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Dem Verkehr droht die Erdöl-Falle

Factsheet: 2010-03

Seit 1. Jänner 2011 gibt es auch in Österreich ein steuerbegünstigtes Jobticket. Jedoch nur für jene, die Pendelpauschale beziehen. Der VCÖ tritt dafür ein, dass alle Beschäftigten ein Jobticket erhalten können.Die umfangreichen Steuervorteile für Firmenautos sind zu verringern.

Der Verkehr in Österreich ist so abhängig vom fossilen Erdöl wie kein anderer Bereich. Die CO2-Emissionen des Verkehrs sind seit dem Jahr 1990 um 61 Prozent angestiegen. In Österreich sind dringend Maßnahmen für die Trendwende im Verkehr nötig, sonst droht ein Energie- und Klimadebakel.

tl_files/vcoe/uploads/News/VCOe-Factsheets/Factsheets/2010-03_Erdoel-Falle.jpg79 Prozent des gesamten importierten in Österreich verbrauchten Erdöls werden für den Verkehr verwendet. Die Bevölkerung in Österreich ist stark von fossiler Energie abhängig. Nach dem Ende der globalen Wirtschaftskrise wird mit einem deutlichen Anstieg der Erdölpreise gerechnet. Es sind jetzt Maßnahmen nötig, um die Mobilität in Österreich unabhängiger von Erdöl-Importen zu machen.
Der Straßenverkehr ist zudem großer Hemmschuh beim Klimaschutz. Bereits ein Viertel der CO2-Emissionen gehen auf sein Konto. Pkw- und Lkw-Verkehr sind die größten Klimasünder.

Trendwende im Verkehr ist nötig und möglich
Die Zeiten des ungebremsten Verkehrswachstums sind vorbei. Der Treibstoffkonsum nimmt ab. Der Spitzenverbrauch des Jahres 2005 wurde bis heute nicht mehr überboten. In Wien geht seit dem Jahr 2007 der Pkw-Bestand zurück. Jetzt ist es nötig die Prioritäten der Verkehrspolitik zu ändern. Radfahren, Gehen und Öffentlicher Verkehr sind zu forcieren. Der Erdöl-Verbrauch ist mit der Ökologisierung der Steuern höher zu besteuern. Die geplanten Milliarden-Investitionen in den Ausbau von Autobahnen und Schnellstraßen sind nicht mehr erforderlich.

Mobilität unabhängig von Erdöl -machen
Österreich hat sich im Jahr 1997 wie die meisten Industrienationen dazu verpflichtet, den Ausstoß der klimaschädlichen Treibhausgase zu verringern. Ziel ist es im Vergleich zum Jahr 1990 bis zum Zeitraum 2008 bis 2012 die Treibhausgase um 13 Prozent zu verringern. Das Gegenteil ist eingetreten: Im Jahr 1990 verursachte Österreich  78 Millionen Tonnen Treibhausgase, bis zum Jahr 2008 gab es eine Zunahme um elf Prozent auf rund 87 Millionen Tonnen. Mit dieser Bilanz liegt Österreich im EU-Vergleich vor Spanien und Luxemburg an drittletzter Stelle beim Klimaschutz.

Verkehr ist hauptverantwortlich für CO2-Anstieg
Schuld am Klimaschutz-Debakel Österreichs ist der Verkehr. Zwischen den Jahren 1990 und 2008 haben Emissionen des Verkehrs von 14,1 Millionen Tonnen auf 22,6 Millionen Tonnen um 61 Prozent zugenommen. Verbesserungen in anderen Bereichen wurden durch den Straßenverkehr zunichte gemacht. Im Verkehr gibt es auch deshalb Handlungsbedarf, weil die EU das Ziel hat, die Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2020 weiter zu verringern.

Ziel-Verfehlung im Verkehr: Kostenlawine droht
Die mangelnden Anstrengungen im Verkehr machen Österreich nicht nur zum Nachzügler beim Klimaschutz, Österreich wird für sein unzureichendes Handeln auch viel Geld zahlen müssen. Um das Kyoto-Ziel zu erreichen, müssen von Österreich je nach dem Preis der CO2-Zertifikate mindestens 600 Millionen, vielleicht sogar weit über eine Milliarde Euro für Emissionsrechte bezahlt werden. Und wenn die Abhängigkeit vom Erdöl nicht verringert wird, dann kommen auf die Haushalte weitere hohe Verkehrskosten zu.

