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Öffentlicher Verkehr - Notwendige Weichenstellungen für die Zukunft

Factsheet: 2010-02

Die Mehrheit der Menschen in Österreich nutzen Bus und Bahn für die Fahrt zur Arbeit, für Ausflüge oder um zur Schule oder Ausbildungsstätte zu gelangen. Damit der Öffentliche Verkehr in Österreich künftig das Rückgrat der Mobilität sein kann, muss ihm höhere Priorität eingeräumt werden.

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Rund 60 Prozent der Österreicherinnen und -Österreicher benützen regelmäßig oder gelegentlich öffentliche Verkehrsmittel. Der Anteil des Öffent-lichen Verkehrs an den Alltagswegen beträgt 17 Prozent. In der Schweiz liegt der Anteil bei 18 Prozent. Aber nur 5,1 Millionen Menschen in Österreich erreichen die nächste größere Stadt innerhalb von 50 Minuten mit Bus und Bahn. Auf vielen Strecken fehlen untertags häufige Verbindungen. Am späteren Abend fehlt das Angebot oft zur Gänze.

Taktfahrplan nach Schweizer Vorbild umsetzen
In den nächsten Jahren rechnet die Internationale Energieagentur mit einem stark steigenden Ölpreis. Die Abhängigkeit vom Pkw wird dann für viele zur finanziellen Falle. Es braucht klare Prioritäten bei Investitionen im Verkehrsbereich. Der Öffentliche Verkehr ist zu forcieren und ein Taktfahrplan nach Schweizer Vorbild umzusetzen. Auch für den Klimaschutz sind Bus und Bahn dringend nötig: Rund 25 Prozent der Treibhausgas-Emissionen Österreichs verursacht der Straßenverkehr.

Öffentlicher Verkehr ist eine Investition in die Zukunft
Rund 23 Milliarden Personenkilometer werden pro Jahr in Österreich mit Bahn, Bus, Straßenbahn und U-Bahn zurückgelegt. Das öffentliche Verkehrsnetz ist im internationalen Vergleich gut ausgebaut. Der Anteil des Öffentlichen Verkehrs, vor allem des Schienenverkehrs, an den Personenkilometern ist deshalb höher als in vielen anderen Staaten Europas. Mehr als 1.250 Kilometer wurden in Österreich im Jahr 2008 pro Kopf mit der Bahn zurückgelegt. In der EU wurde nur in Frankreich mit rund 1.380 Kilometern mehr Bahn gefahren. In der Schweiz waren es im gleichen Zeitraum pro Person etwa 2.420 Kilometer. Das zeigt, dass viel Verbesserungspotenzial vorhanden ist.

Öffentlicher Verkehr macht unabhängig von fossiler Energie
Eine zentrale Herausforderung für die Zukunft ist es, Mobilität von fossiler Energie zu entkoppeln. Die Internationale Energieagentur rechnet mit einem stark steigenden Ölpreis ab dem Jahr 2013. Um den Ölverbrauch zu reduzieren, ist eine Verschiebung des Personenverkehrs zu öffentlichen Verkehrsmitteln notwendig. Jetzt den Öffentlichen Verkehr auszubauen, ist auch eine soziale Investition und sichert der Bevölkerung auch in Zukunft leistbare Mobilität – auch jenen Menschen, die über kein Auto verfügen. Schon heute besitzen 60 Prozent des unteren Einkommens-viertels kein Auto.

Klimaschutzziele mit Bus und Bahn erreichbar
Der Verkehr ist mit einem Anstieg der CO2-Emissionen um 61 Prozent zwischen den Jahren 1990 und 2008 hauptverantwortlich für das Verfehlen des Kyoto-Ziels. Öffentliche Verkehrsmittel stoßen pro Personenkilometer wesentlich weniger Schadstoffe aus als Pkw. Besonders die Bahn mit elektrischem Antrieb verursacht sehr geringe Emissionen. Rund 92 Prozent des Bahnstroms in Österreich stammten im Jahr 2008 aus Wasserkraft oder anderen erneuerbaren Energieträgern. Der CO2- Ausstoß des Schienenverkehrs liegt dadurch bei rund 19 Gramm pro Personenkilometer, der CO2-Ausstoß eines durchschnittlichen Pkw ist neunmal so hoch. Auch Busverkehr belastet das Klima deutlich weniger als der motorisierte Individualverkehr.

Bessere Luft durch Öffentlichen Verkehr
In Graz, Salzburg und Wien wurden im Jahr 2009 die zulässigen Feinstaubgrenzwerte überschritten. Speziell in Städten bringt es eine Verbesserung der Luft- und Lebensqualität wenn Autofahrten durch Umstieg auf Öffentliche Verkehrsmittel verringert werden. Elektrisch betriebene Straßenbahnen und U-Bahnen bringen Menschen ohne direkte Emissionen ans Ziel. Auch Obusse, wie sie beispielsweise in Salzburg eingesetzt werden, fahren emissionsfrei.

Bus und Bahn fit für die Zukunft machen
Über die Jahre ist ein Zuständigkeits- und Finanzierungsdickicht beim Öffentlichen Verkehr entstanden. Der Fernverkehr in Österreich wird fast vollständig durch Fahrgeldeinnahmen gedeckt. Im Nah- und Regionalverkehr werden etwa 45 Prozent durch Tariferträge gedeckt. Im Jahr 2009 standen 1.103 Millionen Euro an Bundesmitteln für den Betrieb des Öffentlichen Verkehrs zur Verfügung. Wie viel öffentliche Mittel in Österreich insgesamt für Bus und Bahn aufgewendet werden, kann nicht klar gesagt werden. Ein wichtiger Schritt für besseren Öffentlichen Verkehr ist deshalb, klare Zuständigkeiten und transparente Finanzierungsströme zu schaffen.

