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VCÖ: Was Tempo 80 auf Österreichs Freilandstraßen bringt

Factsheet: 2008-1

Österreich ist neben Deutschland das einzige EU-Land, in dem Tempo 100 auf Freilandstraßen erlaubt ist. Mehr als 60 Prozent der tödlichen Unfälle in Österreich passieren auf Freilandstraßen.


 tl_files/vcoe/uploads/News/VCOe-Factsheets/Factsheets/2008-01_.jpgIm Jahr 2007 kamen in Österreich knapp 700 Personen bei Verkehrsunfällen ums Leben. Seit dem Jahr 2004 ist der Anteil der tödlichen Unfälle auf Freilandstraßen von 58 Prozent auf rund 65 Prozent gestiegen. Auf Freilandstraßen ist das tödliche Unfallrisiko pro gefahrenem Kilometer doppelt so hoch wie im restlichen Straßennetz.
Österreich hat sich zum Ziel gesetzt, die Zahl der Verkehrstoten von 976 im Jahr 2000 auf 500 im Jahr 2010 zu verringern. Dieses Ziel ist nur durch zusätzliche Maßnahmen auf Freilandstraßen erreichbar. Der VCÖ hat untersucht, was Tempo 80 statt 100 auf Freilandstraßen bringt.

Tempo 80 bringt weniger Unfälle, verringert den Lärm und nützt Umwelt- und Klimaschutz
Studien zeigen, dass ein generelles Tempolimit 80 statt 100 km/h auf Österreichs Freilandstraßen die Zahl der tödlichen Unfälle auf diesen Straßen um rund 20 Prozent verringert.
Auch der Spritverbrauch sinkt bei Tempo 80 statt 100 und damit sinken nicht nur die Spritkosten, sondern auch die CO2-Emissionen. Ebenso verringert sich der Verkehrslärm. Einzig die Fahrzeit nimmt zu, nämlich um rund sieben Sekunden pro Kilometer.

Tempo 80 auf Freilandstraßen hat viele Vorteile
Das Unfallrisiko auf Österreichs Straßen ist sehr hoch. In der EU passieren bezogen auf die Bevölkerungszahl nur in Slowenien mehr Verkehrsunfälle als in Österreich. Das tödliche Unfallrisiko ist mit 88 Verkehrstoten pro Million Einwohner in Österreich fast doppelt so hoch wie in der Schweiz und in Schweden. Im Jahr 2007 forderten mehr als 40.000 Verkehrsunfälle in Österreich rund 700 Todesopfer, mehr als 52.000 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.

Wenig Verkehrssicherheit auf Freilandstraßen
Besonders gering ist die Verkehrssicherheit auf Freilandstraßen. Österreich ist neben Deutschland das einzige EU-Land mit einem Tempolimit von 100 km/h. In den anderen EU-Staaten gilt Tempo 70, 80, 90 oder 96.
In Österreich sind auf Freilandstraßen derzeit nur auf gefährlichen Abschnitten 80 km/h oder weniger vorgeschrieben. In Summe darf auf rund 50.500 Kilometern von Österreichs Freilandstraßen 100 km/h gefahren werden, auf rund 16.000 Kilometern Freilandstraßen gilt ein niedrigeres Tempolimit.

Tödliches Unfallrisiko ist auf Freilandstraßen am höchsten
Die meisten Verkehrsunfälle ereignen sich im Ortsgebiet, nämlich fast zwei Drittel. Hingegen passieren die meisten tödlichen Unfälle auf Freilandstraßen: Seit dem Jahr 2000 waren 60 Prozent aller tödlich Verunglückten auf Freilandstraßen zu beklagen. Im Jahr 2007 stieg der Anteil sogar auf 65 Prozent.

Deutlich kürzerer Anhalteweg bei Tempo 80
Wie sich das Absenken des Tempolimits auf 80 km/h auswirkt, zeigt folgendes Beispiel: Auf trockener Fahrbahn kann bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h vor einem Hindernis in 55 Meter Entfernung das Fahrzeug gerade noch zum Stillstand gebracht werden. Beträgt die Geschwindigkeit 100 km/h, erfolgt ein Aufprall mit 68 km/h. Der Ausgang eines solchen Unfalls wäre für einen Fußgänger mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit tödlich.

