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Flugabgabe: Ein Schritt zu mehr Kostengerechtigkeit
Factsheet: 2010-12
Flugverkehr ist derzeit weitgehend steuerbefreit. Auch deshalb hat sich der Flugverkehr in Österreich seit dem Jahr 1990 mehr als -verdoppelt. Der Ausstoß klimaerwärmender Treibhausgase und der Fluglärm sind stark gestiegen.

Die Flugabgabe ist ein wichtiger Schritt zu mehr Kostengerechtigkeit. Die Steuerbefreiung von Kerosin geht auf das Chicagoer Abkommen aus dem Jahr 1944 zurück. Es war die Absicht, das junge Verkehrsmittel Flugzeug zu fördern, damit sich dieses am Markt behaupten kann. Das ist erfolgreich gelungen. Das Flugzeug erlebte einen regelrechten Steigflug und ist heute der Verkehrsträger, der am meisten wächst. Die Steuerbefreiung hat wesentlich zum Zuwachs des Flugverkehrs beigetragen. Billigfluglinien können deshalb Flugreisen fast zum Nulltarif anbieten. Zum Schaden der Umwelt und zum Leidwesen der Bevölkerung in der Nähe der Flughäfen.
Steuerbefreiungen ausgerechnet für klimaschädlichstes Verkehrsmittel
Auf der Strecke von Wien nach München verursacht eine Person, die im
Flugzeug reist, durchschnittlich 146 Kilogramm CO2, eine Person mit dem
Pkw 64 Kilogramm und mit der Bahn rund sechs Kilogramm CO2. Doch
steuerlich begünstigt ist ausgerechnet das klimaschädlichste der drei
Verkehrsmittel. Flugkraftstoffe sind von der Mineralölsteuer befreit und
für Flugtickets ist keine Mehrwertsteuer zu zahlen. Eine Flugabgabe ist
daher ein wichtiger erster Schritt zu mehr Kostengerechtigkeit.
Flugverkehr genießt große Steuerprivilegien
Der Flugverkehr nimmt rasant zu. Der Personenverkehr in der Luft hat sich in Österreich zwischen den Jahren 1990 und 2009 mehr als verdreifacht. Im Jahr 1990 gab es sieben Millio-nen Fluggäste an Österreichs Flughäfen, im Jahr 2009 waren es bereits 22,5 Millionen.
Flugverkehr ist Schlusslicht bei der Ökobilanz
Die negative Klimawirkung des Flugverkehrs ist um das 2,7-fache höher
als am Boden, weil die CO2-Emissionen in empfindlichen Schichten der
höheren Atmosphäre erfolgen. Wird diese zusätzliche Klima-wirkung
berücksichtigt, verursacht ein Flugzeug pro Personenkilometer bei einem
Kurzstreckenflug durchschnittlich 365 Gramm CO2 und bei einem
Langstreckenflug 291 Gramm. Beim Pkw fallen pro Personenkilometer
durchschnittlich 160 Gramm CO2 an, bei der Bahn sind es rund 16 Gramm.
Das Flugzeug ist damit pro Kilometer rund 20-mal klimaschädlicher als
die Bahn und doppelt so klimaschädlich wie das Auto.
Bahn als Alternative zu Kurzstreckenflügen
Im Vergleich von Flugzeug und Bahn ist die Zeitersparnis bei
Inlandstrecken kaum gegeben. Die Gesamtreisezeit ist bei der Bahn nur
etwas länger als mit dem Flugzeug. Gleichzeitig ergibt sich ein beim
Flugzeug deutlich höherer CO2-Ausstoß. Die Einsparpotenziale sind sehr
groß. Gerade bei Kurzstrecken stößt das Flugzeug nochmals mehr
Schadstoffe aus als im Vergleich zu einem Langstreckenflug.
