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In Österreich steigen immer mehr auf das Fahrrad um

Factsheet: 2010-04

Mehr Radfahren bringt Österreich seinen Klimaschutz-Zielen näher, verringert die Abhängigkeit von Erdöl und erhöht die Lebensqualität in den Städten und Gemeinden.


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Österreich erlebt seit dem Jahr 2005 einen Radfahrboom. 1,9 Milliarden Kilometer wurden im Jahr 2009 im Alltag mit dem Fahrrad gefahren, das sind um rund 600 Millionen Kilometer mehr als im Jahr 2005. Das Fahrrad ist vor allem in der Stadt oft schneller als andere Verkehrsmittel, verhilft zur täglichen Portion Bewegung und spart zusätzlich noch Kosten. Vielen macht Radfahren im Alltag ganz einfach Spaß.
Im Vergleich mit anderen Staaten gibt es in Österreich noch großes Potenzial. In Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden und Dänemark wird deutlich mehr Rad gefahren als in Österreich.

Maßnahmen für mehr Radverkehr nutzen allen
Der Trend zum Radfahren ist ein großer Beitrag zum Klimaschutz und zur Verbesserung der Luftqualität. Doch noch immer ist in Österreich jede zweite Autofahrt kürzer als fünf Kilometer.
Jetzt ist es nötig, vorhandene Hindernisse zu beseitigen, damit mehr Autofahrende auf das Fahrrad umsteigen können. Mehr Platz für das Radfahren in Städten und Gemeinden sowie Radwege entlang von Freilandstraßen sind wichtige Maßnahmen, damit mehr Menschen die vielen Vorteile des Radfahrens nutzen können. Zudem braucht es mehr Abstellmöglichkeiten für Fahrräder.

Radfahren in Österreich hat großes Potenzial
Bregenz ist Österreichs Radfahr-Hauptstadt. Hier werden 19 Prozent der Alltagswege mit dem Fahrrad gefahren. Knapp dahinter liegen Graz und Salzburg mit jeweils 16 Prozent. Der Österreich-Schnitt liegt bei sieben Prozent. In Vorarlberg werden pro Person etwa doppelt so viele Kilometer mit dem Rad gefahren als in den meisten anderen Bundesländern. Diese Unterschiede zeigen, dass eine konsequente Politik für das Radfahren Wirkung zeigt. In Graz und Salzburg wurde früh begonnen, das Radfahren im Alltag zu forcieren, indem Tempo 30-Zonen, Radwege und gute Abstellanlagen errichtet wurden. In den vergangenen Jahren nimmt auch in Wien der Radverkehr deutlich zu. Seit dem Jahr 2005 sind die mit dem Fahrrad zurückgelegten Kilometer um 57 Prozent auf 165 Kilometer pro Kopf gestiegen.

Städte in Europa zeigen, was in Österreich möglich ist
In Deutschland, den Niederlanden und Dänemark liegen jene Städte, in denen weltweit am meisten Rad gefahren wird. In Kopenhagen werden 36 Prozent der Alltagswege mit dem Fahrrad gefahren, in Groningen in den Niederlanden und im deutschen Münster 38 Prozent. In vielen Städten Österreichs ist eine Vervielfachung des Radverkehrs möglich.

Radfahren hält gesund und macht fit
Radfahren ist für Erwachsene und Kinder die ideale Medizin gegen Bewegungsmangel und Übergewicht. Das Risiko von Herzerkrankungen nimmt stark ab. Wer im Alltag Rad fährt, lebt nicht nur körperlich gesünder, sondern fühlt sich auch wohler. Wer regelmäßig mit dem Rad in die Arbeit fährt, kann laut einer dänischen Langzeitstudie mit einer durchschnittlichen Zunahme der Lebenserwartung um zwei Jahre rechnen und ist etwa so fit wie eine fünf bis zehn Jahre jüngere Person.

Radfahren wird in Österreich sicherer
Radfahren ist viel sicherer als es eingeschätzt wird. Radfahren ist sogar deutlich sicherer als Gehen. Pro Milliarde Kilometer verunglücken mehr als doppelt so viele Personen tödlich beim Gehen wie beim Radfahren. Die Statistik zeigt, dass Radfahren in Österreich sicherer wird. Es bestätigt sich der international erforschte Zusammenhang, dass mit steigendem Radverkehr auch die Verkehrssicherheit für Radfahrende zunimmt. Die wirksamste Strategie für mehr Verkehrssicherheit sind Maßnahmen, die das Radfahren fördern.

