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Wie Gemeinden vom Radfahren profitieren
Factsheet: 2008-06
Weniger Lärm- und Schadstoffbelastung, mehr Verkehrssicherheit und Lebensqualität: Die Vorteile des Radfahrens sind vielfältig. Ein höherer Radverkehrsanteil in den Gemeinden Österreichs bringt großen Nutzen und verringert die Parkplatzprobleme in den Ortskernen.

Österreich erlebt einen Radfahrboom. Immer mehr Menschen nutzen die Vorteile des Fahrrades. Mit dem Fahrrad sind Ziele schnell und kostengünstig erreichbar. Gerade in Zeiten steigender Spritpreise gewinnt das Fahrrad an Bedeutung. Umso wichtiger ist es, Maßnahmen zu setzen, die das Radfahren im Alltag sicher und attraktiv machen. Die Gemeinden spielen dabei eine große Rolle. Für erfolgreiche Gemeinden ist es wichtig, dass Radverkehrspolitik auch in alle Bereiche der Raum- und Verkehrsplanung sowie Gemeindeentwicklung miteinbezogen wird.
Gemeinden erhöhen den Radverkehrsanteil
Gemeinden erzielen viele Vorteile, wenn mehr mit dem Fahrrad gefahren wird. So gibt es in den Ortszentren oft das Problem mangelnder Parkplätze. Auf einem Autoabstellplatz können zwölf Fahrräder parken. Bewusstseinsarbeit für das Radfahren, radfahrfreundliche Straßen und ausreichend Fahrradabstellanlagen – das sind nur einige Maßnahmen, die in zahlreichen Gemeinden Österreichs zu einer -Erhöhung des Radverkehrsanteils geführt haben.
Radfahren im Ort erhöht die Lebensqualität
Radfahren liegt im Trend. Immer mehr Menschen nutzen die Vorteile des Radfahrens. Vor allem im Vergleich zum Auto zeigen sich die Stärken deutlich: Radeln ist kostengünstig, gesund und umweltverträglich. Für kürzere Strecken ist das Fahrrad ein ideales Verkehrsmittel. Jede zweite Autofahrt in Österreich ist kürzer als fünf Kilometer. Auf diesen Distanzen ist das Fahrrad oft schneller als das Auto.
Radfahren hält Geist und Körper fit
Radfahren ist die beste Medizin gegen Bewegungsmangel und
Übergewicht. Wer mehr Rad fährt, stärkt die Durchblutung des
Herzmuskels. Das Risiko für Herzerkrankungen sinkt. Regelmäßiges
Radfahren beugt Bluthochdruck, chronischer Bronchitis, Asthma,
orthopädischen Störungen und Krampfadern vor.
Wer im Alltag Rad
fährt, lebt nicht nur körperlich gesünder, sondern fühlt sich auch
wohler. Radfahrende bezeichneten sich in einer Studie viermal so häufig
als „glücklich“ oder „sehr glücklich“ als Menschen, die kaum oder nie
mit dem Rad fahren. Auch eine Anti-Stress-Wirkung konnte festgestellt
werden. Insgesamt wirkt sich das Radfahren laut Studie folgendermaßen
aus: Wer regelmäßig mit dem Rad in die Arbeit fährt, kann mit einer
durchschnittlichen Zunahme der Lebenserwartung um zwei Jahre rechnen und
ist etwa so fit, wie eine fünf bis zehn Jahre jüngere Person.
Bessere Luft und weniger Lärm
Mehr Radverkehr bedeutet weniger Staus, weniger Abgase und weniger Verkehrslärm. Verkehr ist der Hauptverursacher von Schadstoffen wie Feinstaub und Stickoxiden. Gerade bei kurzen Autofahrten ist der Spritverbrauch sehr hoch. Bei einer Verdoppelung des Radverkehrsanteils auf rund zehn Prozent könnten in Österreich rund 240.000 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden. Die Feinstaubbelastung würde um 190 Tonnen pro Jahr sinken.
Verkehrssicherheit nimmt mit Radverkehr zu
Mit jedem zusätzlichen Radfahrenden erhöht sich die
Verkehrssicherheit, wie sich beispielsweise in Salzburg zeigte. In
Salzburg konnte der Radverkehr in den Jahren 1992 bis 2004 um 40 Prozent
gesteigert werden, im selben Zeitraum wurden um rund 40 Prozent weniger
Unfälle pro Rad-Kilometer verzeichnet.