Dem Verkehr droht die Erdöl-Falle
Die kostengünstig nutzbaren Erdölvorräte neigen sich dem Ende zu. Zwei Drittel der Ölförderung werden von den 500 größten Ölfeldern abgedeckt. Die meisten von ihnen haben ihr Fördermaximum bereits überschritten, das Auffinden neuer Riesen-Ölfelder ist unwahrscheinlich. Durch diese Verknappung des Angebots steht ein starker Anstieg von Öl- und Treibstoffpreisen bevor.
Der Verkehr ist davon besonders betroffen. 79 Prozent des verbrauchten Erdöls werden in Österreich für den Verkehr verwendet. Ohne Trendwende in Richtung Gehen, Radfahren und Öffentlichen Verkehr, sitzen bei steigenden Preisen viele Menschen in der Erdöl-Falle.

Umstieg auf Öffentlichen Verkehr zahlt sich aus
Öffentliche Verkehrsmittel stoßen pro Personen-kilometer wesentlich weniger Schadstoffe aus als ein Pkw. Besonders die Bahn mit elektrischem Antrieb verursacht nur sehr geringe Emissionen, wenn der Strom aus erneuerbaren Energieträgern stammt. Rund 92 Prozent des Stroms der ÖBB stammten im Jahr 2008 aus Wasserkraft oder anderen erneuerbaren Energieträgern. Der CO2-Ausstoß des Schienenverkehrs liegt bei rund 19 Gramm pro Personen-kilometer, der CO2-Ausstoß eines durchschnittlichen Pkw ist neunmal so hoch. Jede Person, die eine Autofahrt durch eine Fahrt mit Bus oder Bahn ersetzt, verbessert die CO2-Bilanz. Bei Investitionen im Verkehrsbereich ist deshalb dem Öffentlichen Verkehr höchste Priorität einzuräumen.

Einkaufszentren als Verkehrserreger
Ein weiterer Verursacher klimaschädlicher Emissio-nen sind Einkaufszentren am Stadtrand. Sie verursachen viel Verkehr. In der Schweiz werden die Betreiber der Großparkplätze deshalb dazu verpflichtet Parkgebühren einzuheben, die sie an die Kantone weiterleiten müssen.
Eine Regelung dieser Art wäre auch in Österreich sinnvoll und rasch umsetzbar.

Elektro-Mobilität bietet eine Chance
Welche CO2-Bilanz ein Elektro-Fahrzeug hat, hängt von der Stromerzeugung ab. Österreichs Strom-Mix enthält 52 Prozent Strom aus Wasserkraft. Das Potenzial zur CO2-Einsparung durch Elektro-Fahrzeuge ist also hoch. Europaweit könnten Elektro-Fahrzeuge aufgrund aktueller Gesetze auch zu einem Anstieg der Treibhausgas-Emissionen führen. So gibt es derzeit keine Vorgaben zur Nutzung von erneuerbarer Energie für Elektro-Fahrzeuge. Und Autoherstellern wird für den Verkauf von Elektro-Autos zudem ein Bonus für den Verkauf von Pkw mit hohen CO2-Emissionen gewährt. Haben Elektro-Autos in der EU einen Verkaufsanteil von zehn Prozent, kann dies so zu einem 20-prozentigen Anstieg der CO2-Emissionen der Autoflotte führen. Der VCÖ empfiehlt Nachhaltigkeitskriterien für die Stromerzeugung in der EU.

Agro-Kraftstoffe: Auf die Nachhaltigkeit kommt es an
Die Beimengung von Agro-Kraftstoffen zu Benzin und Diesel wurde in Österreich als Klimaschutz-Maßnahme forciert. Studien zeigen: Die Klimawirkung dieser Kraftstoffe könnte sogar kontraproduktiv sein. Diesel aus Palmöl verursacht beispielsweise eineinhalb Mal soviele Treibhausgase wie herkömmlicher Diesel, wenn dafür Regenwald-Flächen abgeholzt werden. Ethanol, das aus Weizen gewonnen wird, verursacht gleich viel CO2 wie fossiles Benzin, wenn der Weizen auf ehemaligem Grünland angebaut wird. Deshalb will die EU Nachhaltigkeitskriterien für Agro-Kraftstoffe. Ab dem Jahr 2017 dürfen Agro-Kraftstoffe nur mehr dann eingesetzt werden, wenn sie um die Hälfte weniger CO2 produzieren als herkömmliche Treibstoffe. Auch Landnutzungsänderungen, also wenn Regenwald, Flächen zur Nahrungsproduktion oder Moore wegen der Herstellung von Treibstoffen umgewandelt werden, will die EU als Kriterium verankern. Es ist wichtig, dass sich auch Österreich für dieses Kriterium ausspricht.