Mehr Radverkehr braucht mehr Platz
Konflikte, die es zwischen Gehenden, Radfahrenden und dem Kfz-Verkehr gibt, zeigen, dass die Rahmenbedingungen für den zunehmenden Radverkehr noch nicht gut genug sind. Das Fahren am Gehsteig kann beispielsweise minimiert werden, wenn Einbahnen für das Radfahren geöffnet werden.

Rechtliche Rahmenbedingungen verbessern
Viele Regelungen sind noch nicht an hohe Radverkehrsanteile angepasst. Österreichs Straßenverkehrsordnung entstand im Jahr 1960 und ist von der damals beginnenden Massenmotorisierung geprägt. Wenn Radfahren gegen die Einbahn in Tempo 30-Zonen wie in Belgien und Frankreich generell erlaubt wird und nur die Ausnahmen gekennzeichnet werden, wird Radfahren attraktiver, weil die Wege kürzer werden. Auch die generelle Pflicht zur Benützung von Radwegen ist nicht mehr zeitgemäß. Für geübte Radfahrende ist es sicherer und schneller auf einer Fahrbahn mit dem Kfz-Verkehr zu fahren. Eigene Fahrradstraßen sind zu ermöglichen und auch die Verankerung eines Rücksichtnahmegebots aller Verkehrsteilnehmenden fehlt in Österreichs Straßenverkehrsordnung. Durch das Rücksichtnahmegebot würde neben dem Vertrauensgrundsatz die gegenseitige Rücksichtnahme als wichtige Verhaltensregel festgeschrieben. Das ist die Basis für mehr Miteinander statt Gegeneinander im Straßenverkehr.

Radwege entlang von Freilandstraßen errichten
Die hohen Geschwindigkeiten des Kfz-Verkehrs auf Freilandstraßen machen Radfahren dort unattraktiv, obwohl der Weg in den nächsten Ort oft gut mit dem Fahrrad zurückgelegt werden kann. In Vorarlberg werden deshalb die finanziellen Mittel, die der Bund für die hochrangigen Landesstraßen zur Verfügung stellt, so verwendet, dass an allen Landesstraßen, ausgenommen Bergstrecken, durchgehend Radverkehrsanlagen errichtet werden. Die österreichweite Umsetzung dieser Regelung ist wichtig und könnte im nächsten Finanzausgleich verankert werden. Der Beschäftigungseffekt wäre sehr positiv. Der Bau von Radwegen schafft um 56 Prozent mehr Arbeitsplätze als der Bau von Autobahnen.

Kriterien für Abstellanlagen in Bauordnungen
Auf einem Pkw-Stellplatz haben etwa zehn Fahr-räder Platz. Ein Hindernis das Fahrrad zu nehmen, sind fehlende oder schlecht zugängliche Abstell-anlagen. In Oberösterreich ist deshalb genau geregelt, wie viele Fahrradabstellplätze bei neuen Wohnbauten, Geschäften, Arbeitsstätten und Freizeitanlagen zu errichten sind. Sehr wichtig und noch einzigartig in Österreich sind dabei die Vorgaben über die Qualität, beispielsweise Über-dachung und Diebstahlsicherheit.


Kontraproduktive Radhelm-pflicht für Kinder und Erwachsene
Regelmäßig kommt die Forderung nach einer Helm-pflicht für Radfahrende auf. In keinem Land, in dem die Radhelmpflicht eingeführt wurde, konnten positive Effekte nachgewiesen werden. Im Gegenteil: In Australien ist das Unfallrisiko für Radfahrende nach Einführung sogar gestiegen. In Norwegen, Dänemark und den Niederlanden wurden Pläne für eine Radhelmpflicht für Kinder wieder verworfen. Die Helmpflicht hält viele vom Radfahren ab und wirkt damit negativ auf Sicherheit und Gesundheit. Die Helm-pflicht führt auch zu Risikokompensation: Radfahrende sind mit Helm riskanter unterwegs und Studien ergaben, dass sie zusätzlich vom Kfz-Verkehr mit geringerem Abstand überholt werden. Bei Kindern kommt zudem das Problem der Kontrollierbarkeit und der Haftung durch Eltern dazu. Zudem würde eine Radhelmpflicht für die großteils neuen Leihradsysteme das Aus bedeuten.


