Umfrage der Woche
Fahren Sie mit dem Fahrrad zur Arbeit, Uni oder Schule?
Mobilitätspreis 2013
VCÖ-Mobilitätspreis „mobilität und transport 2025+“ gestartet!
Jetzt spenden
Unterstützen Sie den Einsatz des VCÖ für eine Mobilität mit Zukunft mit Ihrer Spende!
In Österreich steigen immer mehr auf das Fahrrad um
Factsheet: 2010-04
Mehr Radfahren bringt Österreich seinen Klimaschutz-Zielen näher, verringert die Abhängigkeit von Erdöl und erhöht die Lebensqualität in den Städten und Gemeinden.

Österreich erlebt seit dem Jahr 2005 einen Radfahrboom. 1,9
Milliarden Kilometer wurden im Jahr 2009 im Alltag mit dem Fahrrad
gefahren, das sind um rund 600 Millionen Kilometer mehr als im Jahr
2005. Das Fahrrad ist vor allem in der Stadt oft schneller als andere
Verkehrsmittel, verhilft zur täglichen Portion Bewegung und spart
zusätzlich noch Kosten. Vielen macht Radfahren im Alltag ganz einfach
Spaß.
Im Vergleich mit anderen Staaten gibt es in Österreich noch großes
Potenzial. In Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden und Dänemark
wird deutlich mehr Rad gefahren als in Österreich.
Maßnahmen für mehr Radverkehr nutzen allen
Der Trend zum Radfahren ist ein großer Beitrag zum Klimaschutz und zur
Verbesserung der Luftqualität. Doch noch immer ist in Österreich jede
zweite Autofahrt kürzer als fünf Kilometer.
Jetzt ist es nötig, vorhandene Hindernisse zu beseitigen, damit mehr
Autofahrende auf das Fahrrad umsteigen können. Mehr Platz für das
Radfahren in Städten und Gemeinden sowie Radwege entlang von
Freilandstraßen sind wichtige Maßnahmen, damit mehr Menschen die vielen
Vorteile des Radfahrens nutzen können. Zudem braucht es mehr
Abstellmöglichkeiten für Fahrräder.
Radfahren in Österreich hat großes Potenzial
Bregenz ist Österreichs Radfahr-Hauptstadt. Hier werden 19 Prozent der
Alltagswege mit dem Fahrrad gefahren. Knapp dahinter liegen Graz und
Salzburg mit jeweils 16 Prozent. Der Österreich-Schnitt liegt bei sieben
Prozent. In Vorarlberg werden pro Person etwa doppelt so viele
Kilometer mit dem Rad gefahren als in den meisten anderen Bundesländern.
Diese Unterschiede zeigen, dass eine konsequente Politik für das
Radfahren Wirkung zeigt. In Graz und Salzburg wurde früh begonnen, das
Radfahren im Alltag zu forcieren, indem Tempo 30-Zonen, Radwege und gute
Abstellanlagen errichtet wurden. In den vergangenen Jahren nimmt auch
in Wien der Radverkehr deutlich zu. Seit dem Jahr 2005 sind die mit dem
Fahrrad zurückgelegten Kilometer um 57 Prozent auf 165 Kilometer pro
Kopf gestiegen.
Städte in Europa zeigen, was in Österreich möglich ist
In Deutschland, den Niederlanden und Dänemark liegen jene Städte, in
denen weltweit am meisten Rad gefahren wird. In Kopenhagen werden 36
Prozent der Alltagswege mit dem Fahrrad gefahren, in Groningen in den
Niederlanden und im deutschen Münster 38 Prozent. In vielen Städten
Österreichs ist eine Vervielfachung des Radverkehrs möglich.
Radfahren hält gesund und macht fit
Radfahren ist für Erwachsene und Kinder die ideale Medizin gegen
Bewegungsmangel und Übergewicht. Das Risiko von Herzerkrankungen nimmt
stark ab. Wer im Alltag Rad fährt, lebt nicht nur körperlich gesünder,
sondern fühlt sich auch wohler. Wer regelmäßig mit dem Rad in die Arbeit
fährt, kann laut einer dänischen Langzeitstudie mit einer
durchschnittlichen Zunahme der Lebenserwartung um zwei Jahre rechnen und
ist etwa so fit wie eine fünf bis zehn Jahre jüngere Person.