Positiv für Sicherheit, Umwelt und Budget
Selbst wenn berücksichtigt wird, dass nicht alle Pkw die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h einhalten – rund 28 Prozent der Fahrzeuge fahren laut Messung schneller als es bestehende Tempolimits erlauben – würden die Effekte für Verkehrssicherheit, Umweltschutz und Straßenbaukosten deutlich positiv ausfallen.

Minus 20 Prozent Verkehrstote
Die Durchschnittsgeschwindigkeit bei Tempo 80 liegt bei 74,9 km/h, bei Tempo 100 Abschnitten bei 88,3 km/h. Auf diese Werte beziehen sich die folgenden Ergebnisse. Bei Tempolimit 80 statt 100 würde die Zahl der Verkehrstoten um 20 Prozent zurückgehen. Das bedeutet: Rund 90 Menschen könnten heute noch am Leben sein, wenn schon im Jahr 2007 generell Tempolimit 80 statt 100 auf Österreichs Freilandstraßen gegolten hätte, die Zahl der Schwerverletzten wäre um 400 niedriger. Neben dem persönlichen Leid der Nahestehenden ergeben sich durch den Tod oder die Verletzungen von Unfallopfern auch hohe Kosten für die Allgemeinheit. Die gesamten Unfallkosten würden durch Tempolimit 80 statt 100 um rund 100 Millionen Euro pro Jahr sinken.

Weniger Abgase und weniger Lärm
Hohe Geschwindigkeiten erhöhen den Treibstoffverbrauch. Bei Tempo 80 ist der Spritverbrauch um zehn Prozent niedriger als bei Tempo 100. Geringerer Spritverbrauch verringert auch die Emissionen: Die CO2-Emissionen sind ebenfalls um zehn Prozent niedriger, die Stickoxidemissionen je nach Motor um neun bis 25 Prozent. Laut Klimaschutzstrategie der Bundesregierung können durch niedrigere Tempolimits in Österreich die CO2-Emissionen um 400.000 Tonnen pro Jahr verringert werden. Durch Tempo 80 statt 100 auf Freilandstraßen liegt das geschätzte Reduktionspotenzial an CO2-Emissionen bei 100.000 Tonnen pro Jahr.
Auch die Lärmbelästigung ist geringer: Bei 80 km/h erzeugen Pkw 1,5 Dezibel weniger Lärm als bei 100 km/h. 100 Autos, die 100 km/h fahren, erzeugen denselben Lärm wie 140 Pkw mit 80 km/h.

Geringere Kosten beim Straßenbau
Grundsätzlich soll die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h auf allen Freilandstraßen gelten. Denkbar sind Ausnahmen für Strecken, die besonders gut ausgebaut sind. Denn Verkehrssicherheit hat auch mit Fahrbahnbreiten, Kurvenradien und Steigungswinkeln zu tun, die für die gefahrene Geschwindigkeit angemessen sind. Bei Tempo 100 müssen Fahrbahnen breiter und Kurvenradien weiter angelegt werden. Auch der Bau von Straßen, die über Kuppen und Hügel führen, wird durch ein niedrigeres Tempolimit vereinfacht: Bei Tempo 80 kann die Straßentrassierung besser an die Geländeverhältnisse angepasst werden, der Flächenverbrauch ist geringer.

Individueller Zeitverlust hält sich in Grenzen
Als Argument gegen Tempolimit 80 auf Freilandstraßen wird der damit verbundene Zeitverlust genannt. Tatsächlich verlängert sich die Reisezeit durch Tempolimit 80 statt 100 km/h um rund sieben Sekunden pro Kilometer. Nicht berücksichtigt ist hier jedoch, dass durch den Rückgang der Unfälle Straßen seltener blockiert sind. In Summe dürfte der Zeitverlust somit geringer als sieben Sekunden pro Kilometer sein.