In Österreich ist der
Radverkehr zwischen dem Jahr 2004 und dem Jahr 2007 um rund 35 Prozent
gestiegen, die Zahl der tödlichen Unfälle um 36 Prozent gesunken.
Radfahren bringt Gemeinden großen Nutzen
In Ortszentren gibt es oft Staus und Mangel an Parkplätzen. Wenn mehr Menschen mit dem Fahrrad fahren, kann dieses Problem entschärft werden. Mehr Radverkehr bedeutet auch eine Wiederbelebung des öffentlichen Raumes, der wieder zum Ort der Begegnung und Kommunikation wird. Gleichzeitig wird der Ortskern belebt und die Nahversorgung gestärkt. Die örtliche Wirtschaft profitiert.
Gemeinden können Radverkehr stark fördern
Für Gemeinden gibt es viele Möglichkeiten, um den Radverkehr attraktiv zu machen. Die meisten Maßnahmen sind relativ kostengünstig. Vereinfachend ist, dass für die Planung und Errichtung von innerörtlichen Radverkehrsanlagen beziehungsweise Radrouten die Gemeinden selbst verantwortlich sind. Auch die Entscheidung über verkehrsorganisatorische Maßnahmen, wie die Einführung von Tempo 30 und die Öffnung von Einbahnstraßen für Radfahrende, liegt oftmals bei den Gemeinden.
Abkürzungen für das Radfahren schaffen
Direkte und damit kurze und zeitsparende Wege erhöhen die Bereitschaft der Menschen, mit dem Rad statt dem Auto zu fahren. Die Öffnung von Einbahnstraßen und Fußgängerzonen erleichtert es per Fahrrad zeitsparender vorwärts zu kommen. Um Umwege zu vermeiden, kann Radfahren von Abbiegeverboten und allgemeinen Fahrverboten ausgenommen werden.
Maßnahmen für mehr Verkehrssicherheit
Baulich getrennte Radfahrstreifen vermitteln ein Gefühl der Sicherheit, bedingen aber oft Unfallhäufungen im Kreuzungsbereich. Besser sind im Ortsgebiet auf der Fahrbahn durch Markierungen abgegrenzte Radfahrstreifen und Mehrzweckstreifen. Sie geben den Radfahrenden auf der Fahrbahn Platz und signalisieren dem Kfz-Verkehr: „Hier gibt es Radverkehr.“ Niedrigere Tempolimits im Ortsgebiet machen das Radfahren sicherer und attraktiver. Die Erfahrung in etlichen Gemeinden Österreichs zeigt, dass eine verminderte Geschwindigkeit viele Menschen zum Umstieg auf das Rad motiviert.
Gute Abstellanlagen schaffen mehr Komfort
Im Jahr 2007 wurden in Österreich rund 24.000 Fahrräder gestohlen. Ein gutes Fahrradschloss und sichere Abstellanlagen sind sehr wichtig. Das Abstellen von Fahrrädern soll schnell und ohne Kraftaufwand möglich sein. Die Fahrräder müssen am Rahmen oder an der Lenkstange gestützt oder gehalten werden. Zumindest der Rahmen soll mit einem handelsüblichen Bügelschloss angehängt werden können. Wichtig ist es, dass Abstellanlagen für Fahrräder näher beim Eingang des Zieles liegen als Autoabstellplätze. Überdachte und gesicherte Radabstellanlagen sowie eine gute Anbindung an Bus und Bahn attraktiveren das Radfahren zusätzlich.
Öffentlichkeitsarbeit für Radfahren
Öffentlichkeitsarbeit für Radfahren wirkt. Rad-Aktionstage, Gratis-Radfahrservice und Radausflüge sind wichtige Impulse. Besonders erfolgversprechend ist es, wenn Angestellte der Gemeinde mit gutem Beispiel vorangehen und mit dem Rad in die Arbeit fahren. Auch Artikel in Gemeindezeitungen können regelmäßig auf das Radfahren aufmerksam machen.
Radverkehrsanteil in Gemeinden erhöhen
Viele Autofahrten in Österreich sind sehr kurz: Jede vierte Autofahrt
ist kürzer als zwei Kilometer, jede zweite Autofahrt kürzer als fünf
Kilometer. Für kurze Strecken ist das Fahrrad das ideale Verkehrsmittel.