Fluglärm ist ein größer werdendes Problem
Gesundheit und Lebensqualität entlang der Flugschneisen bei Flughäfen
werden durch Fluglärm massiv beeinträchtigt. Häufig leiden Betroffene
unter Schlafstörungen sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In den
vergangenen Jahren haben insbesondere Billigfluglinien dazu beigetragen,
dass der Flugverkehr und mit ihm die Lärmbelastung gestiegen sind.
Zwischen den Jahren 2003 und 2007 hat in Österreich die Lärmstörung
durch Flugzeuge um ein Viertel zugenommen. Jede 15. Person fühlt sich im
Wohnumfeld von Fluglärm beeinträchtigt.
Emissionshandel ist unzureichend
Der Luftverkehr wird ab dem Jahr 2012 in den Emissionshandel einbezogen.
Der Emissionshandel ist aber zahnlos, da zunächst 85 Prozent der
Zertifikate gratis zugeteilt werden. Auch die festgelegte
Emissionsobergrenze für den gesamten Flugverkehr liegt nur minimal unter
dem bisherigen CO2-Ausstoß. Damit der Emissionshandel im Flugverkehr
ein wirksames Instrument zur Verringerung der Emissionen wird, sind
starke Verbesserungen nötig.
Null Prozent Mehrwertsteuer auf Flugtickets ist Wettbewerbsverzerrung
Für Bahntickets muss von den Fahrgästen Mehrwertsteuer bezahlt werden.
Auch im Endpreis für Benzin und Diesel sind 20 Prozent Mehrwertsteuer
enthalten. Einzig Flugtickets sind von der Mehrwertsteuer befreit. Das
ist eine ungerechtfertigte Bevorzugung von Flugreisen. Der Wettbewerb
der Verkehrsmittel wird so zugunsten des umweltschädlicheren Flugzeugs
verzerrt. Die fehlenden Einnahmen des Flugverkehrs werden derzeit durch
Einsparungen oder höhere Steuern in anderen Bereichen kompensiert.
Kerosin ist von Mineralölsteuer befreit
Während für Benzin, Diesel oder Heizöl Mineralölsteuer zu bezahlen ist,
sind die Flugkraftstoffe davon befreit. Im Jahr 2009 wurden in
Österreich 802 Millionen Liter Flugtreibstoff getankt. Der Verzicht auf
eine Kerosinsteuer in Höhe der Mineralölsteuer auf Heizöl bedeutet einen
Einnahmenausfall von 79 Millionen Euro pro Jahr. Eine Kerosinsteuer in
der Höhe der Mineralölsteuer auf Diesel würde 355 Millionen Euro an
Einnahmen bringen. Bei einem Flug von Wien nach Brüssel würde die
Kerosinsteuer fünf bis 20 Euro pro Flugticket ausmachen.
Flugabgabe in Österreich ist erster Baustein zu mehr Kostengerechtigkeit
In Österreich soll ab 1. April 2011 die Flugabgabe auf alle Flüge, die
von Flughäfen in Österreich starten, eingehoben werden. Die Flugabgabe
ist für Hinflüge zu bezahlen. Transitreisen mit einem Anschluss
innerhalb von 24 Stunden sind von der Flugabgabe ausgenommen. Die
Einnahmen aus der Flugabgabe sollen 90 Millionen Euro pro Jahr betragen
und sind ein erster Schritt in Richtung mehr Kostengerechtigkeit.
Flugticketabgabe in Deutschland und anderen Ländern
Deutschland führt Anfang des Jahres 2011 eine Luftverkehrssteuer für
alle Flüge von Flughäfen in Deutschland ein. Die Luftverkehrssteuer
beträgt für Kurzstrecken 8 Euro, für Mittelstrecken 25 Euro und für
Langstrecken 45 Euro. In den Niederlanden wurde eine Flugticketabgabe im
Juli 2008 eingeführt und im Juni 2009 wieder abgeschafft. Für
Flugverkehrsunternehmen dient die Abgabe in den Niederlanden als
Beispiel, das zu Passagierrückgängen geführt hätte. Die Effekte in den
Niederlanden waren aber vor allem auf die Weltwirtschaftskrise, die in
dieser Zeit den Höhepunkt erreichte, zurückzuführen. Die
Flugverkehrsabgaben in Frankreich unterscheiden zwischen Economy- und
Business-Klasse. In Frankreich wurde sie im Jahr 2005 eingeführt und
beträgt zwischen einem Euro und 40 Euro. In Großbritannien wurde die
Abgabe im Jahr 2007 eingeführt und beträgt zwischen 12 und 196 Euro.