Radfahrboom in Österreich unterstützen
Jede zweite Autofahrt in Österreich ist kürzer als fünf Kilometer. Viele kurze Autofahrten könnten sehr gut auch mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. Für diese Strecken ist das Fahrrad das ideale Verkehrsmittel. In Städten ist das Fahrrad auf diese Distanzen meist schneller und es verursacht weder Lärm noch Abgase. Radfahren hält zudem fit und gesund.
In vielen Orten werden die Bedingungen für das Radfahren verbessert, etwa indem Radfahrstreifen angelegt werden, Abkürzungen für Radfahrende geöffnet oder Veranstaltungen und Bewusstseinskam-pagnen für das Radfahren durchgeführt werden. In Städten, die schon vor vielen Jahren begonnen haben, das Radfahren zu fördern – wie Bregenz, Graz oder Salzburg –, wird heute viel Rad gefahren.

VCÖ: Radverkehrsanteil rasch verdoppeln
Ziel der Bundesregierung ist es, den Radverkehrsanteil in Österreich zu verdoppeln. Damit das erreicht werden kann, sind bessere rechtliche Rahmenbedingungen, mehr Platz für Radverkehr, mehr Abstellanlagen mit hoher Qualität, geringere Tempolimits innerhalb von Ortsgebieten und Radwege im Freiland nötig. Kampagnen für verstärkte Rücksichtnahme und ein Miteinander statt Gegeneinander verbessern das Verkehrsklima.
Andere Länder zeigen, dass hohe Radverkehrsanteile möglich sind. In Deutschland wird pro Person fast doppelt so viel Rad gefahren wie in Österreich. Innerhalb von Österreich fahren die Vorarlbergerinnen und Vorarlberger mit durchschnittlich rund 500 Kilometer pro Person und Jahr etwa doppelt so viel Rad wie der Österreich-Schnitt.

Quelle: VCÖ-Hintergrundbericht „Den Anstieg des Radverkehrs optimal gestalten“, Wien 2010

vcö-empfehlungen:
Straßenverkehrsordnung für das Radfahren verbessern
Verkehrsregeln für das Radfahren vereinfachen, Radfahren gegen die Einbahn in Tempo 30-Zonen generell erlauben, die Benützungspflicht von Radwegen abschaffen und Fahrradstraßen ermöglichen.

Radwege entlang von Freilandstraßen errichten
Hohe Geschwindigkeiten von Autos und Lkw machen das Radfahren im Freiland unattraktiv. An hochrangigen Landesstraßen soll ein Bauprogramm für Radwege gestartet werden.

Abstellanlagen mit hoher Qualität gewährleisten
In Bauordnungen ist sicherzustellen, dass bei Neubauten sichere und leicht zugängliche Abstellanlagen in ausreichender Anzahl errichtet werden.

Tempo 30 als Standard im Ortsgebiet einführen
Geringe Geschwindigkeiten des Kfz-Verkehrs machen Radfahren sicher. In vielen Gemeinden gilt bereits Tempo 30, ausgenommen Vorrangstraßen. Auch rechtlich ist zu verankern, dass im Ortsgebiet Tempo 30 künftig Standard ist. Das macht Radfahren besonders attraktiv.

Österreichweite Kampagne für Radfahren im Alltag starten
Radfahren hat großen Nutzen für Umwelt, Gesundheit, Verkehrssicherheit und Lebensqualität. Eine Kampagne für das Radfahren ist vom Bund durchzuführen.


DI Martin Blum, VCÖ-Verkehrspolitik:

tl_files/vcoe/uploads/Team/vcoe_martin_blum.jpg„Das Radfahren im Alltag erfreut sich einer immer größeren Beliebtheit in Österreich. Und das ist gut, sowohl für Klima, Luftqualität und Verkehrssicherheit, als auch für die Geldbörse. Jetzt ist es höchste Zeit, dass die Radfahrinfrastruktur dem Radfahrboom angepasst wird.“

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