Radfahren wird in Österreich sicherer
Radfahren ist viel sicherer als es eingeschätzt wird. Radfahren ist
sogar deutlich sicherer als Gehen. Pro Milliarde Kilometer verunglücken
mehr als doppelt so viele Personen tödlich beim Gehen wie beim
Radfahren. Die Statistik zeigt, dass Radfahren in Österreich sicherer
wird. Es bestätigt sich der international erforschte Zusammenhang, dass
mit steigendem Radverkehr auch die Verkehrssicherheit für Radfahrende
zunimmt. Die wirksamste Strategie für mehr Verkehrssicherheit sind
Maßnahmen, die das Radfahren fördern.
Mehr Radverkehr braucht mehr Platz
Konflikte, die es zwischen Gehenden, Radfahrenden und dem Kfz-Verkehr
gibt, zeigen, dass die Rahmenbedingungen für den zunehmenden Radverkehr
noch nicht gut genug sind. Das Fahren am Gehsteig kann beispielsweise
minimiert werden, wenn Einbahnen für das Radfahren geöffnet werden.
Rechtliche Rahmenbedingungen verbessern
Viele Regelungen sind noch nicht an hohe Radverkehrsanteile angepasst.
Österreichs Straßenverkehrsordnung entstand im Jahr 1960 und ist von der
damals beginnenden Massenmotorisierung geprägt. Wenn Radfahren gegen
die Einbahn in Tempo 30-Zonen wie in Belgien und Frankreich generell
erlaubt wird und nur die Ausnahmen gekennzeichnet werden, wird Radfahren
attraktiver, weil die Wege kürzer werden. Auch die generelle Pflicht
zur Benützung von Radwegen ist nicht mehr zeitgemäß. Für geübte
Radfahrende ist es sicherer und schneller auf einer Fahrbahn mit dem
Kfz-Verkehr zu fahren. Eigene Fahrradstraßen sind zu ermöglichen und
auch die Verankerung eines Rücksichtnahmegebots aller
Verkehrsteilnehmenden fehlt in Österreichs Straßenverkehrsordnung. Durch
das Rücksichtnahmegebot würde neben dem Vertrauensgrundsatz die
gegenseitige Rücksichtnahme als wichtige Verhaltensregel
festgeschrieben. Das ist die Basis für mehr Miteinander statt
Gegeneinander im Straßenverkehr.
Radwege entlang von Freilandstraßen errichten
Die hohen Geschwindigkeiten des Kfz-Verkehrs auf Freilandstraßen machen
Radfahren dort unattraktiv, obwohl der Weg in den nächsten Ort oft gut
mit dem Fahrrad zurückgelegt werden kann. In Vorarlberg werden deshalb
die finanziellen Mittel, die der Bund für die hochrangigen Landesstraßen
zur Verfügung stellt, so verwendet, dass an allen Landesstraßen,
ausgenommen Bergstrecken, durchgehend Radverkehrsanlagen errichtet
werden. Die österreichweite Umsetzung dieser Regelung ist wichtig und
könnte im nächsten Finanzausgleich verankert werden. Der
Beschäftigungseffekt wäre sehr positiv. Der Bau von Radwegen schafft um
56 Prozent mehr Arbeitsplätze als der Bau von Autobahnen.
Kriterien für Abstellanlagen in Bauordnungen
Auf einem Pkw-Stellplatz haben etwa zehn Fahr-räder Platz. Ein Hindernis
das Fahrrad zu nehmen, sind fehlende oder schlecht zugängliche
Abstell-anlagen. In Oberösterreich ist deshalb genau geregelt, wie viele
Fahrradabstellplätze bei neuen Wohnbauten, Geschäften, Arbeitsstätten
und Freizeitanlagen zu errichten sind. Sehr wichtig und noch einzigartig
in Österreich sind dabei die Vorgaben über die Qualität, beispielsweise
Über-dachung und Diebstahlsicherheit.
Kontraproduktive Radhelm-pflicht für Kinder und Erwachsene
Regelmäßig kommt die Forderung nach einer Helm-pflicht für Radfahrende
auf. In keinem Land, in dem die Radhelmpflicht eingeführt wurde, konnten
positive Effekte nachgewiesen werden. Im Gegenteil: In Australien ist
das Unfallrisiko für Radfahrende nach Einführung sogar gestiegen. In
Norwegen, Dänemark und den Niederlanden wurden Pläne für eine
Radhelmpflicht für Kinder wieder verworfen. Die Helmpflicht hält viele
vom Radfahren ab und wirkt damit negativ auf Sicherheit und Gesundheit.