Flugabgabe ist ein wichtiger erster Schritt
Auf Ebene der Europäischen Union werden in den nächsten Jahren
Richtlinien für die Besteuerung von Energie und für Umsatzsteuer
überarbeitet. Im Rahmen dieser Richtlinien ist es wichtig, dass auch der
Flugverkehr mit einbezogen wird. Die Initiativen einzelner Staaten wie
Österreich, Deutschland, Großbritannien und Frankreich zu Flugabgaben
können ein wichtiger Motor für eine europaweit einheitliche Lösung bei
der Mehrwertsteuer auf Flugtickets und bei der Energiebesteuerung von
Kerosin sein. Emissionshandel, Kerosinbesteuerung und Mehrwertsteuer auf
Flugtickets sind einander ergänzende Instrumente der
Flugverkehrsbesteuerung mit dem Ziel von mehr Kostengerechtigkeit.
Abgaben auf Flugverkehr sind sozial gerecht
Je höher das Einkommen, desto mehr wird geflogen. Wird die gesamte
Weltbevölkerung betrachtet, so ist festzustellen, dass nicht einmal zehn
Prozent davon schon einmal geflogen sind. Selbst im drittreichsten
Staat Europas, der Schweiz, sind 16 Prozent der Bevölkerung noch nie
geflogen. Flugticketabgaben machen nur einen sehr kleinen Teil des
Ticketpreises aus und werden vor allem von den Besserverdienenden
bezahlt. In Österreich sind zudem ein Viertel der Flugreisen
Geschäftsreisen.
Wichtig ist, dass das Flugzeug dort sinnvoll zum Einsatz kommt, wo es
keine adäquate Alternative gibt, etwa bei Überseeflügen.
Flugticketabgaben sind ein erster Schritt zu mehr Kostengerechtigkeit
und wirken gegen -Billigsttarife auf Kosten der Umwelt.
Quelle: VCÖ-Hintergrundbericht „Flugabgabe in Österreich“, Wien 2010
vcö-empfehlungen
- Flugabgabe als ersten Schritt Richtung Kostenwahrheit umsetzen
- Einhaltung und Kontrolle sind einfach und unbürokratisch.
- Städteverbindundungen mit der Bahn verbessern
- Billigfluglinien haben mitverursacht, dass in den vergangenen Jahren zahlreiche Städteverbindungen mit der Bahn, beispielsweise nach Brüssel, Paris oder Amsterdam, eingestellt wurden.
- Kerosinbesteuerung EU-weit einführen
- Mit Ausnahme von Kerosin wird auf alle fossilen Treibstoffe eine Energiesteuer eingehoben. Es braucht daher eine Kerosin-Besteuerung auf EU-Ebene.
- Mehrwertsteuer auf Flugtickets einheben
- Im Rahmen der Überarbeitung der Umsatzsteuer-Richtlinie ist eine europaweite Mehrwertsteuer für Flugtickets einzuführen.
- Güterverkehr in Flugabgabe einbeziehen
- Der Güterverkehr ist von der Flugabgabe ausgenommen. Künftig ist daher auch der Güterverkehr zu berücksichtigen.
DI Martin Blum, VCÖ-Verkehrspolitik:
„Der Flugverkehr genießt derzeit einige Steuerprivilegien. Die
Flugkraftstoffe wie Kerosin sind von der Mineralölsteuer befreit. Die
Flug-tickets sind von der Mehrwert-steuer befreit. Die Flugabgabe ist
ein richtiger Schritt zu mehr Kosten-gerechtigkeit.“









