ist zu forcieren. Die geltenden Stellplatzverpflichtungen sind kontraproduktiv.
DI Martin Blum, VCÖ-Verkehrspolitik:
„Carsharing hilft Österreichs Städten ihre Verkehrs- und Platzprobleme
zu verringern. Ein Carsharing-Auto ersetzt bis zu acht private Pkw. Ein
dichtes Carsharing-Netz nach Schweizer Vorbild erhöht die Lebensqualität
in den Städten und verringert die Abgas- und Stauprobleme. Teilen macht
mehr aus einem Auto.“