VCÖ: Österreichs Steuersystem ökologisieren
Hohe Spritpreise im Jahr 2008 haben dazu geführt, dass der Autoverkehr zurückgegangen ist. Im Jahr 2008 wurde in Österreich rund sechs Prozent weniger Benzin verkauft als im Jahr davor. Gleichzeitig fuhren mehr Menschen mit Bus und Bahn. Im Jahr 2008 betrug der Fahrgastzuwachs bei der Bahn vier Prozent. Bei einer Befragung in Vorarlberg gaben 39 Prozent an, durch die hohen Spritpreise ihr Fahrverhalten geändert zu haben. Im Jahr 2009 sind die Spritpreise wieder deutlich gesunken. Die Verlagerung des Verkehrs auf den Öffentlichen Verkehr wurde dadurch gestoppt.
In Deutschland ist nach Einführung der Ökosteuer auf Treibstoffe der Treibstoffabsatz um 6,8 Prozent zurückgegangen.

Höhere Treibstoffsteuer hat positiven Lenkungseffekt
Wegen der geringeren Besteuerung kostet in -Österreich Diesel um zehn Cent und Eurosuper um 20 Cent weniger als in Deutschland und Italien. Wird die Mineralölbesteuerung in Österreich auf das Niveau von Deutschland und Italien angehoben, kann der CO2-Ausstoß um rund 500.000 Tonnen verringert werden. Auch der Gütertransport in Österreich kann deutlich energieeffizienter und klimafreundlicher abgewickelt werden. Betriebliche Gleisanschlüsse sind stärker zu fördern, ebenso sind weitere Verbesserungen in der Logistik zu forcieren. Verstärkte Lkw-Kontrollen verhindern Dumpingpreise infolge der Umgehung von Ruhezeiten, wodurch nicht nur jene Transporteure gestärkt werden, die gesetzliche Regelungen einhalten, sondern auch der Schienengütertransport attraktiver wird. Eine Alpentransitbörse würde zudem den Lkw-Transit durch Österreich verringern.

Quelle: VCÖ, Hintergrundbericht Mobilität und Klimaschutz, Wien 2010

vcö-empfehlungen:

CO2-Abgabe: Steuern auf Benzin und Diesel anheben
Wird Energieverbrauch höher besteuert und der Faktor Arbeit entlastet, sinken Treibstoffverbrauch und Treibhausgas-Emissionen.

Öffentlichen Verkehr verbessern
Schnelle, häufige und regelmäßige Verbindungen mit Bus und Bahn nach Schweizer Vorbild ermöglichen das Umsteigen.

Lkw-Maut auf alle Straßen ausdehnen
Die Ausweitung der Lkw-Maut auf alle Straßen schafft mehr Kostenwahrheit im Gütertransport.

Bessere Bedingungen zum Gehen und Radfahren schaffen
Viele kurze Wege könnten zu Fuß zurückgelegt werden. In Wien werden derzeit nur fünf Prozent der Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt.

Abgabe für Großparkplätze einführen
Einkaufszentren verursachen Verkehr und bedrohen die Nahversorgung, deshalb sollen Parkgebühren verpflichtend werden und an Gemeinden und Bundes-länder -fließen.

Zitat   

DI Martin Blum, VCÖ-Verkehrspolitik:

tl_files/vcoe/uploads/Team/vcoe_martin_blum.jpg„Die Verringerung der Abhängigkeit des Verkehrs von Erdöl bringt einen mehrfachen Nutzen. Die Mobilität und die Wirtschaft kommen nicht ins Wanken, wenn Ölpreise nach dem Ende der globalen Finanzkrise ansteigen. Und weniger Erdölverbrauch bringt Österreich den -Klimaschutzzielen näher.“


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