Grundversorgung mit Öffentlichem Verkehr
In der Schweiz ist die Grundversorgung, ein Mindestangebot im Öffentlichen Personenregionalverkehr auf Straße und Schiene, gesetzlich definiert. Jede Linie mit durchschnittlich mehr als 32 Fahrgästen am Tag wird mindestens viermal täglich befahren. Fahren im stärksten Abschnitt mehr als 500 Personen pro Tag, können 18 Verbindungen pro Tag angeboten werden, was einem Stundentakt entspricht. In Österreich ist abseits der Hauptstrecken nur in wenigen Gebieten ein durchgehender Stundentakt gewährleistet. Eine Regelung nach Schweizer Vorbild ist auch in Österreich nötig, etwa mit der Zielsetzung, dass 80 Prozent der Bevölkerung zumindet im Stundentakt mit Bus oder Bahn erschlossen sind.

Taktverkehr als Investitionsmaßstab
Häufige, regelmäßige und schnelle Verbindungen machen den Öffentlichen Verkehr attraktiv. Ein überregionaler Taktfahrplan bildet das Rückgrat des Öffentlichen Verkehrs. Bus und Bahn in der Region knüpfen daran an. Investitionen in die Beschleunigung einer Strecke nützen Fahrgästen nur dann, wenn das eine spürbare Verkürzung der Gesamtreisezeit bringt. Strecken, die für Taktverkehr und Anschlusssicherung relevant sind, müssen daher beim Ausbau und somit bei Investitionen Vorrang haben. Schritte zu einem solchen Taktsystem wurden in Österreich bereits gesetzt, doch noch ist es Stückwerk, und es bestehen Lücken.

Taktfahrplan umsetzen
Je mehr Menschen Bus und Bahn nutzen können, umso weniger wird mit dem Auto gefahren. Das bringt bessere Luftqualität, weniger Lärm und weniger Staus. Österreich kommt seinen Klimaschutzzielen näher und ist unabhängiger von Erdöl.
Bus und Bahn brauchen deshalb hohe Priorität. Ein überregionaler Taktfahrplan auf der Schiene ist dabei das Rückgrat des Öffentlichen Verkehr in Österreich. Infrastrukturausbauten sind so zu reihen, dass der Taktfahrplan verwirklicht werden kann. Kurze Wartezeiten und regelmäßige Verbindungen machen den Nahverkehr attraktiv. Der VCÖ empfiehlt Regionalbahnen zu modernisieren anstatt einzustellen.
Fahrgäste schätzen die größere Laufruhe, die Möglichkeit, im Zug zu arbeiten, ebenso wie die Bewegungsfreiheit während der Reise. Auch die Fahrradmitnahme gehört zu den Vorteilen. Auf vielen Strecken, wie der Pinzgauer Lokalbahn, der Ziller-tal-bahn oder der Bad Radkersburger Bahn konnten deutliche Fahrgaststeigerungen erzielt werden.

Ticketing ist in Österreich zu vereinfachen
Für Fahrten mit Bus und Bahn ist es in Österreich oftmals nötig, in jedem Verkehrsmittel eine eigene Fahrkarte zu kaufen. Für den städtischen Öffentlichen Verkehr jeweils ein Ticket am Abfahrts- und Zielort sowie eines für die Bahnfahrt. In der Schweiz gibt es direkte Tickets von einem Ort zu einem anderen unabhängig davon, welche Verkehrsmittel benützt werden. Dieses Modell ist auch für Österreich zu empfehlen. Zudem sollten die Weichen für einheitliches elektronisches Ticketing gestellt und eine Mobility Card eingeführt werden. In den Niederlanden wurde eine Mobility Card im Öffentlichen Verkehr bereits erfolgreich eingeführt.


vcö-empfehlungen

Österreichweiten Taktfahrplan ausweiten
Die Umsetzung des überregionalen Taktfahrplans mit -häufigen, schnellen und regelmäßigen Verbindungen ist sicherzustellen.

Grundangebot im Öffentlichen Vekehr ausweiten
Es ist klar zu definieren, wie viele Personen in Österreich im Stundentakt mit Bus und Bahn verbunden sind.

Regionalverkehrskonzepte in Bundesländern umsetzen
Gute und regelmäßige Verbindungen mit Bus und Bahn auch zu Tagesrandzeiten laden zum Umsteigen ein. Regionalbahnen sind zu modernisieren anstatt einzustellen.

Ticketsystem vereinfachen
Die Ticketsysteme sind zu vereinfachen, etwa durch ein einheitliches -elektronisches Ticketing.

Finanzierung des Öffentlichen Verkehrs sicherstellen
Bus und Bahn gewährleisten hohe Mobilität in Zeiten hoher Treibstoffpreise und ermöglichen Klimaschutz. Bei Investitionen ist ihnen klare Priorität -gegenüber dem Pkw-Verkehr zu geben.


Quelle: VCÖ, Öffentlicher Verkehr – Weichenstellungen für die Zukunft, Schriftenreihe „Mobilität mit Zukunft“, Wien 2010


 

DI Martin Blum, VCÖ-Verkehrspolitik:

tl_files/vcoe/uploads/Team/vcoe_martin_blum.jpg„Es sind jetzt Weichenstellungen für die Zukunft des Öffentlichen Verkehrs in Österreich durchzuführen. Das Angebot an Verbindungen ist rasch auszuweiten, das Ticket-System ist zu modernisieren und auf E-Ticketing umzustellen und die Finanzierung des Öffentlichen Verkehrs muss höchste Priorität erhalten. Um die Klimaschutzziele zu erreichen und um unabhängiger vom Erdöl zu werden, braucht Österreich mehr Bahn- und Busverbindungen.“


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