Die Helm-pflicht führt auch zu Risikokompensation: Radfahrende sind mit
Helm riskanter unterwegs und Studien ergaben, dass sie zusätzlich vom
Kfz-Verkehr mit geringerem Abstand überholt werden. Bei Kindern kommt
zudem das Problem der Kontrollierbarkeit und der Haftung durch Eltern
dazu. Zudem würde eine Radhelmpflicht für die großteils neuen
Leihradsysteme das Aus bedeuten.
Radfahrboom in Österreich unterstützen
Jede zweite Autofahrt in Österreich ist kürzer als fünf Kilometer. Viele
kurze Autofahrten könnten sehr gut auch mit dem Fahrrad zurückgelegt
werden. Für diese Strecken ist das Fahrrad das ideale Verkehrsmittel. In
Städten ist das Fahrrad auf diese Distanzen meist schneller und es
verursacht weder Lärm noch Abgase. Radfahren hält zudem fit und gesund.
In vielen Orten werden die Bedingungen für das Radfahren verbessert,
etwa indem Radfahrstreifen angelegt werden, Abkürzungen für Radfahrende
geöffnet oder Veranstaltungen und Bewusstseinskam-pagnen für das
Radfahren durchgeführt werden. In Städten, die schon vor vielen Jahren
begonnen haben, das Radfahren zu fördern – wie Bregenz, Graz oder
Salzburg –, wird heute viel Rad gefahren.
VCÖ: Radverkehrsanteil rasch verdoppeln
Ziel der Bundesregierung ist es, den Radverkehrsanteil in Österreich zu
verdoppeln. Damit das erreicht werden kann, sind bessere rechtliche
Rahmenbedingungen, mehr Platz für Radverkehr, mehr Abstellanlagen mit
hoher Qualität, geringere Tempolimits innerhalb von Ortsgebieten und
Radwege im Freiland nötig. Kampagnen für verstärkte Rücksichtnahme und
ein Miteinander statt Gegeneinander verbessern das Verkehrsklima.
Andere Länder zeigen, dass hohe Radverkehrsanteile möglich sind. In
Deutschland wird pro Person fast doppelt so viel Rad gefahren wie in
Österreich. Innerhalb von Österreich fahren die Vorarlbergerinnen und
Vorarlberger mit durchschnittlich rund 500 Kilometer pro Person und Jahr
etwa doppelt so viel Rad wie der Österreich-Schnitt.
Quelle: VCÖ-Hintergrundbericht „Den Anstieg des Radverkehrs optimal gestalten“, Wien 2010
vcö-empfehlungen:
Straßenverkehrsordnung für das Radfahren verbessern
Verkehrsregeln für das Radfahren vereinfachen, Radfahren gegen die
Einbahn in Tempo 30-Zonen generell erlauben, die Benützungspflicht von
Radwegen abschaffen und Fahrradstraßen ermöglichen.
Radwege entlang von Freilandstraßen errichten
Hohe Geschwindigkeiten von Autos und Lkw machen das Radfahren im
Freiland unattraktiv. An hochrangigen Landesstraßen soll ein Bauprogramm
für Radwege gestartet werden.
Abstellanlagen mit hoher Qualität gewährleisten
In Bauordnungen ist sicherzustellen, dass bei Neubauten sichere und
leicht zugängliche Abstellanlagen in ausreichender Anzahl errichtet
werden.
Tempo 30 als Standard im Ortsgebiet einführen
Geringe Geschwindigkeiten des Kfz-Verkehrs machen Radfahren sicher. In
vielen Gemeinden gilt bereits Tempo 30, ausgenommen Vorrangstraßen. Auch
rechtlich ist zu verankern, dass im Ortsgebiet Tempo 30 künftig
Standard ist. Das macht Radfahren besonders attraktiv.
Österreichweite Kampagne für Radfahren im Alltag starten
Radfahren hat großen Nutzen für Umwelt, Gesundheit, Verkehrssicherheit
und Lebensqualität. Eine Kampagne für das Radfahren ist vom Bund
durchzuführen.
DI Martin Blum, VCÖ-Verkehrspolitik:
„Das Radfahren im Alltag erfreut sich einer immer größeren Beliebtheit in
Österreich. Und das ist gut, sowohl für Klima, Luftqualität und
Verkehrssicherheit, als auch für die Geldbörse. Jetzt ist es höchste
Zeit, dass die Radfahrinfrastruktur dem Radfahrboom angepasst wird.“