Gemeinden können das Radfahren mit zahlreichen Maßnahmen sicher und
attraktiv machen. Maßnahmen wie die Schaffung von Radverkehrsanlagen,
eine optimale Beschilderung, die verbesserte Anbindung an den
Öffentlichen Verkehr und verkehrsberuhigte Zonen fördern das Radfahren.
Der
Radverkehrsanteil in Österreich liegt noch weit hinter dem anderer
europäischer Staaten. In Deutschland wird pro Person fast doppelt so
viel Rad gefahren wie in Österreich. Vorbildhaft ist Vorarlberg, wo
doppelt so viel Rad gefahren wird wie im Österreich-Durchschnitt.
Radfahren: Sicher, sauber, schnell
Mehr Radverkehr verringert nicht nur Staus und Parkplatzprobleme in
den Ortszentren. In Gemeinden mit hohem Radverkehrsanteil profitiert
auch die örtliche Wirtschaft. Wo mit dem Fahrrad Einkäufe erledigt
werden können, wird die Nahversorgung gestärkt.
Die Menschen
ersparen sich durch das Radfahren gerade bei steigenden Spritpreisen
viel Geld. Die Ölpreise werden weiter in die Höhe klettern. Umso
wichtiger ist es, in den Gemeinden gute Bedingungen zum Radfahren zu
schaffen. Das ermöglicht den Bürgerinnen und Bürgern kostengünstig ans
Ziel zu kommen. Es bleibt mehr Geld für den Einkauf im Ort, wenn weniger
für das schwarze Gold, das importiert werden muss, ausgegeben wird.
Quelle: VCÖ-Hintergrundbericht Radfahren in Gemeinden, Wien 2008
VCÖ-Tipps für Gemeinden
Gemeinde radfahrfreundlich machen und Radverkehrskonzept erstellen
• Abkürzungen, beispielsweise Einbahnen oder Fahrverbote, für den Radverkehr öffnen
• Radfahrstreifen oder Mehrzweckstreifen auf den Hauptstraßen machen sichtbar, dass Radfahren willkommen ist
• Gute Abstellanlagen für Fahrräder errichten
• Niedrige Tempolimits geben mehr Sicherheit beim Radfahren
• Im Freiland begleitend zu stark befahrenen Straßen Radwege errichten
• Nahversorgung stärken und das Einkaufen mit dem Fahrrad forcieren
Mit gutem Beispiel vorangehen
Angestellte in Gemeinden werden ermutigt, Dienstfahrten mit dem Fahrrad zurückzulegen.
Öffentlichkeitsarbeit für Radfahren
Artikel in der Gemeindezeitung und Aktionstage schaffen ein Bewusstsein für das Radfahren im Alltag.
Den Kauf von Fahrrädern fördern
Manche Gemeinden fördern den Kauf des Fahrrads, etwa mit einem Gutschein von 50 oder 100 Euro.
Betriebe und Unternehmen einbinden
Betriebliches Mobilitätsmanagement setzt Anreize, damit Angestellte mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen.
Beispiele für erfolgreiche Gemeinden
Weiz (9.000 Einwohner)
verzeichnet einen Radverkehrsanteil von rund neun Prozent. Dies konnte
durch einige relativ leicht durchführbare Maßnahmen erreicht werden:
Mobilitätsmanagement in der öffentlichen Verwaltung, Schaffung von
überdachten Abstellplätzen, kostenlose Fahrradchecks und
Öffentlichkeitsarbeit.
Neuhofen an der Krems (5.600 Einwohner) verfügt über ein gutes Radverkehrskonzept. Rund 50 Prozent der Einbahnen sind für das Radfahren freigegeben. 50 Prozent der Gemeindestraßen im Ort sind durch 30 km/h-Zonen verkehrsberuhigt. Hauptverbindungen innerhalb des Ortes wurden mit Mehrzweckstreifen versehen, Abstellanlagen bei Wohnanlagen forciert. Der Radverkehrsanteil beträgt zehn Prozent.
In Wolkersdorf (7.300 Einwohner) wird der Radverkehr forciert. So wird in der Gemeindezeitung regelmäßig auf die Vorteile des Radfahrens hingewiesen. Der Radverkehrsanteil in Wolkersdorf liegt bei rund acht Prozent. Verkehrsberuhigungsmaßnahmen wurden gesetzt und Einbahnen für das Radfahren geöffnet, um ein radfahrfreundliches Klima zu schaffen. Neue Abstellanlagen wurden geschaffen und Radboxen werden angeschafft.