Gute Erfahrungen mit Tempo 80 in Tirol
Im Jahr 1993 wurde die erlaubte Höchstgeschwindigkeit für Freilandstraßen auf 80 km/h gesenkt. Daraufhin ging in Tirol die Zahl der Verkehrstoten um 27 Prozent zurück im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres. Nach der Aufhebung von Tempolimit 80 durch den Verfassungsgerichtshof kamen im Jahr 1994 um 47 Personen mehr auf Tirols Straßen ums Leben als im Jahr zuvor.

Tempolimit 80: Die Vorteile überwiegen

Mit Tempo 80 statt 100 km/h auf Freilandstraßen kommt Österreich sowohl seinem Verkehrssicherheitsziel als auch dem Klimaschutzziel und dem Luftqualitätsziel näher. Seit dem Jahr 2000 sind bei Verkehrsunfällen auf Freilandstraßen mehr als 4.000 Menschen ums Leben gekommen. Das sind 60 Prozent aller Verkehrstoten in Österreich und entspricht etwa der Bevölkerungszahl von Güssing im Burgenland.
In Tirol wurde Tempo 80 statt 100 im Jahr 1993 vorübergehend verordnet: Die Zahl der Verkehrstoten sank daraufhin um 27 Prozent.

Vorteile für Umwelt und Gesundheit
Tempo 80 statt 100 km/h verringert den Spritverbrauch um zehn Prozent pro gefahrenem Kilometer und damit auch die CO2-Emissionen. Der von Pkw verursachte Lärm ist bei 80 km/h um 1,5 Dezibel niedriger als bei 100 km/h. Beim Straßenbau könnten durch verringerten Flächenverbrauch, Material- und Arbeitseinsatz Kosten gespart werden. Der einzige Nachteil ist der Zeitverlust. Dieser beträgt durchschnittlich sieben Sekunden pro Kilometer, das sind rund drei Minuten bei einer Strecke von 25 Kilometer.
Bei der Frage Tempolimit 80 statt 100 km/h auf Freilandstraßen gilt es die Vor- und Nachteile abzuwägen. Der VCÖ spricht sich für ein Tempolimit von 80 km/h auf Landstraßen außerhalb von Ortsgebieten aus.


Quelle: VCÖ Hintergrundbericht: Sichere Freilandstraßen – Tempo 80 außerhalb des Ortsgebietes. Wien 2007



Was Tempo 80 bringt

• Mehr Verkehrssicherheit
Tempo 80 auf Freilandstraßen verringert die Zahl der Verkehrstoten auf diesen Straßen um 20 Prozent. Pro Jahr werden 90 Menschenleben gerettet.
• Kürzerer Anhalteweg
Bei 80 km/h beträgt der Anhalteweg auf trockener Fahrbahn 55 Meter. Bei 100 km/h hat der Pkw nach 55 Metern noch eine Geschwindigkeit von 68 km/h.
• Weniger Spritverbrauch und weniger Emissionen
Der Spritverbrauch ist bei Tempo 80 um zehn Prozent niedriger als bei 100 km/h. Auch die CO2-Emissionen verringern sich um zehn Prozent. Zudem sinken die Stickoxid-Emissionen bis zu minus 30 Prozent. Die Luftqualität steigt.
• Weniger Verkehrslärm
100 Pkw mit 100 km/h erzeugen gleich viel Lärm wie 140 Pkw mit 80 km/h.
• Sieben Sekunden länger unterwegs
Die Reisezeit verlängert sich im Durchschnitt um sieben Sekunden pro Kilometer.

VCÖ-Vorschläge

• Einführung eines generellen Tempolimits von 80 km/h auf Freilandstraßen.
• Das Heraufsetzen des Tempolimits soll möglich sein, wenn belegt werden kann, dass die Maßnahme im Sinne der Verkehrssicherheit unbedenklich ist. Die Pflicht zur Vorlage eines solchen Gutachtens soll in der Straßenverkehrsordnung verankert werden.

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